Experiment Dreierkette geht krachend schief

Oliver Reck nimmt die Schuld für Debakel auf sich

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Offenbacher Tristesse in Hoffenheim. Von links: Marco Rapp, Dennis Schulte, Alexandros Theodosiadis und Martin Röser nach der heftigen 1:5-Pleite bei der TSG-Reserve. Die Kickers rutschten ab auf den fünften Platz der Regionalliga Südwest.

Offenbach - Minuten vor dem Abpfiff hatten viele OFC-Fans genug. Zwei Drittel der rund 400 Fans unter den 685 Zuschauern verließen nach dem 1:5 (0:3)-Debakel bei 1899 Hoffenheim II die Dietmar-Hopp-Arena vorzeitig. Zu groß war die Enttäuschung nach der zweiten Packung binnen einer Woche in der Fußball-Regionalliga Südwest. Von Jörg Moll 

„Man konnte manchmal meinen, wir wären die U23 und nicht Hoffenheim“, meinte Offenbachs frustrierter Torwart Daniel Endres. Eine Woche nach dem 0:4 gegen Mannheim ließ der Kapitän Dampf ab: „Wir haben gespielt wie eine Schülermannschaft.“ Auch Martin Röser, wie Stefano Maier nach Verletzung ins Team zurückgekehrt, machte aus seinem Frust keinen Hehl: „Immer, wenn wir die Chance haben, heranzukommen, spielen wir die größte Scheiße.“ Röser, einer von fünf Akteuren, deren Vertrag über die Saison hinaus gültig ist, war noch einer der besseren in einer Kickers-Mannschaft, deren Schwächen nach 25 passablen Minuten schonungslos aufgedeckt wurden.

Dazu beigetragen hatte auch Trainer Oliver Reck mit einer völlig neuen taktischen 3-5-2-Formation. Im Angriff bot er die Doppelspitze Robin Scheu und Röser auf. In der Dreierabwehrkette sollten Maier, Franke und Schulte die beste Offensive der Liga im Zaum zu halten. Das gelang nur zu Beginn. Die Kickers spielten passabel - und hatten durch Robin Scheu (12./14.) und Röser (14.) gute Chancen. Doch schon der erste gefährliche Angriff der Kraichgauer ließ Schlimmes befürchten: Benjamin Trümner scheiterte nach toller Kombination über Kingsley Schindler und Felix Lohkemper freistehend aus acht Metern am Pfosten (26.).

OFC-Zeugnis gegen Hoffenheim II

Zwei Minuten später machte er es besser: Schindler durfte wieder unbehelligt von rechts flanken - Trümner war in der Mitte frei - 1:0 (28.). Fünf Minuten später das nächste Beispiel für Offenbacher Unvermögen im Defensivverhalten: Atik startete nach langem Pass rechts frei durch - Vorlage auf Lohkemper - 2:0. Fast logisch, dass Jannik Dehms Traumtor per Volleyabnahme (40.) und Lohkempers 4:0 (68.) ebenfalls dank Offenbachs nicht existenter linker Abwehrseite fielen.

„Ich nehme die Niederlage auf meine Kappe“, räumte Trainer Oliver Reck später ehrlich ein. „Das Experiment Dreierkette hat nicht funktioniert. Wir wollten nicht so viele Räume zulassen, aber nach dem ersten Rückschlag ist die Mannschaft in sich zusammengefallen.“ Einzig positiv war, dass die Kickers sich in der zweiten Hälfte nach der Hereinnahme von Benjamin Pintol und später Markus Müller besser wehrten, dabei aber zu viele Chancen ausließen. Mit etwas mehr Präzision im Abschluss wäre sogar noch eine Aufholjagd möglich gewesen. Die hätte aber nur kaschiert, dass die Kickers in dieser Saison zu schwach sind für das Rennen um die ersten beiden Plätze.

Bilder: Klare Niederlage in Hoffenheim

„Ich habe, seit ich hier bin, nie über Platz zwei gesprochen“, stellte Reck klar und kündigte stattdessen an, „die Defensive unbedingt festigen zu wollen“. Schließlich soll ein Saisonziel noch erreicht werden. „Wir wollen in den DFB-Pokal“, betonte der 51-Jährige mit Blick auf das Hessenpokalfinale am Mittwoch, 4. Mai (19.30 Uhr in Haiger), gegen Drittligist SV Wehen Wiesbaden. Dessen Trainer Torsten Fröhling war gestern im Stadion. Was er sah, wird ihn nicht beeindruckt haben.

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