Fußball in der Corona-Krise

OFC-Kapitän zu Kurzarbeit bei den Kickers: „Es ist hart, aber wir jammern nicht“

Vor mehr als fünf Wochen absolvierten OFC-Kapitän Maik Vetter (rechts, gegen Elversbergs Simakala) und seine Kollegen zuletzt ein Spiel. Foto: hübner

Als dienstältester Spieler im Kader hat Maik Vetter (28) bei Kickers Offenbach schon einiges erlebt. Die aktuelle Situation lässt aber auch den OFC-Kapitän alles andere als kalt.

  • Unter der Coronavirus-Pandemie leidet auch die Sportwelt
  • Kickers Offenbach (OFC) hat Kurzarbeit angemeldet
  • Kapitän Maik Vetter schildert seine Sicht auf die Corona-Krise

Offenbach – Der Allrounder, der seit sechs Jahren beim Regionalligisten unter Vertrag steht, spricht im Interview über Entschleunigung, Kurzarbeit sowie Positives in schwierigen Zeiten.

Kickers Offenbach (OFC) während der Coronavirus-Pandemie: Alltag kehrt etwas zurück

Als Fußballer sind Sie es gewohnt, draußen und unter Leuten zu sein. Das ist nur noch eingeschränkt möglich. Wie erleben Sie die Corona-Krise?

Ich habe mich ein Stück weit daran gewöhnt. Ein bisschen sind die Einschränkungen bereits zur Normalität geworden. Als junger Vater ist es schön, viel Zeit zu haben. Dadurch, dass wir wieder in kleinen Gruppen trainieren dürfen, ist etwas Alltag zurückgekehrt. Dennoch bleibt einiges ungewohnt. Das Wetter ist aber ja zum Glück gut. Das macht es einfacher, als wenn draußen alles verregnet und grau wäre. Und das Leben hat sich insgesamt etwas entschleunigt, was auch sehr angenehm ist.

Hat sich Ihre Tochter Lorena bereits daran gewöhnt, ihren Papa neuerdings so oft zu sehen?

Ich hatte das Glück, dass sie am letzten Spieltag der vergangenen Saison zur Welt kam. Danach war ja erst mal Sommerpause, sodass wir damals schon eine sehr intensive Zeit miteinander hatten. Das ist jetzt wieder der Fall. Sie wird bald elf Monate alt und macht erste Gehversuche. Ich bin teilweise mit ihr stundenlang draußen, kann meiner Frau damit einiges abnehmen. Und mittags schläft die Kleine immer, dann habe ich auch Zeit für mich.

Kickers Offenbach: OFC-Kapitän Vetter ist in der Corona-Krise kein Zocker

Glüht dann bei Ihnen, wie bei vielen anderen Kollegen in der fußballlosen Zeit, die Play-Station?

Gar nicht. Ich hatte eine, die habe ich aber vor zwei Monaten in die Kabine gestellt, damit andere sie nutzen können. Vorher habe ich jedoch auch nicht viel gespielt. Die Zocker bei uns sind eher Ronny Marcos, Francesco Lovric, Pelle Hoppe und Serkan Firat.

Die vier müssen sich nun nicht mehr mit Fußball-Simulationen an der Konsole begnügen. Es darf nun wieder trainiert werden. Wie wichtig ist das?

Sehr wichtig. Weil alle Sportplätze gesperrt waren, konnten wir ja quasi nur laufen, zumeist auf Beton. Für alle, die zuletzt Verletzungen hatten, war das nicht gut. Das ging auf die Gelenke. Das erste Mal wieder mit ein paar Kollegen auf dem Platz zu stehen, hat sehr viel Spaß gemacht, auch wenn man improvisieren musste. Aber das Trainerteam hat das sehr gut gemacht, sich einiges einfallen und immer in Wettbewerbsform üben lassen. Das hatte mir schon gefehlt. Ich bin froh und dankbar, dass wir wieder trainieren dürfen, auch wenn ich nach der ersten Einheit völlig kaputt war. Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob man alleine oder im Team und fußballspezifisch trainiert.

Kickers Offenbach (OFC) in der Corona-Krise: Die persönlichen Gespräche fehlen

Man hört immer wieder von Kollegen, dass sie neben dem Fußball vor allem die Kabinengespräche vermissen. Sehen Sie das genauso?

