Sieg in Hoffenheim

Rückstand, Verletzung, Platzverweis: Ohne Drama geht es beim OFC nicht

+
Huckepack durch den Kraichgau: Ronny Marcos (oben) knuddelt Siegtorschütze Francesco Lovric.

Die Comeback-Könige der Fußball-Regionalliga Südwest haben wieder zugeschlagen. Der OFC hat gegen Hoffenheim gewonnen.

Sinsheim – Mit einem 2:1 (0:1)-Sieg bei der TSG 1899 Hoffenheim II haben die Offenbacher Kickers die Tabellenführung übernommen und beste Werbung für das Spitzenspiel am Samstag gegen die SV Elversberg betrieben. Bei brütend heißen Temperaturen trotzten die Kickers allen Widrigkeiten und drehten zum zweiten Mal binnen fünf Tagen nach einem Rückstand eine Partie. Zum zweiten Mal nach dem 1:1 gegen Aalen trafen sie auch in Unterzahl.

Joachim Wagner atmete nach 95 hochemotionalen Minuten im Hoffenheimer Dietmar-Hopp-Stadion tief durch. „Das ist nichts für meine Nerven“, sagte der Kickers-Präsident. Im Hintergrund feierten 1000 mitgereiste Offenbacher Fans eine Mannschaft, die wieder einmal dann zurückschlug, als vieles gegen sie sprach. „Die Moral der Mannschaft ist sehr positiv. Wir sind sehr stolz“, lobte Wagner.

Kickers stecken frühen Rückstand weg

Die Kickers hatten den frühen Rückstand durch Tim Linsbichlers Kopfball nach einer schwach verteidigten Ecke (14.) weggesteckt, sie hatten den frühen Ausfall von Kapitän Richard Weil (vermutlich Prellung am Oberschenkel) verdaut und sie hatten Glück, als Chinedu Ekene nur die Latte traf (50.). Sie glichen durch den starken Nejmeddin Daghfous aus (58.). Und sie kamen in Unterzahl nach einer umstrittenen Roten Karte für Kevin Pezzoni (63.) noch zum Siegtor durch Francesco Lovrics Kopfball (82.).

„Das ist kein Zufall mehr“, zeigte sich OFC-Torwart Dominik Draband nach der Rückkehr zu seinem Ausbildungsverein tief beeindruckt von seiner neuen Mannschaft. „Wir haben eine brutale Moral“, lobte er: „Aber man hat auch gesehen, dass wir absolut fit sind.“ Der erneut überragende Nejmeddin Daghfous stimmte zu: „Wir sind immer in der Lage, zurückzukommen.“

Zwei Geniestreiche des Offenbacher Zehners

Gestern waren es zwei Geniestreiche des Offenbacher Zehners, die die OFC-Fans am Ende völlig aus dem Häuschen geraten ließen. Erst drehte sich Daghfous nach einem Einwurf von Ronny Marcos im Strafraum geschmeidig um seinen Gegenspieler und schoss flach unter Torwart Stefan Drljaca zum Ausgleich ein. Beim Siegtor legte er einen Freistoß perfekt auf den Kopf von Lovric. „Nej hat wieder seine individuelle Klasse gezeigt“, lobte Daniel Steuernagel.

Der OFC-Trainer hatte die Startelf gegenüber dem ebenfalls nach 0:1-Rückstand erkämpften 2:1-Sieg beim Bahlinger SC nur auf einer Position verändert, für Matias Pyysalo spielte Manolo Rodas. Die Kickers begannen ordentlich, ohne richtig zwingend zu sein. Dafür klingelte es gleich beim ersten gefährlichen Angriff der spielstarken Gastgeber. Nach Ecke von Robin Szarka köpfte Linsbichler relativ unbedrängt ein. „Da müssen wir aufmerksamer sein“, ärgerte sich Steuernagel über das passive Verteidigungsverhalten in dieser Szene.

Weil muss verletzt vom Platz

Die Kickers schüttelten sich kurz, erst recht nach dem Aus für Kapitän Weil (21.). Der Mittelfeldspieler blieb nach einem Zweikampf am Boden liegen und musste mit dick bandagiertem Oberschenkel vom Platz. Doch wieder einmal zeigte sich, dass der OFC Ausfälle in dieser Saison durch seine gut besetzte Bank verkraften kann. Luka Garic kam für Weil ins Spiel, fügte sich sofort gut ein – und hatte kurz vor der Pause Pech, als sein abgefälschter Schuss an den Pfosten klatschte. Zuvor hatten Marco Schikora (20.) und Moritz Reinhard (41.) den Ausgleich auf Kopf und Fuß.

OFC gewinnt bei der TSG Hoffenheim II: Bilder

Nach Wiederanpfiff wurde die Partie immer hitziger. Vor allem, weil Schiedsrichter Luca Schlosser mit zum Teil strittigen Entscheidungen immer mehr Schärfe ins Spiel brachte. Spätestens nach dem Platzverweis war ihm die Partie entglitten.

„Ich sage nichts mehr zu Schiedsrichtern“, meinte Steuernagel nach dem Abpfiff lächelnd. Anlass genug hatte es gegeben, aber nach dem erneuten Drama-Triumph war der OFC-Coach milde gestimmt: „Wir haben wieder ein Spiel gedreht, wir sind Tabellenführer – damit haben sich die Jungs belohnt, das freut mich.“

VON JÖRG MOLL

Lesen Sie auch:

OFC ärgert sich über Schiri Schlosser: "Hatte die Partie nicht im Griff"

Kevin Pezzoni gehört nicht unbedingt zu den emotionalen Typen bei den Offenbacher Kickers. Der Ex-Bundesligaspieler ist normalerweise schwer aus der Ruhe zu bringen. Doch über die Szene in der 61. Minute regte sich der 30-Jährige auch nach dem 2:1 bei 1899 Hoffenheim II noch auf.

In der Bundesliga angekommen

Die Leistung hat gestimmt, das Ergebnis nicht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare