Teil zwei der OFC-Serie

Von 7:0-Derbysieg bis 0:4-Heimdebakel: Sportliches Auf und Ab verlangt Fans viel ab

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Da war die Welt bei Kickers Offenbach kurzzeitig in Ordnung: Die OFC-Spieler Benjamin Kirchhoff, Jan Hendrik Marx, Kevin Ikpide, Varol Akgöz, Luka Garic und Lucas Albrecht (von links) feiern den 3:1-Hinspielsieg bei Spitzenreiter SV Waldhof Mannheim. Im Rückspiel gab es dann aber ein 0:4-Heimdebakel gegen den späteren Meister.

Die sechste Spielzeit in der Fußball-Regionalliga war eine wechselvolle in vielerlei Hinsicht für die Offenbacher Kickers. In einer vierteiligen Serie blicken wir zurück: Teil zwei der Serie: Stimmungswechsel. 

Offenbach – Die sechste Regionalliga-Saison in Folge für Kickers Offenbach war keine halbe Stunde alt, da hallten bereits Pfiffe durchs Stadion auf dem Bieberer Berg. Und das beim Stand von 0:0 gegen die stets ambitionierte, da finanzkräftige SV Elversberg. Die – vor allem vom damaligen Präsidenten Helmut Spahn – geweckten Erwartungen („Wir wollen Erster werden“) und das auf dem Rasen Dargebotene standen im krassen Gegensatz. Das Team wirkte ideenlos, konnte nicht umsetzen, was der neue Trainer Daniel Steuernagel angekündigt hatte: frühes Pressing, hoch stehende Außenverteidiger, ein Sechser vor der Abwehr – das alles klappte nicht. Vor allem Zugang Kevin Ikpide bekam den Unmut zu spüren, wurde nach einem Fehlpass ausgepfiffen, wirkte fortan völlig verunsichert und blieb zur Pause in der Kabine.

Besser wurde es zunächst nicht. Der OFC geriet mit 0:1 in Rückstand, schaffte durch Benjamin Kirchhoff (75.) aber noch den Ausgleich. Fehlstart verhindert? Mitnichten. Der OFC blieb vier Partien in Folge sieglos (nur zwei Punkte). Auch in Walldorf spielten die Kickers nur 1:1, wobei Dren Hodja kurz vor Schluss einen Elfmeter vergab (86.). Gegen Mainz 05 II setzte es eine 0:1-Pleite, beim SSV Ulm eine 1:2-Niederlage, die aber von Steuernagel als Wendepunkt bezeichnet wurde. Denn: Beim Stand von 0:2 verhalf er Mittelstürmer Jake Hirst (22) und Eigengewächs Luka Garic (18) zum Debüt, stellte außerdem von 4-2-3-1 auf 4-4-2 um. Hirst erzielte prompt das erste seiner neun Saisontore – und auch Garic zählte fortan zum Stamm.

OFC: Drei Siege in Folge im neunen System

Im neuen System fuhr der OFC drei Siege in Folge ein: Gegen Hoffenheim II (5:2) sowie den FSV Frankfurt (7:0) gab es Offensivfeuerwerke, zwischendrin zudem ein 1:0 beim benachbarten SC Hessen Dreieich. Vier Punkte trennten den OFC nur noch von Rang zwei, als er am achten Spieltag beim SC Freiburg II (9.) antrat – und 1:2 verlor. Nur neun Tage nach der 7:0-Gala gegen den FSV herrschte Ernüchterung.

Es folgten acht Punktspiele in Serie ohne Niederlage, jedoch gab’s auch in dieser Phase Aufs und Abs. Sportlicher und emotionaler Höhepunkt war der 3:1-Erfolg (nach 0:1-Rückstand) bei Spitzenreiter SV Waldhof Mannheim. „Der OFC ist wieder da“, skandierten die Fans. Und Benjamin Kirchhoff sagte: „Mit uns ist zu rechnen.“ Aber nur wenige Tage. Gegen die Aufsteiger TSG Balingen und FK Pirmasens kassierten die Kickers jeweils spät das 1:1 und fielen zurück. Kurz darauf folgte zudem das Aus im Hessenpokal durch eine 1:2-Heimpleite gegen eine B-Elf des SC Hessen Dreieich. Der Unmut der Fans war deutlich hörbar. „Das ist ein bitterer Tag für uns“, gab Steuernagel zu: „Wir haben erst ab der 60. Minute die Leidenschaft gezeigt, die wir zeigen wollten.“

Die Kickers kämpften sich aus diesem Tal, siegten beim VfB Stuttgart II 4:2 (nachdem sie eine 2:0-Führung verspielt hatten) sowie gegen Wormatia Worms 2:1 (nach 0:1-Rückstand). Im letzten Spiel der Hinrunde beim FC Homburg gab es jedoch den nächsten Rückschlag – 1:2. „Es war eine richtungweisende Partie, die wir gewinnen wollten“, sagte Steuernagel, stellte jedoch ernüchtert fest: „Wir haben uns nach dem späten Ausgleich naiv angestellt.“

"Wir schaffen es nicht, die Big Points zu machen"

Sportdirektor Sead Mehic sagte damals: „Wir schaffen es nicht, die Big Points zu machen. Von den letzten 13 Punktspielen haben wir nur zwei verloren. Es gab aber zu viele Unentschieden. Wir hören deshalb aber nicht auf.“ Dieser Ankündigung ließen die Kickers Taten folgen, gewannen (nachdem Steuernagel hinten auf eine Dreierkette umgestellt hatte) sechs Partien hintereinander – drei vor, drei nach der Winterpause. Unter anderem gab es ein 5:0 in Hoffenheim und ein 3:0 gegen Ulm. Der OFC kletterte auf Platz drei, hatte jedoch zwölf Zähler Rückstand auf Mannheim.

Die Serie endete ausgerechnet beim FSV Frankfurt – mit einer 0:2-Pleite. Damit erlosch auch das letzte Fünkchen Hoffnung auf den Aufstieg. „Wir wollten ein Feuer entflammen, aber es war nicht mal ein Flämmchen“, so Torwart Daniel Endres.

Bei den Kickers ging nun nicht mehr viel. Auf die Derbypleite folgte zwar ein 2:0 gegen den SC Freiburg II, der aber überlegen war, was 11:0 Ecken für die Gäste belegen. Der OFC blieb danach sechsmal in Serie sieglos, erlebte unter anderem ein Debakel im „Highlightspiel“ gegen Mannheim, das man vor 10 701 Zuschauern im eigenen Stadion mit 0:4 verlor. Ähnlich bitter war die 0:1-Heimpleite gegen Pirmasens.

Immerhin: Beendet wurde die Saison mit drei Spielen in Folge ohne Niederlage. 2:0 gegen den VfB Stuttgart II, 4:2 bei Wormatia Worms, 0:0 gegen den FC Homburg. Pfiffe blieben den Spielern somit zum Abschluss erspart. Die Luft war raus, auch beim Anhang, der aber noch die scheidenden Akteure gebührend verabschiedete – vor allem Torwart-Urgestein Daniel Endres sowie den dienstältesten Feldspieler Dennis Schulte. Beide erhielten keinen neuen Vertrag.

Lesen Sie morgen in Teil III: Wachwechsel: Die Paukenschläge hinter den Kulissen

VON CHRISTIAN DÜNCHER

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