1. Startseite
  2. Sport
  3. Kickers Offenbach

Gerrit Gohlke ist ein abgebrühter Jungspund

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Manuel Schubert

Kommentare

Schnell, aggressiv, aufmerksam: Gerrit Gohlke.
Schnell, aggressiv, aufmerksam: Gerrit Gohlke. © Hübner

So wie er auf dem Fußballfeld agiert, so gibt sich Gerrit Gohlke auch im Gespräch. Ruhig, unaufgeregt, für seine gerade einmal 20 Jahre ziemlich souverän.

Offenbach – Entsprechend abgeklärt legt der Innenverteidiger der Offenbacher Kickers auch den 2:0-Auftaktsieg über den SSV Ulm zum Regionalliga-Start ad acta. „2:0 gewonnen, zu Hause, zu null gespielt“, so Gohlke, „besser geht’s nicht zum Saisonauftakt. “

Letzteres könnte man auch über den jungen Stopper sagen, der im Abwehrzentrum eine richtig gute Figur abgab. Etwas überraschend, aber nach starker Vorbereitung durchaus verständlich, hatte Trainer Daniel Steuernagel das Eigengewächs in die Startelf beordert – und nicht die erfahreneren Lucas Albrecht, 28, oder Francesco Lovric, 23, die sich letzte Saison noch neben Kapitän Benjamin Kirchhoff abgewechselt hatten. Albrecht wurde sieben Minuten vor Schluss eingewechselt – als Stürmer. Lovric blieb gar nur ein Platz auf der Tribüne.

„Zu null spielen – das war das Hauptziel für mich.“

Stattdessen spielte Gohlke. Und machte seine Sache an der Seite des zehn Jahre älteren und bundesligaerprobten Kevin Pezzoni exzellent. Eng am Mann, aggressiv im Zweikampf, aufmerksam in der Rückwärtsbewegung, mit viel Ruhe am Ball. Wer hätte das gedacht? Der 1,92 Meter lange Jungspund bleibt jedoch bescheiden. „Ich bin relativ zufrieden“, sagt Gohlke. „Zu null spielen – das war das Hauptziel für mich.“ Das ist geglückt.

Erst am Montagvormittag hatte Steuernagel dem jüngsten seiner vier Innenverteidiger mitgeteilt, dass er am Abend von Beginn an auf ihn bauen würde. „Gerrits Schnelligkeit war sehr wichtig, weil wir wussten, dass der Gegner viele tiefe Laufwege macht“, begründet der Coach seine Entscheidung. Bereut hat er sie nicht: Gohlke habe „exzellent durchgedeckt“, so Steuernagel.

Auch die Teamkollegen sind voll des Lobes über den jungen Mann. „Er hat das Vertrauen mit einer guten Leistung zurückgezahlt“, attestiert der neue Kapitän Richard Weil. Auch Nebenmann Pezzoni lobt Gohlke: „Er hat großes Potenzial und eine tolle Zukunft vor sich. Die Absprachen haben sehr gut funktioniert.“ Der Gehuldigte ist froh, einen mit allen Wassern gewaschenen Nebenmann an seiner Seite zu wissen. „Ich verstehe mich auf und neben dem Platz extrem gut mit ihm“, sagt „Gerry“ über „Pezzo“. „Er spricht nach den Trainingseinheiten viel mit mir. Ich bin mehr als glücklich, mit ihm zusammen zu spielen.“

„Eine brutale Entwicklung“.

Das OFC-Trikot trägt Gohlke schon seit der U10, der gebürtige Darmstädter hat sich in Offenbach hochgearbeitet und dabei kontinuierlich gesteigert. In der Saison 2017/18 zählte er als 18-Jähriger erstmals zum erweiterten Regionalligakader, kam aber nur auf zwölf Einsatzminuten. In der Spielzeit 2018/19 gehörte Gohlke dann fest zum Aufgebot, schaffte es viermal auf den Rasen, davon dreimal über 90 Minuten. „Gerrit hat nie aufgemuckt und immer an sich gearbeitet“, lobte Sportdirektor Sead Mehic nach dem Startelfdebüt im April 2019. Und bescheinigte dem Mann mit der Rückennummer 24 „eine brutale Entwicklung“.

Die verläuft steil bergauf und gipfelte nun in der Nominierung für die erste Elf am ersten Spieltag. Aktuell scheint Gohlke, einer der Schnellsten im Kickers-Team, in der Innenverteidigung die Nase vorn zu haben. „Nach der letzten Saison war es für mich kein Selbstläufer, dass ich anfange“, sagt der Abwehrmann, auf den auch schon der FC Schalke 04 ein Auge geworfen haben soll. „Ich bin froh, dass der Trainer auf mich gesetzt hat.“

Hohes Trainingsniveau 

Ob Steuernagel weiter so verfahren wird, wird sich schon am Sonntag beim nächsten Auftritt der Kickers gegen den SC Freiburg II zeigen. Der Trainer attestiert nicht nur Gohlke und Pezzoni, sondern auch Albrecht und Lovric, eine „sehr gute Vorbereitung gespielt“ zu haben. „Wir haben in der Innenverteidigung vier gute Spieler. Das wollten wir auch, damit das Trainingsniveau hoch ist“, so Steuernagel. Worte, die den beiden momentanen Reservisten Hoffnung machen dürften.

Doch auch, wenn Gohlke erst noch beweisen muss, dass er über eine komplette Saison hinweg konstant auf dem Niveau spielen kann wie gegen Ulm – aktuell gibt es für Steuernagel wenig Anlass, etwas zu verändern.

Lesen Sie auch: 

OFC reißt Fans mit leidenschaftlichem Fußball mit

Der Neustart ist gelungen: Beim Auftaktsieg gegen Ulm schaffen es die Offenbacher Kickers, ihr Publikum mit leidenschaftlichem Fußball mitzureißen.

Kampfansage von Kevin Pezzoni: „Wir schauen klar nach oben“

Als Kevin Pezzoni im April sein letztes Heimspiel für den Regionalliga-Absteiger SC Hessen Dreieich absolvierte, verloren sich gerade einmal 359 Zuschauer im Sportpark.

Auch interessant

Kommentare