Coronavirus-Krise 

Kickers Offenbach: Spielbetrieb bis 20. April eingestellt

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Kickers-Präsident Joachim Wagner beklagt fehlende Unterstützung der Regionalligisten durch den Fußballverband. 

Aufgrund der Coronavirus-Krise wird nun auch bei Kickers Offenbach nicht mehr trainiert. Die Regionalliga hat den Spielbetrieb bis 20. April eingestellt.

  • Die Coronavirus-Pandemie trifft auch den OFC
  • Jetzt hat auch Kickers Offenbach das Training abgesagt
  • Die Regionalliga hat den Spielbetrieb bis 20. April eingestellt

Update vom Dienstag, 18.03.2020, 10.13 Uhr: In der Fußball-Regionalliga Südwest wurde die Aussetzung des Spielbetriebs bis zum 20. April ausgedehnt. Das teilte Geschäftsführer Sascha Döther den Vereinen in einer Telefon- und Videokonferenz mit. Die bisherige Regelung galt bis Karfreitag. Für Kickers Offenbach bedeutet das, dass acht Partien vorerst ausfallen, darunter fünf Heimspiele. Die Partie gegen den FC 08 Homburg war bereits davon betroffen. Vor eigenem Publikum hätte der OFC in diesem Zeitraum zudem gegen den TSV Steinbach Haiger, den FSV Frankfurt 1899, die TSG Hoffenheim II sowie den FC-Astoria Walldorf spielen sollen. 

Eine mögliche Wiederaufnahme werde in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden geprüft und solle mit einer Vorankündigung von mindestens 14 Tagen erfolgen, um den Vereinen ihre Planungen zu erleichtern, heißt es. OFC-Präsident Joachim Wagner hatte unlängst eine weitere Verschiebung als problematisch bezeichnet und stattdessen Fakten gefordert.

Update vom Dienstag, 17.03.2020, 17.16 Uhr:* Seit heute wird auch bei den Offenbacher Kickers nicht mehr trainiert. „Wir haben alles eingestellt“, sagt Angelo Barletta. Der Coach des Fußball-Regionalligisten hatte mit seinem Team nach der Aussetzung des Spielverkehrs bis Montag zumindest noch gemeinsame Übungseinheiten absolviert. Doch auch diese fallen nun weg. Die Kickers haben ihren Spielern für die kommenden eins, zwei Tage „frei gegeben“, so Barletta. Danach werden sie individuelle Trainingspläne erhalten. „Wir müssen jetzt erst mal abwarten, und sammeln und gucken, wie lang die Zeitspanne ist und wie es weitergeht", sagt der Trainer.

Kritik an OFC-Verhalten – Wagner: „Man lässt uns im Regen stehen“

Erstmeldung vom Dienstag, 17.03.2020, 10.46 Uhr: Offenbach – Der Spielbetrieb im deutschen Fußball ruht aufgrund der Coronavirus-Pandemie aktuell flächendeckend. Das Mannschaftstraining wurde ebenfalls fast überall eingestellt. Eine Ausnahme bildet Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach. Trainer Angelo Barletta stand gestern Nachmittag mit dem Team auf dem Platz. Da alle städtischen Anlagen gesperrt sind, fand die Übungseinheit auf dem Nebenfeld hinter dem Stadion statt. Und alle einsatzfähigen Akteure nahmen daran teil.

„Wir haben den Spielern gesagt, sie könnten zu Hause bleiben, ohne dass das für sie Folgen hätte“, sagt OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik. Trotzdem ist die Maßnahme äußerst umstritten, sogar aus den eigenen Fan-Reihen gibt es Kritik. Sobotzik wehrt sich aber gegen den Vorwurf, fahrlässig zu handeln. „Angelo Barletta und ich haben jeweils drei Kinder“, betont er. Man habe zudem Vorsichtsmaßnahmen getroffen. „Das fängt bei der Begrüßung an“, sagt der 45-Jährige. Hand-Hygiene sei ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Ebenso das Meiden von Orten, an denen viele Menschen zusammenkommen. „Letztlich geht es um den gesunden Menschenverstand“, so Sobotzik.

