Torwart fällt neuer Hierarchie zum Opfer

Für Urgestein Daniel Endres beginnt die Abschiedstour

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Noch fünf Spiele, dann ist Schluss: Der Vertrag von Torhüter Daniel Endres (33), der seit 1995 für den OFC spielt, wird nicht verlängert. Zwar habe der gebürtige Offenbacher die Entscheidung „professionell aufgenommen“, heißt es, äußern wollte er sich dazu aber noch nicht.

Der Neuanfang bei Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach wurde gerade erst eingeläutet, aber eines ist bereits klar: Die Verantwortlichen scheuen keine unpopulären Maßnahmen. Das Szenario, über das wir bereits exklusiv berichtet hatten, ist nun Realität geworden.

Offenbach –  Alle drei Torleute erhalten keinen neuen Vertrag. So muss neben Bilal Jomaa Zabadne und Sebastian Brune in Urgestein Daniel Endres auch die langjährige Nummer eins im Tor nach dieser Saison gehen. Rein sportlich betrachtet ist diese Entscheidung kaum nachvollziehbar und deshalb nicht nur in Fankreisen umstritten.

Endres, der mit Ausnahme der Saison 2010/11, als er vereinslos war, seit 1995 beim OFC spielt, habe „sehr viel für die Kickers geleistet“, betonte Sportdirektor Sead Mehic. Die Entscheidung sei daher „nicht leicht gefallen“. Nach Gesprächen in den Gremien und mit dem Trainerstab, sei man aber zum Entschluss gekommen, das Gesicht des Teams „verändern zu wollen. Dazu gehört auch, auf der Torhüterposition einen neuen Weg einzuschlagen.“

Aus beim OFC: Daniel Endres schweigt

Der gebürtige Offenbacher Endres wollte sich zu der Entscheidung von Mehic sowie Trainer Daniel Steuernagel zunächst nicht äußern: „Ich möchte erst mal meine Gedanken sammeln.“

Der bald 34-Jährige hat das Gesicht des OFC in den vergangenen Jahren entscheidend mitgeprägt, ging den Weg von der 2. Bundesliga bis in die Regionalliga mit, ist mit Abstand der dienstälteste Spieler und war von 2013 bis 2018 Kapitän. „Daniel hat den Verein fast mitgegründet“, scherzte Offensivspieler Serkan Firat. „Er ist ein Junge aus Offenbach. Man verbindet den OFC mit seinem Namen.“ Auch Firat betonte, dass Endres in sportlicher Hinsicht keine Angriffsfläche geboten hatte: „Wenn man alleine diese Saison sieht: Überragend. Er hat uns oft den Arsch gerettet.“

Endres zählt zu den Leistungsträgern beim OFC

Endres war im Halbjahreszeugnis unserer Zeitung mit Abstand der notenbeste OFC-Spieler und agiert auch 2019 auf konstant hohem Niveau. Alle drei Torleute hätten ihre Sache nicht schlecht gemacht, betonte Steuernagel. Doch warum dann der Wechsel? „Wir wollen einen neuen Weg gehen“, sagte der Coach und deutet an, dass es auch eine neue Rangordnung im Team geben soll: „Wir haben erkannt, dass es ein kleines Defizit in Sachen Mentalität gibt.“

Und Endres war zuletzt – auch ohne Kapitänsbinde – ein Wortführer in der Mannschaft. Künftig sollen das andere sein. „Wir haben mit Lucas Albrecht sowie Maik Vetter verlängert und in Luigi Campagna einen erfahrenen Mann geholt. Das sind Spieler, die den Anspruch haben, Führungsspieler zu sein“, so Steuernagel. Das gelte auch für Kapitän Benjamin Kirchhoff, Jan Hendrik Marx, Francesco Lovric und Firat, mit denen man über eine Vertragsverlängerung verhandelt.

Firat fühlt sich beim OFC wohl

Auch infolge eines Hörsturzes habe seine Leistung zuletzt „nicht gepasst“, gibt der 24-jährige Firat zu. „Ich fühle mich beim OFC wohl. In den nächsten Wochen wird sich etwas tun.“

Bei Endres ist hingegen bereits alles entschieden. „Ich mag es nicht, Dinge auszusitzen“, so Steuernagel. Endres habe die Entscheidung „professionell aufgenommen“. Zumal sie für ihn nicht völlig unerwartet gekommen sein dürfte. Vergangene Saison war er in die Kritik geraten, weil er als Kapitän nicht den Ton getroffen hatte, den Fans und Vereinsführung von ihm hören wollten. Auch seine aktive Rolle beim Fanboykott nach dem letzten Spiel im Jahr 2017 gegen Ulm sorgte für Unmut. Folge: Die Kapitänsbinde wurde an Kirchhoff weitergegeben.

Am Samstag (14 Uhr) in der Partie bei der TSG Balingen wird der „ewige“ Endres laut Steuernagel auf jeden Fall das Tor hüten. Für das Urgestein beginnt damit nach 24 Jahren beim OFC die Abschiedstour.

VON CHRISTIAN DÜNCHER

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