„Viel Betrieb in der Whatsapp-Gruppe“

OFC-U19-Coach Steven Kessler über Talente und das Topspiel gegen Wehen

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Hilfe von oben: Luka Garic, (18), der eigentlich schon dem Profi-Kader des OFC angehört (24 Spiele, ein Tor), wird im Gipfeltreffen die U19 verstärken.

Als Spieler schaffte Steven Kessler bei Kickers Offenbach einst den Sprung von der Jugend zu den Profis (elf Regionalligaspiele, zweimal im Zweitliga-Kader). Als Trainer der OFC-U19 versucht er inzwischen, Talente nach oben zu führen, und hat nebenbei die Chance, mit dem Team in die Bundesliga aufzusteigen.

Offenbach – Ein Sieg im Gipfeltreffen zu Hause gegen den Zweiten SV Wehen Wiesbaden (Sonntag, 11 Uhr), wäre ein großer Schritt. Im Interview spricht der 44-Jährige über das Topspiel, drei Talente und regen Betrieb in der Whatsapp-Gruppe.

Ihr Team marschierte in der Hessenliga lange unbesiegt vorne weg. Nach der Pleite gegen Alzenau ist der OFC (20 Spiele, 49 Punkte) zwar noch Erster, muss aber gegen Wehen Wiesbaden (19/47) gewinnen, um aus eigener Kraft Meister werden zu können. Ändert sich dadurch die Herangehensweise?

Nein. Ob wir als Erster ein, zwei Punkte Vorsprung oder Rückstand haben, ist für uns egal. Wir spielen zu Hause und wollen gewinnen. Ich habe Wehen Wiesbaden am Montag beim Nachholspiel in Wieseck gesehen. Sie haben verdient 4:1 gewonnen. Das wird ein echtes Topspiel, wir freuen uns darauf.

Sind Sie froh darüber, dass Ihr Team auf Sieg spielen muss und es somit kein Taktieren geben wird?

Wir versuchen, den Jungs eine Gewinner-Mentalität anzuerziehen und wollen gegen jeden gewinnen. Im Jugendbereich geht es um Ausbildung. Man kann auch aus Niederlagen lernen. Meister müssen wir außerdem nicht werden. Wenn man so lange vorne war, will man aber natürlich als Erster durchs Ziel gehen. Danach kämen aber ja noch die Aufstiegsspiele. Wir sehen das alles ganz entspannt und genießen es.

Das Hinspiel war eine enge Angelegenheit. Der OFC gewann durch ein Tor von Jakob Lemmer mit 1:0. Was zeichnet die beiden Teams aus?

Es sind zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Beide haben technisch gut geschulte Spieler mit Tempo. Sie zeichnen sich zudem durch Athletik und körperliche Robustheit aus. Wehen spielt mit zwei Spitzen, die 1,90 Meter groß sind. Die muss man erst mal ausschalten. Wir spielen hingegen im 4-2-3-1 und haben eventuell im Mittelfeld spielerische Vorteile.

Steven KesslerTrainer der OFC-U19

U19-Hessenligaspiele finden selten vor großer Kulisse statt. Hoffen Sie auf einen echten Heimvorteil durch entsprechend viele Zuschauer?

Wir spekulieren auf jeden Fall darauf, dass der eine oder andere Kickers-Fan den Weg an den Wiener Ring findet und uns anfeuert. Kleinigkeiten können den Ausschlag geben. Und das könnten auch die Fans sein. Wir würden uns auf jeden Fall über eine große Kulisse freuen.

Zuletzt stand ein Duo aus der U19 im Kader der Profis für das Regionalligaspiel in Balingen. Jakob Lemmer wurde sogar eingewechselt und bereitete ein Tor vor. Inwiefern gibt das dem ganzen Team einen Schub?

Es trainieren ja schon die gesamte Saison über immer wieder U19-Spieler oben mit. Für die Jungs, die nun im Profi-Kader standen, haben sich alle gefreut. Es war viel Betrieb in unserer Whatsapp-Gruppe. Dass diese zwei bei den Profis dabei waren, ist aber eine Gesamtleistung des Teams. Das geht nur mit guten Mitspielern an der Seite. Die Jungs geben jetzt auf jeden Fall extra viel Gas.

Giuseppe Signorilli spielt in den Planungen der Profis hingegen aktuell keine Rolle, obwohl er die Torjägerliste mit großem Abstand anführt. Wie geht er damit um?

Ganz normal. Er kennt seine Stärken. Wir haben ihn geholt, um Tore zu schießen. Er hat ein Ziel, das verfolgt er. Und noch wurde keine finale Entscheidung getroffen. Er hat auf jeden Fall eine gute, professionelle Einstellung.

Ihnen gelang beim OFC einst der Sprung aus dem Nachwuchs zu den Profis. Wie viel Antrieb gibt den Spielern die Aussicht, das eventuell auch zu packen?

Ich hatte mich damals über die zweite Mannschaft empfohlen. Da der OFC aktuell keine Reserve hat, müssen es die Jungs nun mit dem ersten Schritt packen. Sie tun viel dafür, trainieren viermal pro Woche. Ein Kompliment dafür, wie zielstrebig sie sind. Sie haben eine hohe Eigenmotivation.

Das Gespräch führte Christian Düncher

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