Interview über Paderborn und Zeit beim OFC

Klaus Gjasula zum Aufstieg: "Das ist der komplette Wahnsinn"

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Duell mit Wiederholungspotenzial: Klaus Gjasula (links) könnte kommende Saison erneut auf Christian Clemens vom 1.FC Köln treffen. Mit dem SC Paderborn folgt er dem Zweitliga-Meister als Zweiter ins Oberhaus.

Klaus Gjasula gehört zu den auffälligsten Akteuren im deutschen Profi-Fußball – dank des markanten Kopfschutzes, den er seit der Zeit bei den Offenbacher Kickers (2013 bis 2016) trägt.

Offenbach – Künftig wird er auf der größten nationalen Bühne zu sehen sein: der 1. Bundesliga. Im Interview spricht der 29-jährige Mittelfeldspieler über den Aufstieg mit dem SC Paderborn, graue Haare, seinen Weg von ganz unten nach ganz oben, Hartplätze sowie die Zeit beim OFC.

Klaus Gjasula, haben Sie inzwischen realisiert, dass Sie in die 1. Bundesliga aufgestiegen sind?

Ehrlich gesagt noch nicht. Das wird wohl erst der Fall sein, wenn ich den Spielplan sehe. Ich habe kürzlich gelesen, dass Borussia Dortmund einen Spieler vom FC Barcelona verpflichtet hat, und das Handy weggesteckt. Kurz darauf holte ich es wieder raus und dachte mir: Stimmt, auf den musst du nun achten.

Wie lässt sich die jüngste Erfolgsgeschichte des SC Paderborn erklären?

Das ist der komplette Wahnsinn. Paderborn wäre von der 1. Liga bis in die Regionalliga durchgereicht worden, blieb aber in der 3. Liga, weil 1860 München keine Zulassung erhielt. So wie Darmstadt davon profitierte, dass Offenbach zwangsabsteigen musste. Und dann ist Paderborn einfach durchmarschiert. Als ich kam, war das schon eine gut eingespielte Mannschaft, aber niemand dachte an den Aufstieg. Es ging jedoch gerade so weiter. Wir waren fast immer spielbestimmend und haben irgendwann gedacht: Da geht etwas.

Ihr Trainer Steffen Baumgart steht für bedingungslosen Offensivfußball. Wie sehr mussten Sie sich als Defensivspieler erst daran gewöhnen?

Das Trainerteam hat ein gutes System für sich entdeckt und eine klare Idee, wie wir spielen sollen. Mit Ball agieren wir extrem offensiv. Verlieren wir ihn, kann es passieren, dass der Gegner viel Platz hat. Für mich war das ungewohnt. Ich muss als Defensivspieler viel offensiver agieren als zuvor und an Stellen Zweikämpfe bestreiten, an denen ich mich früher selten aufgehalten habe.

Mit Kickers Offenbach scheiterten Sie als Meister der Regionalliga Südwest in den Aufstiegsspielen, mit den Stuttgarter Kickers stiegen Sie am letzten Spieltag aus der 3. Liga ab, mit Paderborn nun am letzten Spieltag auf...

Ich mag es sehr, wenn es um etwas geht. Der Aufstieg mit Offenbach wäre damals ein Traum gewesen. Ich habe Daniel Endres (damals OFC-Torwart) im Urlaub getroffen und mich mit ihm darüber unterhalten. Wer weiß, wie alles gelaufen wäre, wenn wir es damals geschafft hätten. Für mich hat es sich auch so super entwickelt, auch wenn ich durch die späten Entscheidungen ein paar graue Haare bekommen habe.

Worauf freuen Sie sich in der 1. Liga am meisten?

Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Ich will das einfach genießen, ohne zu verkrampfen, freue mich auf Spiele gegen super Mannschaften in einzigartigen Stadien. Wir sind die graue Maus und treffen auf Teams, die man bislang fast nur aus dem Fernsehen kannte.

Ihr älterer Bruder Jürgen kam in der 1. Bundesliga siebenmal zum Einsatz, in der Saison 2004/05 für den 1.FC Kaiserslautern. Glauben Sie, dass Sie das übertreffen können?

Ich bin zuversichtlich, weiß aber auch, dass es nicht einfach wird. Ich habe aber Vertrauen in mich und gebe immer alles. Jürgen hat sich total für mich gefreut. Er war in Dresden bei unserem letzten und entscheidenden Spiel. Als wir uns danach sahen, gab es ein paar Tränen. Er hat mich auf meinem Weg begleitet – von ganz unten nach ganz oben.

Fangen Sie mal vorne an...

Meine erste Station im Herrenbereich war der Freiburger FC. Da spielte ich für die erste Mannschaft in der Verbandsliga. Da einige Kumpels aber in der zweiten Mannschaft waren, habe ich auch dort gespielt – in der Bezirksliga. Da lernte ich einige Hartplätze in der Umgebung kenne. Elf Jahre später bin ich nun in der 1. Liga angekommen. Da sieht man mal, was alles möglich ist.

Gab es nach dem Aufstieg auch Glückwünsche aus Offenbach?

Ja, da waren schon ein paar dabei. Zu einigen ehemaligen Mitspielern habe ich ja noch Kontakt. Rico Schmitt, der damals unser Trainer war, hat gratuliert, David Fischer, der nun Geschäftsführer des 1. FC Saarbrücken ist, ebenfalls. Von Platzwart Wolfgang Böttge und dem damaligen Teambetreuer Eric Wege kamen auch Glückwünsche.

Aus der OFC-Mannschaft, die damals Meister der Regionalliga Südwest wurde, aber am 1.FC Magdeburg scheiterte, spielen inzwischen einige Akteure höherklassig. Ist das für Sie ein Beleg dafür, dass mehr möglich gewesen wäre?

In den Aufstiegsspielen setzt sich nicht unbedingt immer die qualitativ bessere Mannschaft durch. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Oft steigt das abgezocktere Team auf. Ich bin mir aber zu 100 Prozent sicher: Hätten wir es damals geschafft, wären wir mit der Mannschaft ein paar Jahre später auch in die 2. Liga aufgestiegen. Magdeburg und Regensburg haben es vorgemacht. Und wir hatten einige Jungs dabei, die später auch in der 3. oder sogar 2. Liga was zu melden hatten – wie Benni Pintol oder Giuliano Modica. Manchmal fehlt nur ein Schritt, aber es wäre definitiv machbar gewesen.

Das Gespräch führte Christian Düncher

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