Wichtige Großbaustelle geschlossen

Interview: Kickers-Schatzmeister Daniel Simon zur Einigung mit Ruhl

+
Daniel Simon, seit Februar 2018 Schatzmeister der Offenbacher Kickers.

Offenbach – Es war kein einfacher Weg, aber jetzt sieht es so aus, also könnten die Offenbacher Kickers einen erheblichen Teil ihrer Altschuldenproblematik nachhaltig lösen und den Regionalligisten zukunftsfähig machen.

In Monate langen Verhandlungen haben Hauptgläubiger Dr. Frank Ruhl und der seit März 2018 amtierende Schatzmeister Daniel Simon eine Einigung erzielt. Der Ex-Präsident soll für seine Forderungen in Höhe von 1,25 Millionen Euro 24,5 Prozent Anteile an der Profi GmbH des OFC erhalten. Wir sprachen mit OFC-Schatzmeister Daniel Simon über die Verhandlungen, Ergebnisse und Perspektiven des Deals.

Herr Simon, Präsidium, Verwaltungsrat und Aufsichtsrat haben die Vereinbarung zwischen dem OFC und dem Gläubiger Dr. Frank Ruhl genehmigt. Was sind die Eckdaten der neuen Übereinkunft?

Der Einigungsprozess zu diesem Entwurf, der sich aus mehreren Vertragsbestandteilen zusammensetzt, ist zwar sehr weit vorangeschritten, aber noch nicht beendet. Zwischen Dr. Ruhl und den OFC-Gremien wurde bis zur Unterschrift Stillschweigen vereinbart. Bitte sehen Sie es mir also nach, dass ich noch keine Angaben zum Vertragsinhalt machen kann. Mit Herrn Ruhl haben wir verabredet, zu berichten, unmittelbar nachdem die Verträge unterzeichnet wurden. Bis auf weiteres müssen wir unseren Verhandlungsprozess daher noch wie ein rohes Ei behandeln. Darum werde ich auch auf unserer Fan-Versammlung nicht für Fragen zur Verfügung stehen. Ich bin guter Hoffnung, dass die Vertragsunterzeichnungen in den kommenden Wochen erfolgen können. Nach Möglichkeit werde ich der Mitgliederversammlung am 19. Februar detailliert berichten.

Wie erleichtert sind Sie über die nahende Einigung mit dem Ex-Präsidenten?

Am 31. Dezember 2018 endete eine Vereinbarung mit Dr. Ruhl, nach der dem OFC e.V. Verbindlichkeiten in Höhe von 1,25 Millionen Euro gestundet wurden. Diese Forderung ist nach Auffassung von Herrn Ruhl nunmehr fällig und auch mit einem vollstreckbaren Rechtstitel verknüpft. Eine streitige Auseinandersetzung in dieser Größenordnung dürfte die Motivation für Unterstützer des OFC, also Sponsoren, Spender, Mäzene etc. im Keim ersticken. An einer Einigung haben Herr Ruhl und der OFC seit Monaten hart gearbeitet. Dies hat viel Zeit und Energie gebunden, die am Tag der endgültigen Einigung wieder zur Verfügung steht. Daher werden alle mit dem Vorgang befassten Personen sehr erleichtert sein, sobald die Unterschriften geleistet wurden.

Herr Ruhl bezeichnete die Zusammenarbeit mit Ihnen als sehr fruchtbar. Wie charakterisieren Sie die Gespräche?

Die Gespräche mit Herrn Dr. Ruhl waren stets konstruktiv, lösungsorientiert und professionell - sicher keine Selbstverständlichkeit.

Welchen Einfluss hat die Vereinbarung auf die aktuelle Liquidität?

Diese Frage möchte ich nicht isoliert und losgelöst vom übrigen Vertragswerk beantworten. Bitte geben Sie Herrn Ruhl und dem OFC noch die Zeit, bis die endgültige Einigung unter Dach und Fach ist.

Was bedeutet der Deal für die Zukunft des OFC?

Sobald eine endgültige Einigung vorliegt, haben wir eine wichtige Großbaustelle unseres OFC geschlossen und ein deutlich solideres Fundament, auf dem aufgebaut werden kann. So dürfte es sich erheblich einfacher gestalten, neue Unterstützer für den OFC zu gewinnen.

