Schnell lernen und fit werden

Finnischer Neuzugang Matias Pyysalo büffelt fleißig Vokabeln

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Lauf- und abschlussstark: OFC-Zugang Matias Pyysalo (links, im Testspiel gegen den Erfurter Francis Adomah) aus Finnland soll vor allem vorne helfen. „Ich sehe mich als offensiven Mittelfeldspieler“, sagt der 23-Jährige.

Offenbach – In seiner neuen Wohnung liegen fünf DIN-A-4-Seiten mit deutschen Vokabeln, aufgeschrieben vom Trainerteam seines neuen Vereins Kickers Offenbach. Ein paar davon kann Matias Pyysalo schon. Von Jörg Moll

„Guten Morgen und guten Abend“, geht dem finnischen Winterzugang des Fußball-Regionalligisten schon flüssig über die Lippen. Auf der Liste, die Trainer Daniel Steuernagel erstellt hat, stehen vor allem fußballspezifische Begriffe. „Druck“ zum Beispiel, auch das kann Pyysalo schon.

„Das ist gut, dass er dieses Wort schon beherrscht“, sagt Steuernagel lachend: „Das ist für unsere Art zu spielen ja sehr wichtig.“ Pyysalo, der am Mittwoch seinen Einstand beim 1:1 gegen Nordost-Regionalligist Rot-Weiß Erfurt gab, wird schnell lernen müssen. „Kein Problem für mich“, sagt er in bestem US-Englisch: „Ich lerne gerne schnell.“ In der Schule in seiner Heimat Finnland stand neben Englisch die Sprache des Nachbarn Schweden im Lehrplan. „Deutsch ist für mich neu“, räumt der sechsmalige U19-Nationalspieler Finnlands ein. Englisch dagegen ist quasi zu seiner Muttersprache geworden.

Nach dreieinhalb Jahren in den USA kein Wunder. Pyysalo spielte während seines Sport- und Sportmanagementstudiums für das Team der University of Central Florida, die UFC Knights, und den Zweitligisten Derby City Rovers im US-Bundesstaat Kentucky. Nach erfolgreichem Bachelor-Abschluss kehrte der „lauf- und abschlussstarke Mann für die offensiven Halbräume“ (Steuernagel) in seine finnische Heimat zurück. Dort stürmte er für den Drittligisten Vantaan Jalkopalloseura. „Das Niveau in der Regionalliga ist höher als in den College-Ligen und in der 3. finnischen Liga“, räumt Pyysalo ein.

Gegen Erfurt begann der 23-Jährige als zweite Spitze neben Jake Hirst, nach Wiederanpfiff agierte er leicht zurückgezogen. Eine Rolle, die ihm besser gefällt. „Ich sehe mich als offensiven Mittelfeldspieler“, erklärt er. Mit schnellen Pässen die Mitspieler einsetzen, aber auch selbst den Abschluss suchen – diese Stärken solle er mindestens bis Saisonende für die Kickers gewinnbringend einsetzen. Nach seinem Umzug am Wochenende aus Finnland, wo Fußball erst im April wieder Thema ist, räumt er ein, „höchstens bei 65 Prozent“ Leistungsvermögen zu sein. „Aber bis zum ersten Spiel bin ich bei 100 Prozent“, sagt er.

Bilder: OFC testet gegen Rot-Weiß Erfurt 

Pyysalo wird also nicht nur schnell deutsche Fußball-Vokabeln lernen, sondern auch im Training Rückstände aufholen müssen. Dass er dazu bereit ist, daran hat Trainer Daniel Steuernagel keinerlei Zweifel. „Er ist ein sehr intelligenter Junge, der alles in Windeseile aufsaugt“, lobt er den ersten Finnen bei den Kickers, der sich im Probetraining für ein Engagement empfohlen hatte. Der OFC-Zugang gibt das Lob umgehend zurück. „Ich bin super aufgenommen worden, die Jungs helfen mir sehr bei der Integration.“ Pyysalo, der die Wohnung von Ihab Darwiche (ging zu Ligarivale FC Homburg) in Bieber übernommen hat, freut sich auf die „Chance zur Weiterentwicklung bei einem Traditionsklub mit großer Fanbasis“. Bis Juni will er sich daher „voll auf Fußball konzentrieren“ – und auf die Vokabelseiten.

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