Sportdirektor Mehic kann Fan-Ärger verstehen

„Walldorf war ein Rückschritt“

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Offenbachs Robin Scheu sieht zum zweiten Mal in dieser Saison Gelb-Rot. Schiedsrichter Mario Schmidt (rechts) hatte ein zu hartes Einsteigen im Mittelfeld zu Recht sanktioniert. Links: Offenbachs einziger Lichtblick, Torschütze Ihab Darwiche.

Offenbach - Die Misere auf fremden Plätzen in der Fußball-Regionalliga Südwest ist den Fans der Offenbacher Kickers übel aufgestoßen. Von Jörg Moll 

Im Internet, speziell in den sozialen Medien, haben sich die Anhänger nach der 2:4-Niederlage bei Astoria Walldorf den Frust von der Seele geschrieben. Nach inzwischen sieben Auswärtsspielen in Folge ohne Sieg zeigt Sportdirektor Sead Mehic Verständnis. „Walldorf war ein echter Rückschritt“, meinte Mehic: „Wir haben gedacht, dass die Mannschaft schon weiter ist.“ Vor allem die Art und Weise, wie der OFC sich gegen eine bis dato nicht als Offensivmaschine gefürchtete Elf ausspielen ließ, ärgerte Mehic. „An einem guten Tag musst du diesen Gegner schlagen. Wir aber waren lange überhaupt nicht auf dem Platz, hatten keinen Zugriff und waren im Spiel nach vorne ideenlos.“ Dazu kamen unerklärliche Abwehrschwächen. Den Treffern von Marcel Carl (20.), Chris Hellmann (54., 67.) und Yakup Polat (82.) gingen jeweils katastrophale Stellungsfehler voraus.

Ausdrücklich von jeder Kritik ausgenommen war Oliver Copik. „Er war ja die ärmste Sau, der Junge hat sogar noch mehrfach stark gerettet“, sagte Mehic über den 18 Jahre jungen Torwart, der in der Hessenliga-U19 des OFC aktuell nur die Nummer zwei ist. Der Blondschopf wird den 18. November 2016 im persönlichen Jahresrückblick trotzdem ganz oben ansiedeln. „Als ich am Freitag zur Schule ging, wusste ich noch gar nichts, dann rief mich Nino (Anm. d. Red.: Teammanager Berndroth) an und sagte mir, dass ich im Kader stehe.“ Als Copik dann zum Treffpunkt am Offenbacher Sparda-Bank-Hessen-Stadion kam, erhielt er die Kunde, dass Daniel Endres und Alexander Sebald krank seien und er spiele. „Ich dachte, ich höre nicht richtig“, sagte er und räumte ein: „Am Anfang war ich richtig nervös, aber der Trainer (Oliver Reck) hat mir den Druck genommen.“

Als einer der wenigen durfte Copik für sich beanspruchen, viel Positives aus dem Spiel zu ziehen. „Ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, bei den Profis zu spielen“, sagte der Berufsfachschüler: „Das ist ein großer Ansporn für mich.“ Copik hat auch schon die Schattenseiten erlebt. Vor zwei Jahren war er in der U17 der Frankfurter Eintracht am Saisonende aussortiert worden. Im letzten Moment ergab sich noch ein Engagement bei der U17 des Nordost-Bundesligisten 1. FC Magdeburg. Copik zog um, lebte mit zwei Mitspielern in einer Wohngemeinschaft. „Das ist eine ganz andere Region, in der es viele Vorbehalte gegen Fremde und auch gegen ‘Wessis’ gibt“, erzählte Copik. Nach einem Jahr zog er zurück und spielt beim OFC. Eine gute Entscheidung, „auch wenn ich zwei Schuljahre verschwendet habe“.

Bilder zum OFC-Spiel in Walldorf

Ein zweiter Gewinner der Partie war Ihab Darwiche. Der Angreifer war in der Pause für Benjamin Kirchhoff gekommen und war nicht nur wegen seines Tores (65.) und des herausgeholten Strafstoßes, den Dren Hodja zum 2:4 verwandelte (90.), ein Lichtblick. „Ich hätte mir mein Comeback anders vorgestellt“, meinte der wiedergenesene 23-Jährige, der erstmals seit dem 29. Oktober (1:2 bei TuS Koblenz) für den OFC stürmte. „Ich hätte mir drei oder vier Ihabs auf dem Platz gewünscht“, lobte Sead Mehic den Tempodribbler.

Für die letzten drei Spiele vor der Winterpause nahm Mehic, der sich gestern in die Gratulantenschar zum 40. Geburtstag von Stadionmanager Andreas Herzog einreihte, die Spieler in die Pflicht: „Wir haben etwas gutzumachen bei unseren Fans.“ Vor allem auswärts müsse die Mannschaft ganz anders auftreten. „Wenn es spielerisch nicht läuft, muss man kompakt stehen, Zweikämpfe annehmen und die Ordnung halten.“

Das OFC-Zeugnis gegen Walldorf

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