Wird Dr. Ruhl als Gesellschafter in die Profi-GmbH investieren, im Hinblick auf sportlichen Erfolg?

Gewiss wird Herr Ruhl sich zunächst einmal einen tieferen Einblick in die wirtschaftliche Situation der OFC GmbH verschaffen wollen, bevor er Überlegungen über ein weiteres Engagement in Betracht zieht. Alles Schritt für Schritt.

Was bedeutet die Vereinbarung mit Blick auf den zweiten Großgläubiger, Thomas Röder?

Herr Röder wurde informiert über die wesentlichen Inhalte des Vertragsentwurfs. Ein persönliches Gespräch will ich bald mit ihm führen.

Ist die Einigung auch die Chance zum Neustart im lange Zeit sehr schwierigen Verhältnis mit dem Ex-Präsidenten?

Der Blick in die Zukunft im Sinne des OFC eignet sich klar besser, als das Berufen auf die Vergangenheit, die oft emotional eingefärbt ist. Unsere Mitglieder erwarten von den Gremien möglichst professionelle Arbeit. Emotionalitäten sind hier meist nur hinderlich. Diese haben auch ihren Platz, aber bitte vor allem im Sparda-Bank-Hessen-Stadion. Kurz gesagt: Ja, ich sehe eine klare Chance zum Neustart mit Herrn Ruhl.

Wie kann der Verein in Zukunft von Ruhls wirtschaftlicher Expertise profitieren?

Herr Ruhl verfügt unbestritten über ein besonders hohes Maß an wirtschaftlicher Expertise. Hinzu kommen Kontakte, die vielleicht auch Chancen für den OFC beinhalten. Ob diese in großem Maß vorhandenen Chancen in einen „Profit“ des OFC münden, hängt ausschließlich von Herrn Ruhl ab.

Wird Herr Ruhl sein 2018 niedergelegtes Mandat im Aufsichtsrat wieder aufnehmen bzw. erhält er für mehr als 20 Prozent der GmbH-Anteile zwei Sitze?

Der Aufsichtsrat kann laut Satzung mit Vertretern des Präsidiums, des Verwaltungsrats, der Stadt, der Fans und der weiteren Gesellschafter besetzt werden. An diesen Optionen wird sich nichts ändern. Da sich die Vergabe der Sitze an Gesellschaftsanteilen orientiert, werden Herrn Ruhl zwei Sitze zustehen.

Halten sie eine Rückkehr Ruhls ins Präsidium für denkbar?

Die Wahl des neuen Präsidenten ist auf der kommenden Mitgliederversammlung am 19. Februar noch nicht vorgesehen. Mit dieser Frage sollten wir uns also erst befassen, wenn die Neuwahl ansteht.

Wie ordnen Sie diesen Verhandlungserfolg für sich selbst ein? Als persönlichen Erfolg? Als ersten Meilenstein in Ihrer Funktion als Schatzmeister? Oder als schlichte Notwendigkeit?

Von einem Verhandlungserfolg kann erst gesprochen werden, wenn die Verträge unterzeichnet wurden. Als sehr erfolgreich können wir sicher schon den Verhandlungsprozess bezeichnen.

Hat der OFC Möglichkeiten, die an die Sparda-Bank und Ruhl veräußerten Anteile zurückzukaufen?

Ja, rechtlich ist dieser Weg offen. Ob und wann es die wirtschaftliche Möglichkeit hierzu gibt, ist eine andere Frage.

Etwas mehr als 35 Prozent der Anteile an der Profi GmbH sind vergeben. Maximal 49 Prozent darf der OFC abgeben. Sind 14 Prozent Anreiz genug für einen potenziellen Investor?

Ein Hindernis für ein weiteres Engagement würde ich nicht erkennen. Auch dürfte es für eine langfristige Zukunftsplanung im Sinne des OFC sein, sich auf die Unterstützung mehrerer Gesellschafter stützen zu können, als sich in die Abhängigkeit eines einzelnen Großinvestors zu begeben.

Das Gespräch führte Jochen Koch

Erstes OFC-Training im neuen Jahr: Bilder

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare