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Trotz erneuten Rückschlags - Steven Kessler gibt sich kämpferisch 

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Mit versteinerter Miene auf dem Weg zum Gästeblock: Den OFC-Spielern ist nach dem späten Gegentor in Gießen zum 1:1 die Enttäuschung anzusehen. Von den mitgereisten Fans gab es allerdings keine Pfiffe, sondern aufmunternden Applaus. Von links: Luka Garic, Francesco Lovric, Andis Shala, Maik Vetter, Jakob Lemmer, Kapitän Richard Weil, Moritz Reinhard, Nejmeddin Daghfous und Moritz Hartmann. 

Kickers Offenbach (OFC) kann auch in Gießen nicht gewinnen. Nach dem erneuten Rückschlag gibt sich Steven Kessler trotzig. 

Gießen – Den Samstagabend hatte man sich bei den Offenbacher Kickers anders vorgestellt. Das gemeinsame Essen bei einem Sponsor, zu dem die 32-köpfige OFC-Delegation direkt nach dem Regionalliga-Spiel bei Aufsteiger FC Gießen weiterfuhr, sollte eine Siegesfeier werden. Die Kickers erlebten aber statt des erhofften Befreiungsschlags einen erneuten Rückschlag.

Zwar beendeten sie die Serie von zuvor drei Niederlagen in Folge, das 1:1 (0:1) bei den ebenfalls seit fünf Spielen sieglosen Mittelhessen kam aber einer gefühlten Niederlage gleich, zumal die Gastgeber erst in der Nachspielzeit ausglichen. Damit beträgt der Vorsprung auf den ersten potenziellen Abstiegsplatz weiterhin nur vier Punkte. Und der OFC zeigt immer mehr die klassischen Symptome eines Abstiegskandidaten. Trainer Steven Kessler sieht „trotzdem positiv in die Zukunft“, wie er nach der Partie fast schon trotzig betonte.

Kickers Offenbach (OFC) in Gießen: gegen einen biederen Gegner 

Die Gründe für seinen Optimismus führte er im Detail auf. „Wir haben Zusammenhalt, Wille und Moral gezeigt, spielerische Akzente gesetzt und das Spiel auch vom Kopf her angenommen“, sagte der Kickers-Coach. Das stimmt alles. Allerdings spielte der OFC gegen einen biederen Gegner, der die zweitschwächste Offensive der Liga hat, und schaffte es dennoch nicht, eine Führung über die Zeit zu bringen. Quasi das klassische Schicksal eines Teams, das sich in der Abwärtsspirale befindet. „Wenn man Scheiße am Fuß hat, hat man Scheiße am Fuß“, bemühte Geschäftsführer Andreas Herzog ein bekanntes Fußballzitat. Kessler meinte: „Wir haben momentan nicht das Glück.“ Dass man in der zweiten Minute der Nachspielzeit noch den Ausgleich kassierte, sei „doppelt bitter“.

Dabei hatte das Spiel gut begonnen für die Kickers. In der zehnten Minute schickte Richard Weil nach einer Balleroberung im Mittelfeld Matias Pyysalo auf die Reise. Der Finne hielt aus 16 Metern einfach drauf und traf zur Führung ins rechte Eck. „Das 1:0 hat uns Sicherheit gegeben“, so Kessler. Der OFC versäumte es aber, nachzulegen. Die Chancen dafür waren vorhanden. Doch Weil (35.) und Moritz Hartmann (44.) scheiterten knapp. „Wir hätten 2:0 in Führung liegen müssen“, haderte Hartmann, betonte aber zugleich: „Kämpferisch war das eine super Leistung. Jeder wollte etwas gutmachen und die Wende einleiten.“ Doch es kam bekanntlich anders, auch weil das Verletzungspech erneut zuschlug. Noch so ein typisches Phänomen, wenn man unten drinsteckt.

Kickers Offenbach (OFC) betont die Fortschritte im spielerischen Bereich

Kurz nach der Pause musste Innenverteidiger Lucas Albrecht (1,93 Meter, muskuläre Probleme) vom Platz. Damit fiel nach Kevin Pezzoni (1,94, ebenfalls muskuläre Probleme) sowie Gerrit Gohlke (1,92, Rotsperre) der dritte Abwehrhüne aus. „Bei uns haben alle Großen gefehlt“, betonte der starke Torhüter Dominik Draband. Doch damit nicht genug. Die Kickers mussten umstellen. Kevin Ikpide, der diese Saison erst zum vierten Mal insgesamt und zum zweiten Mal von Beginn an spielte, rückte vom defensiven Mittelfeld ins Abwehrzentrum. Julian Scheffler, der vor Rundenbeginn eigentlich abgegeben werden sollte, kam rechts hinten zu seinem Saisondebüt. Vetter rückte dafür nach vorne ins Mittelfeld. Viele Umstellungen auf einmal. An Scheffler und Ikpide lag es allerdings nicht, dass Gießen noch zum Ausgleich kam. Die Gäste hatten in der Endphase in Kevin Nennhuber (1,96), Jure Colak, dem Ex-Offenbacher Jake Hirst sowie Dimitrios Ferfelis (alle 1,94) vier lange Kerle auf dem Rasen, waren im Schnitt sechs Zentimeter größer. Das sorgte für Unruhe in der OFC-Defensive.

In der zweiten Minute der Nachspielzeit wurde ein Ball aus der eigenen Hälfte in den OFC-Strafraum geschlagen. Francesco Lovric verschätzte sich und Ronny Marcos ließ den Querpass auf Ferfelis zu, der Draband keine Chance ließ.

Bilder: Kickers Offenbach kassieren späten Ausgleich in Gießen

„Wir haben bis auf die eine Aktion gut verteidigt“, haderte der Torwart. Alle waren darum bemüht, die Fortschritte im spielerischen Bereich zu betonen. Unterm Strich stand jedoch ein vergebener Sieg. „Wenn wir das 1:0 ziehen, ist das super. Nun sitzt natürlich keiner in der Kabine und ist happy“, sagte Herzog. Kessler sah dennoch einen „Schritt nach vorne. Da müssen wir ansetzen und weiter punkten.“ Erst mal geht es aber am Samstag (13.30 Uhr) bei Ligarivale Alzenau um den Einzug ins Hessenpokal-Halbfinale. Bei einem Erfolg gibt es das Wiedersehen mit Gießen.

VON CHRISTIAN DÜNCHER

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