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Kickers-Neuzugang Luigi Campagna: "Ich gehe immer all in"

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Trägt die Nummer sechs und ist ein Sechser: Zugang Luigi Campagna (vorne, im Test gegen den Ex-Offenbacher Evangelos Zormpalas vom SVG Steinheim) soll beim OFC als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff fungieren - und Zeichen setzen. 

Die Eigenschaften von Kickers-Neuzugang Luigi Campagna sind Feuer und Mentalität – sagt er selbst. Das ist genau das, was die OFC-Verantwortlichen gesucht haben. 

Offenbach – Um zu beschreiben, was für ein Typ er auf dem Fußballplatz ist, benutzt Luigi Campagna eine Formulierung aus der Pokersprache. „Ich gehe immer all in“, sagt der Zugang der Offenbacher Kickers. Bedeutet: Campagna gibt stets alles und riskiert viel. Da kann es für den Gegner im Zweikampf auch mal schmerzhaft werden. „Feuer und Mentalität sind meine Eigenschaften“, stellt der Italiener klar.

Genau diese Eigenschaften hatten die Verantwortlichen des OFC in der vergangenen Saison oft vermisst. Oder wie es Sportdirektor Sead Mehic ausdrückte: Im Kader waren zu viele „Schwiegersöhne“. Lieb und nett, aber das hilft einem in der Fußball-Regionalliga Südwest nicht weiter. Also wurde früh gehandelt und schon Mitte April Campagna vom Ligarivalen SSV Ulm nach Offenbach gelotst.

„So jemanden brauchst du, der mit einer Ansage oder einer körperlichen Aktion Zeichen setzt auf dem Feld“, hatte OFC-Trainer Daniel Steuernagel nach der Verpflichtung des 29 Jahre alten Mittelfeldspieler frohlockt. Für Mehic ist Campagna, der einen Vertrag bis 2021 unterschrieb, „einer der besten Spieler in der Liga auf dieser Position“.

Luigi Campagna wird oft auf seine aggressive Spielweise reduziert 

Der Spieler selbst sieht sich auf der „Sechs“ als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff. „Ich kümmere mich auch um den Spielaufbau“, stellt Campagna klar, dass er sich keineswegs als reinen Abräumer oder gar Zerstörer sieht. Im Gegenteil: Er hat durchaus einen feinen Fuß, war in Ulm mit für die Freistöße zuständig. „Das hat gut funktioniert. Ich habe in der vergangenen Saison auch im Hinspiel gegen die Kickers ein Tor vorbereitet.“ Steffen Kienle traf damals nach einem Campagna-Freistoß zum frühen 1:0 (4.). Die Partie endete 2:0.

Dass er dennoch oft auf seine aggressive Spielweise reduziert wird, ist ihm „egal“, betont Campagna, gibt aber auch zu: „Die Schiedsrichter haben mich schell im Auge.“ In der vergangenen Saison musste er zweimal aufgrund einer Gelbsperre pausieren, wurde bei 30 Einsätzen insgesamt elfmal verwarnt. In der Spielzeit davor sah er in 13 Partien siebenmal Gelb. Einen wie Campagna hat man gerne im eigenen Team, jedoch nicht als Gegner. Die eher geringe Körpergröße (1,77 Meter) macht er durch Einsatz wett. Typ: Terrier.

„Ich bin sehr ruhig – außerhalb des Platzes“, sagt Campagna, der sich selbst als Familientyp bezeichnet. Auch deshalb nahm der Vater eines Sohnes (seine Frau erwartet gerade das zweite Kind) das Angebot der Offenbacher Kickers an. Der Mittelfeldspieler wurde in Aschaffenburg geboren, hat dort immer noch viele Verwandte, allen voran die Großeltern.

Luigi Campagna soll den Offenbacher Kickers helfen, oben mitzumischen

Mit dem Fußballspielen begann Campagna jedoch bei Kickers Hergershausen – „als Bambini“. Seine Eltern bewirteten damals das Bürgerhaus direkt neben dem Sportplatz. In Aschaffenburg spielte er nie, hielt sich bloß 2012 mal bei der Viktoria fit, als er keinen Verein hatte.

Als er zehn Jahre alt war, zog die Familie weiter nach Ilshofen (Landkreis Schwäbisch Hall), wo Papa Luigi senior und die Mama eine Pizzeria betreiben. Luigi junior spielte zunächst in der dortigen Region, ehe er nach Stationen in Frankreich und Italien seinen Weg durch die Regionalliga-Staffeln (113 Spiele, vier Tore) antrat: Von West (TuS Erndtebrück) ging es über Nordost (TSG Neustrelitz, Germania Halberstadt) nach Südwest, wo Campagna den OFC-Verantwortlichen in Ulm auffiel. Obwohl beide Clubs vergangene Saison auf Augenhöhe agierten (die Kickers holten als Fünfter nur zwei Punkte mehr) und die „Spatzen“ ebenfalls ambitioniert sind, wechselte er zum OFC und soll nun dabei helfen, oben mitzumischen.

Sein Eindruck von der Mannschaft ist bislang positiv: „Wir stecken noch mitten in der Vorbereitung, es gibt aber schon viele Erkenntnisse. Wir stehen kompakt, die Mentalität stimmt, das Tempo ist hoch und das Niveau stark. Jetzt müssen wir nur noch wie eine Familie werden“, sagt er.

Von Christian Düncher

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