Flitzer, Kugelblitz und blasse Ravioli

Kuriositäten aus 20 Jahren OFC-Trainingslager

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Gute Aussichten: Regis Dorn, Christian Müller und Daniel Endres zu Zweitligazeiten 2007 im spanischen Estepona.  

Offenbach - Trainingslager sind wie Klassenfahrten – es ist immer etwas los. Das gilt auch für die Offenbacher Kickers, die es nach drei Jahren Pause das erste Mal wieder im Winter in wärmere Gefilde zieht. Am Dienstag fliegt der OFC-Tross für acht Tage nach Belek. Von Christian Düncher 

Von Antalya bis Zypern – der OFC war in den letzten 20 Jahren fast überall, beinahe sogar in Südamerika. Aber das ist nur eine von vielen Kuriositäten. Während der OFC bereits zum fünften Mal in Folge in der Türkei Quartier bezieht, war man früher nicht immer so entschlussfreudig. So hatte der umtriebige Manager Rüdiger Lamm 2004 gleich vier Eisen im Feuer – unter anderem angeblich Brasilien. Laut Lamm hätte der OFC nur die Flugkosten (15.000 Euro) zahlen müssen. Letztlich landete man in Herzlake im Emsland. Ohne Erfolg. Der OFC startete mit drei Pleiten in die Rückrunde der Regionalliga. Trainer Lars Schmidt wurde entlassen und durch Hans-Jürgen Boysen ersetzt.

Trainingslager in Deutschland standen beim OFC ohnehin nicht immer unter einem guten Stern. So war man 2001 nach Schneverdingen in der Lüneburger Heide gereist – in der Hoffnung, dort bessere Bedingungen zu haben. Das Gegenteil war der Fall. Ein Testspiel musste abgesagt werden. „Hier oben ist es noch frostiger als in Offenbach. Bei einem Spiel würde der Rasen kaputtgehen“, sagte Trainer Ramon Berndroth. Für Verteidiger Lars Meyer (2000 bis 2002 beim OFC) war Schneverdingen sehr schmerzhaft. In einem Testspiel verlor er einen Zahn.

Im Sommer 2007 hatten die Kickers ein Sporthotel in der Rhön, im abgelegenen Biosphärenreservat gebucht. Der entlegene Winkel Schönau bot Trainer Wolfgang Frank zwar Ruhe zur Vorbereitung, den Spielern war es aber zu ruhig. Das Hotel lag im Funkloch, Handys funktionierten nicht.

Abwechslung im Meer. Moses Sichone und Oualid Mokhtari 2008 im türkischen Lara.

In Schönau stellten die Kickers einen neuen Trainingsrekord auf. Innerhalb von nur 12 Stunden standen vier Trainingseinheiten und ein Spiel auf dem Programm. Um sieben Uhr ging es mit einem einstündigen Waldlauf los. Nach dem Frühstück folgte eine 90-minütige Einheit auf dem Trainingsplatz. Um 12 Uhr setzte Trainer Wolfgang Frank eine 30-minütige Taktikbesprechung an. Um 15.30 Uhr standen die Spieler für 60 Minuten auf dem Platz, um Standardsituationen zu üben. Um 18.30 Uhr begann das Testspiel. Das wiederum durften nur zehn Spieler bestreiten: Weil der Sportplatz zu klein war. Weil der Gegner zu schwach wurde, war das Spiel schon nach 60 Minuten beendet: 11:1.

Motivationstrainingslager in Thüringen (Januar 2015)

OFC im Kurztrainingslager in Thüringen

Aber auch Trainingslager im Ausland haben Tücken, teilweise schon bei der Anreise. Diese Erfahrung mussten die Kickers 2004 machen, als Marbella das Ziel war. Mitten in der Nacht waren alle aufgestanden, da der Flieger um 6.30 Uhr abheben sollte. Die Maschine hatte jedoch einen Defekt. Drei Stunden mussten die Kickers am Flughafen ausharren, bis es endlich losging. Frank Kastner hätte das 1999 nicht passieren können. Zwar war auch damals Spanien das Ziel, wegen Flugangst nahm der Defensivspieler aber den Zug – obwohl er damit fast 24 Stunden unterwegs war.

