Garic hilft nach Schefflers Ausfall links hinten aus

Kickers zeigen nach Blackout Charakter

Serkan Firat (rechts) erzielte mit seinem schwächeren rechten Fuß das frühe 1:0 und später per Flugkopfball auch das 2:0 - sein neuntes Saisontor. Gemeinsam mit dem Mannheimer Valmir Sulejmani führt er damit die Torschützenliste der Regionalliga Südwest an. -  Foto: Hübner

Offenbach - Die Offenbacher Kickers haben nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle beim VfB Stuttgart II den vierten Auswärtssieg in der Fußball-Regionalliga Südwest eingefahren. Von Jörg Moll 

Beim 4:2 (2:0) ließen sich die über weite Strecken dominanten Kickers auch vom Stuttgarter Doppelschlag nicht irritieren und rehabilitierten sich für die Hessenpokalpleite gegen Dreieich. Sead Mehics erster Kommentar galt den Fans. Rund 200 mitgereiste Offenbacher hatten im herbstlich-frischen Stuttgarter Degerloch für Daueranfeuerung hinter dem Tor gesorgt. „Das ist Kickers“, freute sich Mehic: „Ganz großes Kompliment an die Fans, die die Spieler so unterstützt haben.“ Auch am Sportdirektor waren die Tage nach dem Aus im Hessenpokal gegen den SC Hessen Dreieich nicht spurlos vorübergegangen. „Der Sieg war sehr wichtig“, konstatierte er dementsprechend erleichtert.

Weil Julian Scheffler in der Nacht vor dem Spiel erkrankt war, musste Trainer Daniel Steuernagel seine Startelf kurzfristig umbauen. Torwart Daniel Endres (für Sebastian Brune), Serkan Göcer (für Jan-Hendrik Marx) und Varol Akgöz rückten gegenüber dem 1:2 gegen Dreieich in die Startelf. Weil Dennis Schulte und Christos Stoilas gar nicht im Kader eingeplant waren, musste Luka Garic, eigentlich im zentralen Mittelfeld zu Hause, links hinten ran. „Er hat diese Position mal im Testspiel gegen Viktoria Köln gespielt und hat es sehr gut gemacht“, lobte Steuernagel den 18-Jährigen. Garic und die gesamte Mannschaft übernahmen sofort die Initiative und zwangen die junge Stuttgarter Mannschaft, in deren Kader - ähnlich wie beim 1:2 in Dreieich - lediglich 15 Akteure standen, zu Fehlern im Spielaufbau. Einen davon nutzten die Kickers zum frühen 1:0. Vetter und Hirst hatten auf rechts ihren Gegner unter Druck gesetzt, den Ball erobert und auf Akgöz weitergeleitet. Der Angreifer, erstmals in dieser Saison von Beginn an aufgeboten, leitete stark weiter auf Serkan Firat - und der schoss mit seinem schwächeren rechten Fuß zur Führung ein (5.). Noch schöner war sein zweiter Treffer, als er nach Flanke von Vetter per Flugkopfball ins linke Eck auf 2:0 stellte (27.) - sein neuntes Saisontor. Die Kickers traten auch in der Folge mit starkem Pressing dominant auf - und nahmen so auch den erfolgreichsten Stuttgarter Torschützen, den aus Hanau stammenden und einst bei der SG Rosenhöhe aktiven David Tomic (5 Saisontore), weitgehend aus dem Spiel.

OFC zu Gast beim VfB Stuttgart II: Bilder

Auch nach dem Wechsel hatten die Kickers zunächst alles im Griff. Vetter verpasste freistehend das 3:0 (47.). Doch dann schien sich ein Szenario zu wiederholen, das die Kickers zuletzt gegen Pirmasens und Balingen (jeweils 1:1) vier Punkte gekostet hatte. „Ich dachte, ich bin im falschen Film“, meinte Sportdirektor Mehic nach dem Doppelschlag des VfB binnen sechs Minuten zum 2:2. Beim 1:2 hatte Vetter mit einem Pass in die Mitte Hodja überrascht, Ex-Bundesliga-Profi Tobias Werner schnappte sich den Ball und passte dann auf den freien Daniel Nussbaumer, der Endres keine Chance ließ. In der 63. Minute schalteten die Schwaben nach Garics Zweikampf mit Tomic im Strafraum am schnellsten. Pedro Almeida Morais schoss unhaltbar zum 2:2 ein (63.). „Es ist brutal, wie unsere Fehler bestraft werden“, meinte Trainer Daniel Steuernagel zum Kurzzeit-Blackout des OFC. Doch dieses Mal blieben die Aussetzer folgenlos, weil die Kickers sich laut Steuernagel „kurz schüttelten, das Spiel richtig gelesen“ hatten und zurückschlugen. Das 3:2 von Varol Akgöz, der aus kurzer Distanz im Anschluss an eine Ecke traf (71.) war der Frustlöser. Danach hatten die Kickers wieder alles im Griff. Als dann noch Benjamin Kirchhoff mit schönem Außenristschlenzer sein fünftes Saisontor erzielt hatte (87.), war die Erleichterung groß. „Wir haben Mentalität und Charakter gezeigt“, freute sich Firat: „Darauf können wir aufbauen.“

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