Auf jeden Fall. Es gehört in jeder Mannschaftssportart dazu, mal einen anderen hochzunehmen oder ein bisschen zu flachsen. Wir haben natürlich auch unsere Whatsapp-Gruppen, die können das jedoch nur bedingt ersetzen. Natürlich wird auch mal telefoniert oder man verabredet sich zu dritt oder viert zum Videochat. Wir haben uns jedoch immer streng an die Regeln gehalten und uns nie getroffen, auch wenn man sich gerne mal gesehen hätte.

Trainiert wird wieder. Es ist jedoch völlig offen, ob beziehungsweise wann und unter welchen Voraussetzungen diese Saison gespielt werden kann. Wie frustrierend ist das?

Die ungeklärte Frage, wie es weiter geht, trübt auf jeden Fall etwas die Stimmung. Es gibt aber andere Schicksale, Leute, die es wesentlich härter trifft. Das Coronavirus ist kein Spaß, es kann schwere gesundheitliche Folgen haben oder Menschenleben kosten. Viele Leute müssen eventuell ihre berufliche Existenz aufgeben. Wer gesund ist und nicht vor dem finanziellen Ruin steht, darf sich eigentlich nicht beklagen.

Machen Sie sich keine Sorgen?

Doch, natürlich, man sorgt sich um alles mögliche, nicht nur um den Fußball und um den OFC. Das ist ja eine Situation, die man so nicht kannte. Man fragt sich auch, wie werthaltig sein Gehalt oder Beruf noch ist. Irgendwann muss man ja mal anfangen, wieder etwas zur Normalität zurückzukehren. Nur noch Geisterspiele - das kann auch nicht die Lösung sein. Aber wie gesagt: Wir dürfen nicht klagen. Es gibt Trauerfeiern oder Hochzeiten, die ohne Gäste stattfinden müssen. Das ist wirklich nicht schön. Ich hoffe daher für alle, dass das alles schnell aufhört.

Kickers Offenbach (OFC) hat in der Corona-Krise Kurzarbeit angemeldet

Der OFC hat Kurzarbeit beantragt,weil das Arbeitspensum nur noch 25 Prozent betrage, leistet jedoch zur Abschwächung des Nettoausfalls einen Aufstockungsbetrag. Geschäftsführer Thomas Sobotzik sprach von einer sozialverträglichen Lösung. Stimmen Sie dem zu?

Durch die Aufstockung wird vieles abgefedert, ansonsten geht es uns wie vielen anderen Arbeitnehmern. Die Gehälter bei uns sind weit entfernt vom Erst- oder Zweitliga-Niveau. Wir hatten mit gewissen Einnahmen gerechnet, uns fehlen auch Prämien. Es gibt aber andere Branchen, die es viel härter trifft, oder Selbständige, die ums finanzielle Überleben kämpfen. Für uns ist es hart, wir werden aber nicht jammern, auch wenn wir hoffen, dass wir alles so schnell wie möglich überstehen und dann das normale Gehalt bekommen. Ein halbes Jahr wird es hoffentlich nicht dauern.

Die Fans der Kickers setzen mal wieder ein Zeichen und haben inzwischen mehr als 4500 Geisterspieltickets gekauft. Hätten Sie das für möglich gehalten?

Das ist beeindruckend, aber für mich persönlich ehrlich gesagt keine Überraschung. Ich habe hier während der Insolvenz schon eine Riesenwelle an Spenden erlebt. Für alle anderen aus der Mannschaft ist diese Form der Unterstützung hingegen überraschend. Das ist für die gesamte Region und für die Spieler ein Zeichen, wie dieser Verein gelebt wird. Es macht sich jeder über verschiedene Dinge Sorgen. Die Geisterticket-Aktion zeigt jedoch: Der OFC wird niemals untergehen.

Kickers Offenbach ist trotz der Corona-Krise nicht in Insolvenzgefahr.

Thomas Sobotzik, Geschäftsführer von Kickers Offenbach, spricht im Interview über die Lage des OFC in der Corona-Krise.

Das Gespräch führte Christian Düncher

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