Unrecht bleibt unbestraft / „Haben alles versucht“

Vor 25 Jahren: Kickers Offenbach scheitert vor Gericht und muss in der Oberliga spielen

Das Kickers-Team 1995/96: Hintere Reihe (von links): Trainer Wolfgang Uschek, Bernd Gramminger, Patrick Dama, Oliver Speth, Paul Koutsoliakos, Michael Hartmann. Ganz rechts: Kreisfußballwart Wolfgang Rubin, daneben sein Stellvertreter Kurt Jerwan. Vordere Reihe (von links): Sven Schneider, Michael Jablonski, Miro Ivkovic, René Keffel, Goran Skeledzic, Giuseppe Messinese.
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Das Kickers-Team 1995/96: Hintere Reihe (von links): Trainer Wolfgang Uschek, Bernd Gramminger, Patrick Dama, Oliver Speth, Paul Koutsoliakos, Michael Hartmann. Ganz rechts: Kreisfußballwart Wolfgang Rubin, daneben sein Stellvertreter Kurt Jerwan. Vordere Reihe (von links): Sven Schneider, Michael Jablonski, Miro Ivkovic, René Keffel, Goran Skeledzic, Giuseppe Messinese. Das Foto entstand anlässlich des Gewinns des Kreispokals durch ein 2:1 im Finale gegen die Spvgg. 03 Neu-Isenburg, damals Landesligist.

Im Juli 1995, vor 25 Jahren, beherrschte ein juristischer Kampf der Offenbacher Kickers die Sportseiten unserer Zeitung, der Kampf um die Wiedereingliederung in die Regionalliga Süd, aus der die Kickers gerade abgestiegen waren. Erstmals in der Vereinsgeschichte waren sie nur noch viertklassig.

Offenbach - Ende Mai war der Abstieg in die Oberliga Hessen sportlich besiegelt worden nach einer turbulenten Saison mit zwei Trainerentlassungen und dem Rücktritt des Präsidiums. Seit November 1994 hatte Wilfried Kohls als Präsident das Sagen, durch die letzten Wochen der Saison führte der einstige Torwart die Mannschaft auch noch als Interimstrainer.

In dieser dunklen Zeit erreichte den Verein Mitte Juni die Nachricht von einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt, das die Aufnahme des FC Hessen Kassel in die neugegründete Regionalliga ein Jahr zuvor als zu unrecht erfolgt erklärte.

Der FC Hessen hatte 1994 die rechtliche Nachfolge des insolventen KSV Hessen Kassel angetreten und so auch die für die neu eingeführte Regionalliga nötigen Qualifikationspunkte erhalten. In der Regionalliga schafften die Nordhessen dann sportlich den Klassenerhalt.

Es könne doch nicht sein, dass ein Konkursverein einfach zwei Buchstaben austauschen und dann mit einem glatten Konto wieder anfangen dürfe, argumentierte Kickers-Anwalt Stefan Döbler aus der Kanzlei des renommierten Sportrechtlers Christoph Schickhardt sinngemäß.

Und so klagte der OFC als sportlich bester Absteiger auf Wiederaufnahme in die Regionalliga. Dieses Ansinnen wurde am 7. Juli - drei Wochen vor dem geplanten Beginn der nächsten Saison - vom Vorstand des Süddeutschen Fußball-Verbandes mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Die Begründung war, dass eine ein Jahr zuvor getroffene Entscheidung für die Eingliederung in die Liga nach dem Abschluss einer Saison nicht mehr korrigiert werden könnte. In dem 14-köpfigen Gremium hatten nur die hessischen Vertreter für die Kickers gestimmt.

Doch die Offenbacher gaben immer noch nicht auf, klagten gegen diese Entscheidung am zuständigen Nürnberger Landgericht. „Wir geben erst auf, wenn es wirklich keine Chance mehr zum Kämpfen gibt“, erklärt der damalige OFC-Präsident Wilfried Kohls auch heute noch diese Entscheidung, die zusätzliche Anwalts- und Verfahrenskosten von mehr als 20  000 Mark verursachte.

Am 18. Juli scheiterten die Kickers auch in Nürnberg und starteten zehn Tage später in der Oberliga, als großer Meisterschaftsfavorit mit einer 2:3-Niederlage vor 1350 Zuschauern bei der SG Höchst. Trainer war damals Wolfgang Uschek, der vom Co-Trainer zum Chef befördert worden war, und erst kürzlich im Alter von 60 Jahren überraschend verstarb.

Unter der Leitung des späteren Physiotherapeuten kam bis Ende des Jahres nur eine weitere Niederlage hinzu. Weil aber durch acht Unentschieden bei neun Siegen im ersten Jahr mit der Drei-Punkte-Regel nur Rang sechs heraussprang, musste Uschek im Dezember schon wieder gehen.

Der neue Manager Klaus Gerster holte Ronny Borchers vom SV Bernbach. Aber die Kickers - die in der Oberliga unter anderem auch gegen den FC Hessen Kassel II spielen mussten - wurden am Ende trotzdem nur Dritter und kehrten erst ein weiteres Jahr später, 1997, zurück in die Regionalliga.

In der Regionalliga spielte - neben der SG Egelsbach - auch weiterhin der FC Hessen Kassel. Der aber stellte im November 1997 einen neuerlichen Konkursantrag, der mangels Masse abgelehnt wurde. So wurde der Verein 1998 aufgelöst. Der daraufhin neu gegründete KSV Hessen Kassel musste in der Kreisliga A neu anfangen.

Nach einem dritten Insolvenzantrag 2017 dürfen die Nordhessen als Aufsteiger aus der Hessenliga ab September in der neuen Saison wieder mit dem OFC in der Regionalliga spielen.

(Von Stefan Moritz)

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