Doppelschlag in Überzahl

Offenbacher Sieg des Willens

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Kollektive Freude: Ihab Darwiche, 2:0-Schütze Dren Hodja und Kristian Maslanka (verdeckt) feiern mit Konstantinos Neofytos sowie Jan Hendrik Marx, Serkan Firat und Christos Stoilas. Für Neofytos war das Traumtor zum 1:0 der dritte Saisontreffer, zuletzt hatte er am 6. November beim 2:2 gegen den VfB Stuttgart II getroffen.

Offenbach - Die Offenbacher Kickers haben mit dem allerletzten Aufgebot „Big Points“ im Abstiegskampf der Fußball-Regionalliga Südwest geholt und als Tabellen-14. (29 Punkte) den Anschluss ans hintere Mittelfeld hergestellt. Von Jörg Moll 

Beim 2:0 (2:0) gegen die Stuttgarter Kickers standen nur noch 15 gesunde Spieler zur Verfügung. Als wäre die Liste der Offenbacher Ausfälle mit Daniel Endres, Stefano Maier, Marco Rapp, Robin Scheu (alle verletzt) sowie Dennis Schulte (5. Gelbe Karte) und Bryan Gaul (Gelb-Rot-Sperre) nicht lang genug gewesen, kamen vor dem Anpfiff noch drei weitere Absagen hinzu: Maik Vetter, Ko Sawada (beide Knieprobleme) und Aaron Frey (Grippe) mussten passen.

Doch der OFC, bei dem in Nicola Jürgens und Dominik Crljenec zwei A-Jugendliche neben Levent Vanli (Tor), Semih Sentürk und Routinier Matthew Taylor auf der Bank saßen, trotzte allen Widrigkeiten. Nach einem Schreckmoment in der 9. Minute, als Torwart Alexander Sebald nach Benjamin Kirchhoffs Rückpass den Ball nicht in die Hand nehmen wollte und Glück hatte, dass Luca Pfeiffers Kopfball knapp neben das leere Tor ging, kämpfte sich der OFC immer besser in die Partie.

OFC - Stuttgarter Kickers: Liveticker zum Nachlesen

„Wir haben alles gegeben und dazu noch richtig gut Fußball gespielt“, lobte der durch eine Sprunggelenkverletzung gehandicapte Oliver Reck. Der OFC-Trainer hatte drei Umstellungen vornehmen müssen. Für Schulte, Gaul und Rapp begannen Stoilas, Göcer und Neofytos. In der Abwehr stellte Reck auf eine Viererkette um. Dabei glänzte vor allem Alexandros Theodosiadis als umsichtiger Abwehrchef. In der 19. Minute bewahrte der Kapitän sein Team vor einem Rückstand, als er Shqipon Bektasi stark den Ball ablief.

Danach fand der OFC auch offensiv immer besser Zugriff. Zunächst scheiterten Dren Hodja (28.) und Konstantinos Neofytos (34.) per Kopfball am besten Stuttgarter Lukas Königshofer. Dann schwächten sich die Gäste selbst. Nach Scepaniks Foul an Marx (38.), für das er Gelb sah, brannten Innenverteidiger Ryan Malone die Sicherungen durch. In einer Rudelbildung schubste er Kirchhoff zu Boden, sah zurecht Rot und erzürnte seinen Trainer Tomasz Kaczmarek: „Erst werden wir schwächer und schwächer. Und dann schaffen wir es nicht einmal, diszipliniert zu bleiben. Dafür habe ich null Verständnis.“

OFC-Zeugnis gegen Stuttgarter Kickers

Die Offenbacher nutzten die Überzahl prompt zum Doppelschlag. Ein Traumtor brachte die Führung. Konstantinos Neofytos nahm einen langen Pass im Strafraum mit der Brust an und hämmerte den Ball mit rechts in den linken Winkel (40.), vier Minuten später legte Hojda (10. Saisontor) per Abstauber nach. „Die Treffer haben uns Sicherheit gegeben“, meinte Reck. Seine Mannschaft kontrollierte die Partie fortan. Lediglich einmal musste der OFC-Anhang zittern, als Jesse Weißenfels frei vor Sebald auftauchte. Seine harmlose „Rückgabe“ war bezeichnend für den desolaten Auftritt der Gäste.

„Der Willen hat diese Partie entschieden“, sagte Serkan Göcer. „Wir wussten, dass es nur gemeinsam funktionieren würde und wenn wir jeden Zweikampf annehmen“, erklärte der 23-Jährige, der im zentralen Mittelfeld als Taktgeber glänzte.

Bilder: OFC bezwingt Stuttgarter Kickers

Kapitän und Aushilfs-Abwehrchef Theodosiadis („Diese Position gefällt mir“) hatte noch eine andere Motivationshilfe ausgemacht. „Mir tat es in der Seele weh, all die verletzten Spieler zu sehen. Wir haben auch für sie gewonnen“, sagte Theodosiadis. Auch der 28-Jährige blickt nun gespannt auf das kommende Wochenende. Am Samstag (12 Uhr) tagt in Walldorf das Ständige Schiedsgericht der Regionalliga über den Neun-Punkte-Abzug. Am Sonntag (14 Uhr) steht das brisante Duell beim Spitzenreiter Waldhof Mannheim an. Theodosiadis: „Wir freuen uns auf das Spiel - und hoffen auf einen guten Ausgang des Verfahrens. Ein bisschen Hilfe wäre nicht schlecht.“

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