Das Knistern ist zurück

OFC reißt Fans mit leidenschaftlichem Fußball mit

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Geballte Freude über den gelungenen Auftakt: Kevin Pezzoni (links) mit Torschütze Andis Shala.

Der Neustart ist gelungen: Beim Auftaktsieg gegen Ulm schaffen es die Offenbacher Kickers, ihr Publikum mit leidenschaftlichem Fußball mitzureißen.

Offenbach – Benjamin Kirchhoff war da, Sebastian Brune und Robin Scheu auch. Die drei ehemaligen Spieler der Offenbacher Kickers hatten sich am Montagabend unters Publikum gemischt, um den ersten Pflichtspielauftritt ihres runderneuerten Ex-Arbeitgebers zu begutachten. Und Scheu brachte auch noch seinen Sandhausener Teamkollegen Aziz Bouhaddouz, aufgewachsen in Dietzenbach, mit.

Nur ein paar Beispiele, die zeigen: Es war ein durchaus mit Spannung erwarteter Auftritt des „neuen“ OFC. Die Vorfreude war mit Händen zu greifen. Ebenso wie hinterher die allgemeine Erleichterung. Denn nach dem 2:0-Auftaktsieg gegen Mitfavorit SSV Ulm blieb die Erkenntnis: Das könnte was werden.

Spielerische Leistung des OFC ausbaufähig

Spielerisch war die Leistung im ersten Regionalligaspiel der neuen Saison sicher ausbaufähig, und das ist bei acht Neuzugängen in der Startelf wohl auch nicht anders zu erwarten. Aber die Mentalität stimmte an diesem knisternden Flutlichtabend. Mit einem mitreißenden Auftritt haben die Kickers, bei denen im Sommer kräftig der Reset-Knopf gedrückt wurde, ihr Publikum erst einmal hinter sich gebracht. Nach dem radikalen Neustart ein nicht zu unterschätzender Faktor.

„Wir haben alles reingeschmissen, was ging“, attestierte der zufriedene OFC-Trainer Daniel Steuernagel, den die flirrende Atmosphäre im Stadion beeindruckte: „Eine fantastische Stimmung, das war unglaublich.“ Neuzugang Andis Shala, Torschütze zum 2:0, pflichtete ihm bei: „Vor so einer Kulisse zu treffen – ein unbeschreibliches Gefühl. Gänsehaut.“

Mischung aus Galligkeit und Leidenschaft bei den Kickers Offenbach stimmt

Die Kickers haben ihr Publikum mitgerissen, mit der richtigen Mischung aus Galligkeit und Leidenschaft. Das dürfte auch dem neuen Präsidenten Joachim Wagner in seiner Loge gefallen haben, denn genauso hatte er sich den großangelegten Neuanfang vorgestellt. „Der Verein muss wieder lernen zu kämpfen. Die Spieler dürfen auch mal verlieren, aber sie müssen 90 Minuten wirklich alles geben“, hatte er im Interview mit unserer Zeitung gefordert. Die Mannschaft setzte es von der ersten Minute an um. Und womöglich hat Steuernagel nach einem mäßigen Premierenjahr nun die Spieler zusammen, mit denen er den Fußball spielen kann, den er präferiert: hohe Laufbereitschaft, keine Angst vor Zweikämpfen, Anlaufen bis zum Umfallen, nach Ballgewinn mit Tempo nach vorne.

„Wir wussten, dass wir von Anfang an Zweikampfbereitschaft, Laufarbeit, Wille und Teamgeist auf den Platz bringen mussten“, sagte der neue Kapitän Richard Weil. „Wenn einer zu spät kam oder den Zweikampf verloren hat, war gleich der nächste da, das haben wir überragend gemacht.“ Der große Wille war es auch, der nicht nur die spürbare Euphorie auf den Rängen befeuerte, sondern die Partie zugunsten der Gastgeber kippen ließ. „Entscheidend heute war, dass jeder Offenbacher Spieler zu 100 Prozent alles investiert hat“, beschied der Ulmer Trainer Holger Bachthaler.

OFC setzt sich in entscheidenden Szenen durch

Das spiegelte sich auch in den beiden Toren wider: Beim 1:0 stieg OFC-Stürmer Moritz Reinhard im Kopfballduell höher als sein Gegenspieler Lennart Stoll, beim 2:0 war Shala gedankenschneller als die Ulmer Hintermannschaft. „Wir haben uns gesagt, dass wir uns in den entscheidenden Szenen durchsetzen wollen“, erzählte Weil. Das gelang.

Ob die gute Mentalität allein genügen wird, um in der Regionalliga Südwest ein Wort um die Meisterschaft mitzureden, darf zumindest angezweifelt werden. Vor allem im Kombinationsspiel der Kickers fand der letzte Pass nicht immer sein Ziel. „Das Selbstvertrauen steigt natürlich mit dem Sieg. Ich denke, dass das Spielerische von Woche zu Woche besser wird“, sagte Weil: „Wenn die Grundvoraussetzungen stimmen, kommt das Spielerische von alleine.“

OFC gewinnt Heimspiel gegen Ulm: Bilder

Dass noch das ein oder andere Puzzlestück fehlt, unterstrich auch Steuernagel, als er kurz vor Schluss Stürmer Shala aus- und Verteidiger Lucas Albrecht einwechselte. Offensivmann Niklas Hecht-Zirpel blieb draußen, Jake Hirst saß gar nur auf der Tribüne. „Andis ging auf der letzten Felge, ich wollte einen langen Spieler zum Dagegenhalten“, erklärte Steuernagel. Trotz zweier Stürmertore: Ein zusätzlicher schneller, spielstarker Angreifer könnte dem OFC-Spiel guttun.

VON MANUEL SCHUBERT

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