Kickers Offenbach: Training ohne Öffentlichkeit

Das Training findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nicht mal Fotografen sind zugelassen. „Wir bewegen uns als Gruppe im Rahmen der Anzahl, die erlaubt ist“, betont der Geschäftsführer. Allerdings könne sich die erlaubte Zahl täglich ändern, ergänzt Joachim Wagner. Der Präsident des OFC verweist hinsichtlich der Trainingseinheit darauf, dass die Regionalliga Südwest GbR den Spielbetrieb nur bis Ende März ausgesetzt habe: „Faktisch bereiten wir uns darauf vor, in zwei Wochen wieder zu spielen“, sagt Wagner, der persönlich jedoch nicht daran glaubt, dass diese Saison der Ball noch mal rollen wird.

„Man sollte Fakten schaffen und die Vereine nicht im luftleeren Raum stehen lassen“, fordert der Vereinsboss. „Einmal kann man Spiele um zwei, drei Wochen verschieben, jedoch nicht noch mal.“ Doch das ist nicht Wagners einziger Kritikpunkt. „Vom DFB wurde sehr eindeutig gesagt, dass er den Drittligisten helfen könne, den Regionalligisten jedoch aus rechtlichen Gründen nicht. Und die Regionalliga Südwest GbR trifft es ja selbst hart. Ich kann derzeit nicht sagen, wer uns helfen wird. Dabei wäre es dringend nötig. Die Regionalligisten werden durch die Aufstiegsregel erst zum Wettrüsten gezwungen, dann lässt man sie im Regen stehen. Das ist ernüchternd“, sagt der Kickers-Präsident. „Man stelle sich nur mal vor, wir hätten diese Saison alles auf eine Karte gesetzt.“

Kickers Offenbach: Juristische Schritte wegen Spielpause?

Weil der OFC einen Dreijahresplan verfolgt, sind die Verantwortlichen zuversichtlich, die Situation meistern zu können. Die Reaktion der Anhänger, die bis gestern fast 1000 Geisterspieltickets gekauft hatten, und erste Gespräche mit den Sponsoren machen Wagner Mut. Noch sind die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie und deren Auswirkungen aber nicht absehbar. In den Gesprächen mit den potenziellen strategischen Partnern, die eigentlich demnächst finalisiert werden sollen, hat der OFC-Boss durchaus die eine oder andere Sorge vernommen.

Auf jeden Fall werden die Kickers juristisch genau prüfen lassen, wie die verordnete Spielpause zu werten ist. „Eine Betriebsausfallversicherung haben wir nicht“, stellt Wagner klar. Es wird daher auch um die Frage gehen, ob jemand in Regress genommen werden kann. Kurzarbeit ist ebenfalls ein Thema. Das hätte jedoch zur Folge, dass die Spieler ein Sonderkündigungsrecht hätten. „In dieser Angelegenheit haben wir beim Verband offiziell angefragt. Ich bin sehr gespannt“, sagt der Clubchef. „Wir haben bislang keine Unterstützung, müssen jedoch Maßnahmen treffen.“

Kickers Offenbach: Super-GAU droht druch Coronavirus

Die Coronavirus-Pandemie und deren Folgen strahlen nicht nur auf die Profi GmbH der Kickers aus. Auch beim eingetragenen Vereine (e.V.) sieht man die „negativen Entwicklungen“ (Wagner) mit Sorge. Denn auch das für die Osterferien geplante „Kids-Camp“ ist gefährdet. Hinter dessen Austragung steht ein Fragezeichen. „Hält das alles bis nach Ostern an, fällt für den Verein eine seiner größten Einnahmequellen weg. Das wäre dann wirklich ein Super -GAU“, so Wagner.

Von Christian Düncher

Beim OFC sitzt der Schock über die Absage der nächsten beiden Spieltage tief. So geht es in Zeiten von Corona für die Kickers weiter.

*Liebe Leser, aufgrund technischer Schwierigkeiten konnten Sie an dieser Stelle nur die Erstmeldung vom 17.03.2020, 10.46 Uhr lesen – allerdings mit der Überschrift des Text-Updates vom 17.03.2020, 17.16 Uhr, das bis zum Vormittag des 18.03.2020 fehlte. Wir bitten, das zu entschuldigen. 

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