Interview

Rudi Völler wird 60 - seine glorreiche Karriere begann einst beim OFC

Rudi Völler steht Rede und Antwort. 
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Rudi Völler steht Rede und Antwort. 

Rudi Völler feiert seinen 60. Geburtstag. Der in Hanau geborene Ex-Profi startet seine Karriere beim OFC und steht Redakteur Thorsten Jung Rede und Antwort.

  • Rudi Völler wird 60
  • Seine Karriere startete beim OFC
  • Erwin Kostedde das Vorbild Völlers

Am Ostermontag, 13. April, feiert Rudi Völler seinen 60. Geburtstag. Startpunkt seiner Profi-Karriere war der Bieberer Berg, wo er 1978 als 18-Jähriger für Kickers Offenbach sein erstes Zweitligaspiel absolviert hat. Es folgte eine Weltkarriere mit dem Höhepunkt 1990 in Rom, als der gebürtige Hanauer den WM-Titel gewann. 

Herr Völler, rund zwei Drittel Ihres Lebens haben Sie im Profi-Fußball verbracht, als Spieler, Trainer und Manager. Sie werden auf der ganzen Welt erkannt. 

Es gibt zwei Geschichten, auf die ich immer angesprochen werde, wahrscheinlich bis an mein Lebensende. Im deutschsprachigen Raum auf die Nummer mit Waldemar Hartmann. Und das mit Frank Rijkaard ist eine weltweite Geschichte. Egal wo ich auf der Welt bin, irgendein Taxifahrer spricht mich immer darauf an. Fast schon makaber - das ist bei allen in den Köpfen drin. Dass ich ab und zu auch mal einen Ball reingeköpft habe, sagt mir keiner (lacht). 

OFC: Rudi Völler wächst in Hanau auf 

Erinnern Sie sich noch, wo Sie in Hanau auf den Straßen gekickt haben? 

Ich bin Ur-Hanauer, in der Lamboystraße aufgewachsen. Das war dann auch mein Spielort. Erst waren es die Hinterhöfe vor den Garagen, dann der Platz bei der Gebeschusschule und später bei den Sechzigern. Da bin ich jeden Tag hingelaufen, auch wenn kein Training war. So war das Leben vor Social Media und I-Phone. 

Schauen Sie noch nach dem Fußball in Hanau? Den OFC verfolge ich etwas mehr als den Hanauer Fußball. 

Beim TSV 1860 Hanau konnte man Sie nicht lange halten. Ich bin mit 15 weg. Ich wusste ja schon in der Jugend, dass ich vielleicht ein bisschen besser bin. Da versucht man dann, zu Kickers Offenbach oder Eintracht Frankfurt zu wechseln. Obwohl mir letztlich immer klar war, dass ich nach Offenbach gehe. Ich war einfach durch meinen Bruder Dieter vom OFC begeistert. Wir sind schon in den 70ern immer zum Bieberer Berg gefahren. Deshalb wollte ich da immer hin, auch dort spielen. 

Die Eintracht war damals also keine Option? 

In den 70er und 80er Jahren war Hanau OFC-Land. Das weiß ich noch ganz genau. Das hat sich im Laufe der Jahre zum Schaden von Kickers Offenbach gewandelt. Beim OFC ging es abwärts, bei der Eintracht nach oben. Mittlerweile blickt ja fast jeder aus Hanau nach Frankfurt. Das war damals ganz anders. Die paar Eintracht-Fans, die es früher hier gab... 

OFC: Erwin Kostedde war Völlers Idol

Hatten Sie in Kinder- oder Jugendtagen ein Idol? 

Gerd Müller, weil er viele Tore gemacht hat, und beim OFC Erwin Kostedde. Er war ein ganz anderer Spielertyp als ich, hat aber immer den Übersteiger, den ich zu Hause auch ständig geübt habe, gemacht. Erwin Kostedde hat ihn erfunden und ich habe ihn ganz gut hinbekommen. 

Hermann Nuber, Rainer Calmund, Otto Rehhagel, Franz Beckenbauer - wem haben Sie am meisten zu verdanken? 

Die haben alle von ihrer Aura gelebt. Auch Hermann Nuber, der mich als Jugendtrainer gefördert hat. Mit seiner speziellen Art, die für mich damals wichtig war. Die so genannten jungen Laptop-Trainer, die jede Taktik in acht verschiedenen Sprachen erklären können, sind ja schön und gut, das ist zeitgemäß und heutzutage auch sehr wichtig. Aber auch auf die Basics kommt es an. Die hat Hermann Nuber vermittelt, als harter Hund. Mit Übungen im Training, die es heute gar nicht mehr gibt. 

Welche Übungen waren das? 

Ich bin zum Beispiel mit dem Kopfballpendel groß geworden. Mit Liegestützen vorher und dazwischen. Und wir hatten so ein Seil, mussten das selbst halten und drüber springen. Nach zehn oder 20 Wiederholungen wusste man, was man gemacht hatte. Das sind Übungen, die nach heutigem Kenntnisstand Gift für den Rücken sind. Aber das war halt so. Früher ist man den Berg hoch gerannt wie ein Ochse und dann haben die Achillessehnen wehgetan. Heute macht das keiner mehr. 

Sie sind deutschlandweit hoch angesehen. Weil Sie sich nie verstellt haben? Oder wie erklären Sie sich das? 

Das sind Fragen, die man selbst schwer beantworten kann. Vielleicht liegt es ja an meinem Vornamen, genau wie bei Uwe Seeler. So ein gemeinsam geschmettertes, langgezogenes „uuuuuuu“ aus Tausenden von Kehlen klingt ja im Stadion ganz gut. Ich weiß es nicht. Die Leute haben mich überwiegend so akzeptiert, wie ich halt bin. 

OFC: Rudi Völler kann Lieder über sich wieder hören

„Tante Käthe“, „Es gibt nur ein Rudi Völler“... Können oder konnten Sie das irgendwann noch hören? 

Heute geht’s sogar wieder. Nach der Weltmeisterschaft 2002 bin ich zu Podiumsdiskussionen gekommen oder habe Preise entgegengenommen, aber nur unter der Bedingung, dass das Lied nicht gespielt wird. Mittlerweile ist es wieder okay. Tante Käthe hat Thomas Berthold damals erfunden und das ist dann von vielen übernommen worden. 

Spielen Sie heute auch noch manchmal Fußball? 

Eigentlich so gut wie nicht mehr. Jetzt habe ich ein bisschen Probleme mit meinem Knie. Ich kann noch ein-, zweimal joggen in der Woche. Aber Fußball spielen eher nicht mehr. Das letzte Mal gekickt habe ich im vergangenen Sommer-Trainingslager. Danach tat mir dann drei Tage lang das Knie weh. 

Ihr Vertrag als Sportdirektor bei Bayer Leverkusen läuft noch bis 2022. Wie lange machen Sie noch? 

Ich mache es wohl noch ein paar Jährchen, entscheide vielleicht im nächsten Dreivierteljahr, wie lange. Aber völlig relaxt. Da muss keiner ständig nachfragen! 

Übrigens unterstützte Rudi Völler die Geisterspielticket-Aktion des OFC und hat mal schnell 100 Geistertickets gekauft.

Das Gespräch führte Thorsten Jung

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