Nachwuchsleistungszentrum soll seinen Status behalten

Klares Bekenntnis zur Jugend

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Der erst 18 Jahre alte Luka Garic (rechts, gegen Waldhof Mannheims Dorian Diring) ist einer von zehn Spielern im Offenbacher Regionalliga-Kader, die in der OFC-Jugend aktiv waren.

Offenbach - Pflicht ist ein Nachwuchsleistungszentrum im Fußball lediglich für Erst- und Zweitligisten. Die Offenbacher Kickers haben trotzdem eines. Es steht derzeit jedoch ohne einen Leiter da. Nicht nur aus diesem Grund häufen sich die Fragen. Von Christian Düncher 

Kann sich der OFC das auf Dauer leisten? Und macht so etwas überhaupt Sinn?
Luka Garic ist das aktuellste Beispiel dafür, dass es für einen Regionalligisten wie die Offenbacher Kickers von Vorteil sein kann, ein vom DFB anerkanntes Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) zu betreiben. Der 18 Jahre alte Mittelfeldmann wuchs im Schutze des NLZ heran und entwickelte sich so gut, dass er bei den Regionalliga-Profis schon zum Stammpersonal gehört, obwohl er eigentlich noch in der U19 spielen könnte. Ohne den NLZ-Status wäre er eventuell von einem anderen Verein abgeworben worden.

Das NLZ fördert aber nicht nur Talente, sondern produziert auch immer wieder mal negative Schlagzeilen. So trat vor wenigen Tagen in Ex-Profi Reinhard Stumpf der Leiter zurück. Damit wird erneut eine neue Führung gesucht, die sechste in weniger als sechs Jahren. Dieser Mangel an Kontinuität wirft kein gutes Licht auf diese Institution. Im Umfeld macht bereits das Gerücht die Runde, der OFC werde in absehbarer Zeit auf den NLZ-Status verzichten, um das Geld stattdessen in die Profi GmbH zu stecken.

Daniel Simon widerspricht aber. Da sei nichts dran, betont der Schatzmeister der Kickers. „Die Vorteile eines NLZ würden die Nachteils eines Verlusts des NLZ-Status klar überwiegen“, sagt Simon und verweist darauf, dass der gemeinnützige Verein ohne Gegenleistung gar kein Geld an die GmbH überweisen dürfe. Eventuell wenden sich dann jedoch Sponsoren, die bisher die Jugend unterstützen, den Profis zu.

Simon stellt aber klar, dass es derlei Überlegungen auch aus anderen Gründen nicht gibt. So gleichen sich Kosten und Einnahmen (unter anderem durch Fördermittel des DFB) so weit aus, dass letztlich nur ein fünfstelliger Zuschussbetrag übrig bleibe. Zudem sei es einfacher, den NLZ-Status aufrecht zu erhalten, als ihn neu zu bekommen, sagt der Schatzmeister. „Die Anforderungen sind gestiegen“ und werden genau überprüft. Doppelfunktionen werden zum Beispiel nicht mehr geduldet. Das macht es für unterklassige Vereine wie den OFC (nur sieben Regionalligisten und ein Oberligist haben ein NLZ) nicht leicht, die Vorgaben zu erfüllen. Trotzdem haben die Kickers unlängst die Unterlagen für das alle zwei Jahre stattfindende Zertifizierungsverfahren eingereicht. Diese zu erstellen, sei mit viel Arbeit verbunden gewesen, und Michael Relic, das fürs NLZ zuständige Präsidiumsmitglied, leiste hier mit dem NLZ-Team unglaublich viel, betont Simon. „Die Arbeit lohnt sich aber.“

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Der Offenbacher Rechtsanwalt und Steuerberater weiß genau, wovon er spricht. Seine Kanzlei bemüht sich ebenfalls um ein Zertifikat. Solche Gütesiegel gelten als Qualitätsnachweis. Und gute Nachwuchsarbeit will man beim OFC weiter leisten. Zumal davon letztlich auch die Profi GmbH profitiert. So stehen im aktuellen Regionalliga-Kader zehn Spieler, die in der Kickers-Jugend aktiv waren.

Aber nicht nur das Zertifizierungsverfahren beschäftigte Simon zuletzt. Er führte auch konstruktive Gespräche mit Gläubiger Dr. Frank Ruhl, der im Dezember Forderungen gegen den OFC e.V. geltend machen könnte. Außerdem wird mit Hilfe des einstigen Offenbacher Amtsrichter Kurt Herget eine neue Satzung erarbeitet. Auch daher wird die Mitgliederversammlung erst Anfang 2019 stattfinden. Der vakante Posten des Präsidenten muss dann zwar noch nicht besetzt werden. Es habe aber auch in dem Punkt bereits gute Gespräche gegeben. Klar ist: Gesucht wird eine Person, die entweder eigenes Geld mitbringt oder ein Netzwerk hat, das dem OFC entsprechende Türen öffnet.

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