Kickers Offenbach

OFC-Geschäftsführer Sobotzik sieht neues Ligen-System als einzige Lösung

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Thomas Sobotzik, Geschäftsführer des OFC. Foto: hübner

OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik spricht sich für eine Strukturreform der 3. Liga und Regionalliga aus. 

Offenbach – Die Entscheidung der Landesverbände des DFB, den Spiel- und Trainingsbetriebes ab den Regionalligen „bis auf Weiteres“ auszusetzen, sorgt bei Thomas Sobotzik für Unverständnis. „Eine erneute Verschiebung ist keine Lösung des Problems, sondern sorgt bei den meisten Klubs für eine Verschärfung der Situation“, sagte der Geschäftsführer des Regionalligisten Kickers Offenbach. Daher macht sich der OFC mit Rot-Weiss Essen und einigen anderen Profiklubs aus der Regionalliga, die am meisten von der aktuellen Krise betroffen sind, für die „ohnehin längst überfällige Strukturreform der 3. Liga und Regionalliga“ stark. Andernfalls sei ein regelrechtes „Massensterben der Regionalligisten zu befürchten“, sagt Sobotzik.

OFC: Corona-Krise als Chance

Er sieht in der Corona-Krise auch eine Chance, das Ligen-System umzugestalten. Aufgrund der zuletzt gemachten Erfahrungen ist der 45-Jährige „überzeugt davon, dass die Strukturreform kommt, aus der Not heraus eventuell sogar schneller als gedacht“.

Die aktuelle Situation hat den Chef der Profi GmbH des OFC in der Auffassung bestätigt, dass es vor allem in der Regionalliga ein gewaltiges Strukturproblem gibt. Sobotzik zufolge herrschen „völlig ungleiche Voraussetzungen“ innerhalb der vierthöchsten Spielklasse. Auf der einen Seite stehen die ambitionierten Traditionsklubs, die zwar eine große Fanbasis, aber auch hohe Kosten haben und nach Höherem streben. Auf der anderen, größeren Seite befinden sich Klubs mit amateurhaften Strukturen, die in der Regionalliga bereits das Maximum sehen und weitestgehend keine Probleme damit hätten, wenn die unterbrochene Saison vorzeitig beendet werden würde.

Für Vereine wie den OFC, Alemannia Aachen oder Rot-Weiss Essen sei das jedoch kein Thema, stellt Sobotzik klar. „Ich habe absolutes Verständnis für die Probleme der kleinen Vereine und deren Argumentation“, sagt er. „Ich habe aber das Gefühl, dass die kleinen Vereine nicht unsere Probleme verstehen.“ Er sei daher gespannt, wie die Entscheidung über den weiteren Saisonverlauf ausfallen wird. „Man muss offen darüber diskutieren, wie man möglichst viele Vereine am Leben hält.“

OFC: Reform des Ligen-Systems?

Mittelfristig geht das Sobotzik zufolge nur mit einer Reform des bisherigen Ligen-Systems. „Es herrscht ja bereits seit Jahren Unzufriedenheit“, weiß der Ex-Profi. „Die 3. Liga hat einen weiteren Abstiegsplatz akzeptiert unter der Voraussetzung, dass es eine faire Aufstiegsregel für die Regionalligen gibt. Das ist jedoch nach zweieinhalbjährigen Verhandlungen quasi gescheitert.“ Der Geschäftsführer des OFC plädiert daher dafür, die 3. Liga zu vergrößern oder sogar in zwei Staffeln aufzuteilen.

„Man muss sich ja nur mal anschauen, wer in den fünf Regionalliga-Staffeln außer den zweiten Mannschaften der Bundesliga-Vereine überhaupt in der Lage ist, die Voraussetzungen für die 3. Liga zu erfüllen“, sagt Sobotzik. „Da bleiben nicht viele übrig, vielleicht acht Stück.“ So hatte der SV Rödinghausen, Tabellenführer der West-Gruppe, unlängst darauf verzichtet, die Drittliga-Zulassung zu beantragen. Und Türkgücü München, der souveräne Spitzenreiter der Regionalliga Bayern, kann bisher keine drittliga-taugliche Spielstätte nachweisen, die aber Voraussetzung für den Erhalt der Drittliga-Zulassung wäre.

OFC: Sobotzik hat Mitstreiter

Sobotzik steht mit seiner Meinung keineswegs alleine da. Markus Uhlig, Vorstand von Regionalliga-Zuschauerkrösus Rot-Weiss Essen (im Schnitt kamen zu den elf Heimspielen des Tabellendritten der West-Gruppe fast 11000 Besucher), sagte kürzlich gegenüber dem Magazin „Reviersport“: „Einen Saison-Abbruch können wir nur befürworten, wenn die Vereine dafür eine echte finanzielle Kompensation bekommen. Außerdem dürfen die Vereine, für die es noch um etwas geht, auch sportlich nicht einfach auf Null gestellt werden.“

Sollte es zum Abbruch der aktuellen Spielzeit kommen, regt Uhlig eine größtmögliche Aufstockung der Ligen ab der kommenden Saison an. Das hätte mehr Heimspiele und somit mehr Einnahme-Möglichkeiten zur Folge. Für ihn wäre eine 3. Liga mit 24 Teams denkbar - oder sogar eine zweigleisige 3. Liga (Süd und Nord). „Das wäre eine Überlegung für den Fall, dass die Saison jetzt abgebrochen würde und man überlegen müsste, wie man all die aussichtsreichen Viertligisten unterbringt. Das halte ich für einen Ansatz, den man sicher mit Experten mal weiterdenken müsste“, meint der RWE-Vorstand.

VON CHRISTIAN DÜNCHER  

Die Liga wurde doch abgebrochen. Der OFC landet damit auf Platz acht.

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