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Der ehemalige Kickers-Trainer Valentin Herr arbeitet als Scout für Zweitligist Hannover 96

Valentin Herr

Valentin Herr, ehemaliger Trainer bei Kickers Offenbach, arbeitet mittlerweile als Scout für  den momentanen Zweitligisten Hannover 96. 

  • Ex-OFC-Trainer Valentin Herr bei Hannover 96 angestellt
  • Herr arbeitet als Scout und analysiert Videos
  • Spieler bei Kickers Offenbach von 1982 bis 1984

Offenbach - Mit diesen beiden Sätzen spricht Valentin Herr in Zeiten der Corona-Krise wohl vielen Fußballfans aus dem Herzen: „Ich freue mich heute noch wie ein kleines Kind auf jedes Spiel, egal ob in der Regionalliga oder in der Champions League. Ich habe Entzugserscheinungen." Der 62-Jährige, zwischen 1982 und 1984 Torwart der Offenbacher Kickers in der 1. und 2. Liga, und 1994 ein halbes Jahr lang OFC-Trainer, ist aber nicht nur Fan, sondern arbeitet vor allem als Scout für den Zweitligisten Hannover 96. Zuvor war er für Tottenham Hotspur, VfL Bochum und SV Sandhausen (2013 - 2019) in den Stadien unterwegs.

OFC: Ex-Trainer analysiert Videos

Doch was macht ein Scout in diesen Zeiten – außer sich darauf freuen, dass der Ball bald wieder rollt im deutschen Profifußball? „Ich kann weiterhin acht Stunden pro Tag arbeiten und Videos analysieren, bis ich rechteckige Augen habe“, sagt Herr und lacht. Er mache jetzt „die Vorarbeit für die Zeit, wo man wieder raus kann“.

Der Ex-Profi, in Rastatt zu Hause, aber immer mit Sohn Julius (29) und der Schwiegermutter im Offenbacher Nord-end in Kontakt, berichtet von drei Bereichen seiner Arbeit: Gegneranalyse (zuletzt vor dem virusbedingten Stillstand Dynamo Dresden gegen Erzgebirge Aue), Spieler prüfen, die Berater seinem Klub Hannover 96 wärmstens empfohlen haben, und Partien schauen, um selbst noch Talente zu entdecken. „Ich habe natürlich ein großes Wissen und eine große Datenbank, Hannover 96 hat mich ja nicht umsonst geholt“, sagt er und spricht von der „Kunst des Selektierens“. Details nennt er nicht, lässt sich nicht in die Karten schauen und schon gar nicht Namen entlocken, wen er denn jetzt für welche Position und warum für gut befindet.

Doch Herr, in dessen Vita 28 Bundesliga- und 86 Zweitligaspiele stehen, hat eine klare Meinung zu dem, was jetzt folgen wird im Profifußball. „Geisterspiele“, sagt er, „sind ein super Anfang, aber das wird nicht lange gehen. Das Fernsehen verkauft den Fußball in vollen Stadien hervorragend, bei Geisterspielen ohne Atmosphäre wird das Interesse der Fans schnell nachlassen. Man muss so schnell wie möglich zurück zur Normalität, sonst geht die Begeisterung verloren.“

Und die Zukunft des Profifußballs nach dieser Krise? Werden zum Beispiel die immensen Gehälter der Stars, die in ihrer eigenen Welt leben, doch wieder auf ein niedrigeres Niveau gedreht? Herr glaubt nicht daran und verweist auf das Nachbarland Frankreich. „Da gibt es ab der nächsten Saison, wann auch immer sie beginnt, einen neuen TV-Anbieter aus Spanien, der trotz der Krise noch mehr Geld gibt als zuvor. Und wenn die Vereine Geld haben, dann geben sie es aus für ihre Profis. Das ist in Deutschland genauso.“

OFC: Ex-Trainer über die 50+1-Regel

Herr denkt für die Zeit nach der Pandemie sogar an den bei vielen Fußball-Romantikern unbeliebten Weg. „Wenn man im deutschen Fußball diese 50+1-Regel fallen lassen würde, könnten sich neue Chancen ergeben“, meint er. Martin Kind, Präsident von Hannover 96, kämpft schon lange dafür, dass Investoren die Mehrheit in deutschen Klubs übernehmen dürfen. Herr teilt dessen Meinung. Er sagt: „Alle Fußballvereine im Profibereich sind Wirtschaftsunternehmen – und sie müssen auch geführt werden wie Wirtschaftsunternehmen. Das ist nicht bei allen so.“

Er verweist damit auch auf seinen ehemaligen Klub. „Ich habe mit den Kickers den Sprung in die Bundesliga geschafft. Ich werde jedes Jahr daran erinnert, wenn ich Aufstiegsfeiern sehe. Traditionsklubs wie der OFC, Rot-Weiß Essen oder Alemannia Aachen, die weit unten gelandet sind, kommen vermutlich nur mit Hilfe eines richtig großen Investors wieder nach oben. Andere Chancen sehe ich kaum in diesen schwierigen Zeiten.“

VON HOLGER APPEL

Unterdessen gibt es Grund zur Freude bei den Offenbacher Kickers: Zwei wichtige, finanzstarke Partner haben ihre Verträge langfristig verlängert.

Die Kader-Planung geht in der Corona-Zeit turbulent zu. Insgesamt acht Spieler, inklusive Francesco Lovric sollen den OFC verlassen. Der Abwehrspieler ist enttäuscht, er habe keine „klare Begründung“ bekommen.

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