Campagna fliegt, Zieleniecki patzt

Kickers Offenbach mit schwächster Saisonleistung in Ulm

Zu selten kamen die Offenbacher, wie hier Florent Bojaj im Duell mit Torwart Christian Ortag, gefährlich vor das Ulmer Tor.
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Zu selten kamen die Offenbacher, wie hier Florent Bojaj im Duell mit Torwart Christian Ortag, gefährlich vor das Ulmer Tor.

Die Serie ist gerissen: Kickers Offenbach hat im achten Spiel die ersten Saisonniederlage in der Fußball-Regionalliga Südwest kassiert.

Ulm – Das Gegentor bei der 0:1 (0:0)-Pleite beim SSV Ulm 1846 fiel zwar spät, aber die Niederlage war alles andere als unglücklich. Der OFC zeigte seine schwächste Leistung in dieser Saison und schwächte sich zudem zum dritten Mal durch einen Platzverweis.

„Wir kamen nicht gut rein. Der Gegner hat es allerdings auch gut gemacht“, sagte OFC-Trainer Angelo Barletta: „Ab der 15. Minute wurden wir etwas besser und haben Nadelstiche gesetzt. In der zweiten Hälfte begannen wir konzentriert. Ich habe keine Szene gesehen, in der uns Ulm richtig in die Bredouille gebracht hat. Leider fahren wir mit leeren Händen nach Hause.“

Barletta hatte im Vergleich zum 3:0 gegen Bayern Alzenau drei Änderungen im Kader vorgenommen: Anstelle von Dominik Draband, Leonidas Tiliudis und Moritz Reinhard standen Davud Tuma (nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre) sowie erstmals in dieser Saison Ersatztorwart Felix Ferahyan (wegen der U23-Regel) und Marco Fritscher (nach Verletzungspause) im Aufgebot. Tuma rückte auch gleich in die Startelf, ebenso der Ex-Ulmer Luigi Campagna. Jakob Lemmer und Tim Dierßen saßen dafür auf der Bank. Sonst gab es keine Änderungen. Barletta vertraute also hinten zum zweiten Mal in Folge auf eine Dreierkette. Und die beste Defensive hatte von Beginn an reichlich zu tun.

Bereits nach wenigen Sekunden war OFC-Torwart Stephan Flauder erstmals gefordert. Auch in der Folgezeit tauchten die Ulmer immer wieder gefährlich vor seinem Gehäuse auf. Die Kickers offenbarten im Mittelfeld zu große Lücken. Campagna konnte diese als Abräumer vor der Abwehr nicht stopfen, weil seine Mitspieler zu weit weg vom Mann standen und nicht richtig in die Zweikämpfe kamen. Und hatten die Kickers mal den Ball, war er viel zu schnell wieder weg. Vor allem die linke Seite mit Malte Karbstein und Tuma agierte äußert unglücklich. Karbstein, sonst für seinen guten Spielaufbau bekannt, fabrizierte reihenweise Fehlpässe. Und Tuma agierte vorne viel zu zögerlich, konnte sich kaum durchsetzen. Wenn er mal Platz hatte, waren seine Flanken zumeist ungefährlich. Während Ulms Torwart Christian Ortag fast nur bei hohen Bällen gefordert war, musste Flauder mehrfach eingreifen und hatte Glück, dass Tobias Rühle einmal am Winkel vorbei zielte. Erst in den letzten zehn Minuten der ersten Hälfte kamen die Kickers etwas besser ins Spiel, ohne aber vorne richtig zwingend zu werden.

Barletta verzichtete in der Pause auf Wechsel. Und auch auf dem Feld änderte sich zunächst nicht viel. Ulm gab die ersten beiden Torschüsse im zweiten Durchgang ab und Karbstein war weiterhin ein Unsicherheitsfaktor. Nach einem Ballverlust des Verteidigers am eigenen Strafraum konnten dessen Nebenleute nur mit Mühe klären. Aber: Die Kickers spielten nun besser nach vorne - vor allem über die rechte Seite mit dem emsigen Marcell Sobotta. Mehr als eine gefährliche Hereingabe von Deniz, die ein Ulmer kurz vor der Linie klärte, kam aber nicht dabei heraus. Zu allem Überfluss schwächten sich die Kickers auch noch selbst: Der bereits verwarnte Campagna langte erneut hin und sah an alter Wirkungsstätte Gelb-Rot (72.). Es war bereits der dritte Platzverweis für den OFC in dieser Saison.

„Ich hatte die verwarnten Spieler in der Halbzeit extra angesprochen. Beide hatten mir gesagt, dass sie es hinbekommen. Die Ulmer haben beim Schiedsrichter allerdings permanent rumgenörgelt“, ärgerte sich Barletta.

In Unterzahl kassierten die Kickers dann kurz vor Schluss das 0:1. Verteidiger Sebastian Zieleniecki beging direkt vor den Augen den Schiedsrichters ein unnötiges Foul an der Strafraumgrenze. Den fälligen Elfmeter verwandelte Johannes Reichert souverän - 1:0 (85.). Barletta brachte in Debütant Elia Soriano einen weiteren Stürmer, doch der Ausgleich gelang nicht mehr. Er wäre auch nicht verdient gewesen.

„Mit dem Gegentor fünf Minuten vor Schluss war es dann schwer. Wir hatten am Ende alle langen Spieler auf dem Platz und haben auf einen Standard gehofft“, sagte Barletta.

Nach der Partie lagen kurz die Nerven blank. Flauder legte sich beim Auslaufen verbal mit Ulmer Fans an, die zuvor „Kickers-Schweine“ skandiert hatten. (Von Christian Düncher)

SSV Ulm 1846 - Kickers Offenbach 1:0 (0:0)

SSV Ulm 1846: Ortag – Stoll, Reichert, Geyer, Schmidts – Sapina – Heußer (80. Kilic), Beck, Gashi – Rühle (89. Kienle), Higl (72. Fink)
Kickers Offenbach: Flauder (2) – Zieleniecki (4,5), Albrecht (3,5), Karbstein (5,5) – Campagna (5) – Sobotta (3,5), Deniz (3,5), Bojaj (3,5; 74. Dierßen), Firat (4; 88. Soriano), Tuma (4,5; 76. Fritscher) – Fetsch (4)
Schiedsrichter: Fabian Schneider (Ahrweiler) - Zuschauer: 436 – Tor: 1:0 Reichert (85./FE) - Gelbe Karten: Stoll / Karbstein, Bojaj, Dierßen – Gelb-Rote Karten: Sapina (90., wiederholtes Foulspiel) / Campagna (72., wiederholtes Foulspiel)​

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