Die Saison-Einzelkritik der Offenbacher Kickers:

Ein Künstler und zahlreiche Pechvögel

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Vier Stützen der Offenbacher Kickers in der abgelaufenen Saison (von links): Innenverteidiger Benjamin Kirchhoff, Freistoßkünstler und Top-Vorbereiter Serkan Firat (vorne), Top-Torschütze Dren Hodja (hinten) und der linke Außenverteidiger Alexandros Theodosiadis.

Offenbach - 25 Spieler kamen in der abgelaufenen Saison für die Offenbacher Kickers in der Fußball-Regionalliga Südwest zum Einsatz. Als Team gelang ihnen mit dem Klassenerhalt ein versöhnlicher Abschluss. Aber wie lief es im Detail? Unsere Saison-Einzelkritik. Von Christian Düncher

GANZ VORNE DABEI

Alexander Sebald (15 Spiele/0 Tore). Die etatmäßige Nummer zwei war weit mehr als ein guter Ersatz für den verletzten Daniel Endres. Strahlte trotz seiner erst 20 Jahre Ruhe aus und spielte siebenmal zu null. Empfahl sich so für den Wechsel zu Zweitligist Austria Lustenau.

Serkan Göcer (28/0). Kam erst nach Saisonbeginn, war aber sofort eine Stütze. Begann rechts (hinten und vorne), half dann im defensiven Mittelfeld aus, wo er noch stärker war. Setzte mit seiner Vertragsverlängerung ein wichtiges Zeichen.

Serkan Firat (36/9). Der Zugang aus der Hessenliga sorgte in der ersten Hälfte der Saison als Freistoßkünstler auch bundesweit für Schlagzeilen, als er im Pokal beim Aus gegen Hannover zweimal traf. Nach der Winterpause nicht mehr ganz so torgefährlich. Dennoch die Entdeckung der Saison. Kam als einziger Kickers-Spieler in allen 36 Ligapartien zum Einsatz. Zudem der Top-Vorbereiter.

Bryan Gaul (34/2). Spielte zu Beginn der Saison mangels Alternativen in der Offensive, rückte dann immer weiter nach hinten. Erst stark im defensiven Mittelfeld, dann sogar teilweise überragend im Abwehrzentrum. Hinterlässt nach seinem Wechsel zur SV Elversberg eine Lücke.

VOLL IM SOLL

Alexandros Theodosiadis (27/2). Spaßvogel und Routinier. Der 28-jährige Linksverteidiger mit Offensivdrang ist ein wichtiger Faktor. In der zweiten Hälfte der Saison neunmal Kapitän. In Kassel für wenige Minuten sogar als Torwart im Einsatz.

Benjamin Kirchhoff (29/1). Sah im ersten Saisonspiel bereits nach zwölf Minuten Rot wegen einer Notbremse. Hatte anfangs insgesamt ein paar Probleme, steigerte sich aber. Nach der Winterpause in der Innenverteidigung gesetzt.

Jan-Hendrik Marx (16/1). Das Eigengewächs fiel zu Saisonbeginn aufgrund einer Meniskus-Operation aus, kam bis zur Winterpause nur einmal zum Einsatz. Der 22-Jährige kämpfte sich aber ins Team, machte seine Sache rechts (zumeist hinten) sehr solide.

Christos Stoilas (21/1). Stand in seiner zweiten Saison bei den Profis zehnmal in der Anfangself. Erfüllte die Erwartungen. Das Eigengewächs ist eigentlich gelernter Offensivspieler, machte aber auch als linker Außenverteidiger eine gute Figur.

Ihab Darwiche (26/7). Verpasste aufgrund von Verletzungen zehn Spiele, war bei seinen Einsätzen aber ein stetiger Unruheherd. Mit seinem Tempo und den schnellen Haken schwer zu stoppen. Wird dem OFC noch viel Freude bereiten, sofern der Körper dauerhaft mitspielt.

Maik Vetter (20/1). In der ersten Saisonhälfte auf der rechten Seite (hinten und vorne) solide. Fiel dann längere Zeit verletzt aus. Als er gegen Rundenende wieder an Bord war, wichtiger Antreiber – sogar auf den ungewohnten Offensivpositionen. Mit ihm kam jedes Mal Schwung rein.

Dren Hodja (34/12). Der beste OFC-Schütze (zwölf Tore) legte sein Phlegma im Laufe der Saison immer mehr ab. Bewies als Elfmeterschütze vom Dienst Nervenstärke (5/5) und zeigte zudem gegen Rundenende, dass in ihm auch ein Kämpfer steckt.