Wintertrainingslager in Antalya/Türkei (2011)

Die Kickers in Antalya - Teil 10

In der Regel sind Trainingslager harte Arbeit. Mit Verletzungen ist daher immer zu rechnen. Besonders bitter lief es 1998 für Andreas Clauß. Im Januar war er als Ersatztorwart verpflichtet worden, im Februar riss er sich auf Zypern das Kreuzband – bei einem Hürdenlauf. In der Summe noch härter hatte es den OFC 2006 in Marbella getroffen. In Alf Mintzel, Lars Weißenfeldt sowie den Schlussleuten Cesar Thier und Daniel Endres fehlte ein Quartett verletzt. Markus Happe (Wade) und Testspieler Benedict Akwuegbu (Fuß) reisten vorzeitig ab. Trainer Boysen reagierte mit Zynismus: „Ich war zufrieden mit denen, die da waren.“

Die aber waren mit dem Trainer nicht zufrieden. Auf dem vorzeitigen Rückflug informierte der damalige Kapitän Happe den Vizepräsidenten Thomas Kalt über die schlechte Stimmung im Team und die Unzufriedenheit mit Boysen. Die 1:3-Heimpleite gegen Rostock im ersten Spiel nach der Winterpause kostete den Trainer den Job. Nachfolger Wolfgang Frank setzte als eine seiner ersten Amtshandlung ein weiteres Trainingslager an – im Schwarzwald. Anstelle eines Hotels sollten Iglus als Unterkunft dienen. Der gerade erst verpflichtete Senegalese Momo Diabang hatte dabei alles andere als Spaß.

Sommertrainingslager in Bad Woerishofen (2010)

Trainingslager der Offenbacher Kickers

Dass man bisweilen auch als Funktionär im Trainingslager gefährlich lebt, erfuhr Thomas Kalt 2008 in der Türkei am eigenen Leib. Bei einer Spaßübung mit Torwarttrainer René Keffel zog sich der langjährige Vizepräsident einen Rippenbruch zu, was in doppelter Hinsicht ärgerlich war. Kalt nutzte die Trainingslager nämlich regelmäßig, um sich auf Triathlon-Wettbewerbe vorzubereiten. So blieb zumindest ein bisschen mehr Zeit für den Dialog mit den Anhängern. Denn die reisen mit den Kickers regelmäßig ins Trainingslager. „Der Verein steht ja für Nähe zu den Fans“, hatte Kalt damals betont. 2007 übertrieb es allerdings ein Anhänger, als er nackt über den Sportplatz rannte.

Eine Störung anderer Art gab es 2009 in der Türkei, wo sich die Mannschaft auf die Rückrunde der 3. Liga vorbereiten sollte. Doch plötzlich drehte sich alles um eine Person, die bei Beginn des Trainingslagers noch gar nicht dabei war: Suat Türker. Dessen Verpflichtung wurde von Teilen der Fans als „Rückkehr des Königs“ gefeiert. Bei seiner Ankunft im Hotel empfingen ihn Anhänger und Sponsoren mit einem Plakat und entsprechenden T-Shirts: „Willkommen daheim.“ Dem einstigen Torjäger gelang bei 15 Einsätzen in der Rückrunde aber nur noch ein Treffer. Der OFC, als Tabellenfünfter mit sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsrang ins Trainingslager gereist, beendete die Saison letztlich auf Platz sieben.

Wintertrainingslager in Side/Türkei (2010)

OFC-Kicker trainieren in der Türkei

Ein anderer Torjäger stand 2007 im Trainingslager in Estepona im Mittelpunkt – jedoch nur kurz. „Kugelblitz“ Ailton trainierte mit seinem damaligen Klub Roter Stern Belgrad ebenfalls in Südspanien und musste für Erinnerungsfotos mit OFC-Spielern herhalten. Ebenfalls in Spanien brandete 2007 an einem Abend plötzlich kollektiver Jubel auf, wie man ihn sonst nur aus dem Stadion kennt. Die Mannschaft hatte im TV die DFB-Pokalauslosung verfolgt und Oliver Bierhoff den Kickers das Derby gegen Eintracht Frankfurt beschert.

Gar nicht begeistert waren die Kickers-Spieler hingegen 1997. Das Fanmagazin „Erwin“ schrieb sogar (nicht ganz ernst gemeint) von einem Skandal. Auslöser war das Essen im Hotel auf Zypern. Die Ravioli seien dort so blass gewesen wie die Teller. Stürmer Giuseppe Messinese wunderte das nicht: „Typisch englische Küche.“

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