„Highlightspiel“ wird zum Debakel

Bittere Lehrstunde vom Erzrivalen für Kickers Offenbach

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Mannheimer Freude und Offenbacher Enttäuschung: Während Waldhofs Torschütze Marco Meyerhöfer (Mitte) mit Valmir Sulejmani (Nummer neun) und Gian-Luca Korte (links) den Treffer zum 2:0 feiert, sind die OFC-Verteidiger Francesco Lovric (rechts) und Jan Hendrik Marx frustriert.

Das „Highlightspiel“ ist für die Offenbacher Kickers zum Debakel geworden. Vor fast 11.000 Zuschauern gab es gegen Waldhof Mannheim mit 0:4 die höchste Niederlage der Saison. Der designierte Meister zeigte, was dem OFC unter anderem fehlt, um ein echtes Spitzenteam zu sein: Effektivität.

Offenbach – Die Aussage von Daniel Steuernagel stand im krassen Widerspruch zu den Zahlen und der Stimmungslage beim Anhang der Offenbacher Kickers. Seine Elf habe „keine schlechte Partie gemacht“, sagte der OFC-Trainer nach dem deftigen 0:4 (0:3) im „Highlightspiel“ gegen Erzrivale Waldhof Mannheim. Der Großteil der Fans sah das anders. Zur Pause hatte es Pfiffe gegeben. Nach der Begegnung herrschte Schockstarre beim OFC-Anhang. Dagegen feierten die rund 4 000 Waldhöfer unter den 10 701 Zuschauern den designierten Meister und Aufsteiger, der aus den letzten fünf Spielen einen Punkt holen muss, um rechnerisch durch zu sein.

Der OFC war in Mannheim nicht zwei Tore besser

Mannheims Trainer Bernhard Trares war „überglücklich“ und voll des Lobes. „Hervorragend“, „fantastisch“, ja, „perfekt“ habe sein Team gespielt – und den Kickers nur Chancen gestattet, weil man „nach hinten raus zu lässig agiert“ habe. Später legte er im kleinen Kreis nach: „Wir haben dem OFC heute etwas zurückgezahlt.“

Um das einzuordnen, muss man wissen, dass Steuernagel und Trares seit dem Hinspiel keine Freunde sind. Damals hatte der OFC-Trainer den 3:1-Sieg in Mannheim als verdient bezeichnet, was Trares anders sieht: „Wir hätten das Hinspiel 3:0 gewinnen müssen“, betonte er. Fakt ist: Der OFC war in Mannheim nicht zwei Tore besser – und Mannheim in Offenbach nicht vier. Aber in den entscheidenden Punkten hatten die Gäste klare Vorteile. Vor allem bei der Chancenverwertung, die Anzahl der Möglichkeiten war nämlich nahezu identisch.

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„Nach einem 0:4 hat man wenig Argumente“, gab Steuernagel zu. „Mannheim war brutal effektiv, hat fünfmal aufs Tor geschossen und viermal getroffen.“ Wobei die Kickers jeweils mithalfen. Vor dem 0:1 durch Gian-Luca Korte, der aus 16 Metern volley traf, hatte Francesco Lovric falsch gestanden. Beim 2:0 eilten drei Mann in Richtung Torauslinie, aber keiner deckte Marco Meyerhöfer. Das 3:0 und 4:0 waren Eigentore. Erst lenkte Lucas Albrecht einen Schuss, der im Aus gelandet wäre, mit der Brust ab, dann traf ihn Timo Kerns Hereingabe am Fuß, wobei zuvor bereits Daniel Endres und Marco Ferukoski schlecht ausgesehen hatten.

OFC: Die letzte Niederlage gab es am 6. Oktober 2018

Und die Kickers? Serkan Firat schlenzte vorbei (6.). Danach parierte Markus Scholz gegen Moritz Reinhard (37.) und Jake Hirst (70., 79.). Zwischendurch war Maik Vetter alleine aufs Tor zugelaufen, hatte sich den Ball aber zu weit vorgelegt (55.). „Dass die Mannheimer viermal treffen, ist natürlich auch eine gewisse Qualität“, gab Steuernagel zu. „Und wenn man einen Lauf hat, kann ein Spiel auch mal in so eine Richtung gehen.“ Der Lauf in Zahlen: Für Mannheim war es der zehnte Sieg in Folge. Die letzte Niederlage gab es am 6. Oktober 2018 – gegen den OFC.

An der Effizienz und dem Lauf alleine lag es aber nicht, dass die Kickers gegen Mannheim zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren zu Hause 0:4 verloren und die höchste Niederlage der Saison kassierten. „Wir wollten unseren Fans zeigen, dass wir das Potenzial haben, um oben mitzuspielen“, sagte Rechtsaußen Jan Hendrik Marx, dessen Vertrag ausläuft und der „in jedem Fall Gespräche mit dem OFC führen will“. Doch davon waren die Kickers weit entfernt. Es fehlt auch an Klasse und an Erfahrung. So bringen es die 15 eingesetzten Waldhöfer auf 19 Erst-, 141- Zweit- und 244 Drittliga-Einsätze, während die Kickers (1/32/126) einen 19-Jährigen sowie einen 22-Jährigen einwechselten, der vergangene Saison noch in der Kreisoberliga spielte. Auch daher wollte Steuernagel der Mannschaft „keinen Vorwurf“ machen. „Sie hat Moral gezeigt und nie aufgegeben.“ Ein gutes Spiel war es vom OFC dennoch nicht.

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VON CHRISTIAN DÜNCHER

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