LUFT NACH OBEN

Dennis Schulte (25/0). Der Innenverteidiger, der eine kaufmännische Ausbildung absolviert, pendelte zwischen Anfangself und Ersatzbank. Vor der Winterpause 18 Mal im Einsatz, danach – auch aufgrund zweier Sperren – „nur“ noch siebenmal.

Kristian Maslanka (28/1). Er spielte oft und zumeist verlässlich, stach aber selten heraus. Agierte in der Hinrunde zumeist in der Innenverteidigung, später dann im defensiven Mittelfeld.

Robin Scheu (26/5). Das Eigengewächs war in der Offensive eine wichtige Alternative. Ein Vorbild an Einsatzbereitschaft, übertrieb es aber bisweilen. Sah zweimal Gelb-Rot und fehlte einmal wegen einer Gelbsperre. Will sich nun in der 3. Liga bei Fortuna Köln beweisen.

Konstantinos Neofytos (28/4). Seine wenigen Treffer waren entweder schön oder wichtig. Der Mittelstürmer aus Griechenland hing aber zumeist in der Luft. Sein Vertrag wurde nicht verlängert.

Matthew Taylor (23/2). Sollte der Hoffnungsträger sein, erwies sich jedoch nicht als die erhoffte Verstärkung. Der 35 Jahre alte ehemalige Zweitligaprofi wurde spät verpflichtet, hatte dann familiäre Probleme und spielte in der zweiten Saisonhälfte fast keine Rolle mehr. Nur als Einwechselspieler (16 Mal) top.

OFC: So lange haben die Spieler noch Vertrag

VOM PECH VERFOLGT

Daniel Endres (18/0). Das Urgestein bekam kurz vor dem Hinrundenende in Kassel einen Ball aus kurzer Distanz an den Kopf, verlor das Bewusstsein. Schiedsrichter Tobias Fritsch reagierte schnell, verhinderte so Schlimmeres. Endres verpasste drei Spiele. Ein Virus verhinderte seinen Einsatz in Walldorf. Musste in der Winterpause am Meniskus operiert werden und fiel bis Rundenende aus.

Marco Rapp (21/0). Der Lenker im Mittelfeld quälte sich lange mit einer Schambeinentzündung. Kurz vor beziehungsweise nach der Winterpause setzte der 26-Jährige deshalb vereinzelt aus. Als er gegen Trier sein Comeback gab, riss er sich das Syndesmoseband. Saison-Aus. Mit elf Verwarnungen eifrigster Kartensammler des OFC.

Stefano Maier (11/0). Verpasste die ersten zwei Spiele aufgrund einer Rotsperre aus der vergangenen Saison. Danach kam der Innenverteidiger auf sechs Einsätze, ehe sich die Sehnenreizung im Knie wieder bemerkbar machte. Spielte bis zur Winterpause noch viermal, danach in Folge einer Operation nicht mehr.

Ko Sawada (15/1). Der Zugang aus der Hessenliga erzielte bei seinem Debüt ein Tor. Es blieb das einzige. Pendelte dann zwischen Anfangself und Bank. Blühte in der Wintervorbereitung auf, kam aber wegen Knieproblemen nicht mehr zum Einsatz und musste operiert werden.

NEBENROLLE

Semih Sentürk (9/1). Der defensive Mittelfeldspieler aus der eigenen Jugend absolvierte den überwiegenden Teil seiner Kurzeinsätze nach der Winterpause.

Aaron Frey (6/0). Der Zugang aus der U19 der Frankfurter Eintracht hatte sich seine erste Profisaison anders vorgestellt. Spielte zwischendurch 20 Partien in Folge keine Rolle. Der Verteidiger wird künftig in den USA studieren.

Nicola Jürgens (4/0). Der U19-Spieler saß in den ersten zwei Partien auf der Bank. Drängte sich im Winter auf und wurde mit Kurzeinsätzen sowie einem Profivertrag belohnt.

Levent Vanli (3/0). Wurde im Winter als Nummer drei verpflichtet und stand plötzlich dreimal zwischen den Pfosten. Machte seine Sache gut, musste dennoch gehen.

Oliver Copik (1/0). Weil Endres und Sebald kurzfristig ausfielen, hütete die Nummer drei der U19 in Walldorf das Tor. Dass der OFC 2:4 verlor, lag aber nicht an ihm.

Im Kader, aber nicht eingesetzt: Bilal Jomaa Zabadne (Tor), Tim Korzuschek (linkes Mittelfeld), Dominik Crljenec (zentrales Mittelfeld)

Die „Endspiele“ des OFC in Bildern

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