Auftakt mit gemischten Gefühlen

Kickers Offenbach spielt vor 100 Auserwählten

„Bomber“ Moritz Reinhard (rechts, im internen Testspiel gegen Leonidas Tiliudis) ist derzeit der einzige fitte Mittelstürmer des OFC und hat daher beste Chancen, beim Auftakt gegen Bahlingen in der Startelf zu stehen.
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„Bomber“ Moritz Reinhard (rechts, im internen Testspiel gegen Leonidas Tiliudis) ist derzeit der einzige fitte Mittelstürmer des OFC und hat daher beste Chancen, beim Auftakt gegen Bahlingen in der Startelf zu stehen.

Ihr erstes Saisonspiel gegen den Bahlinger SC dürfen die Regionalliga-Fußballer von Kickers Offenbach Corona-bedingt nur vor „spärlicher Kulisse“ (Geschäftsführer Thomas Sobotzik) bestreiten. Die Chancen stehen aber gut, dass in zwei Wochen gegen Hoffenheim II wieder deutlich mehr Zuschauer ins Stadion dürfen. Trainer Angelo Barletta muss derweil seine Spieler geradezu zügeln: „Ich hoffe, dass die Jungs nicht überpacen.“

Offenbach – Die Spieler und das Trainerteam des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach sind „heiß“ aufs erste Pflichtspiel seit sechs Monaten. Aber der Geschäftsführer fühlt sich etwas unwohl. „Es war unfassbar unangenehm, diese Auswahl treffen zu müssen“, sagt Thomas Sobotzik angesichts der Tatsache, dass wegen der aktuellen Verfügungslage nur 100 Zuschauer zum Heimspiel gegen den Bahlinger SC (Samstag, 14 Uhr) zugelassen sind. Nach langen Gesprächen - unter anderem mit dem Fanbeirat - wurde entschieden, einige Gönner „aus den Logen-Kategorien“ ins Stadion zu lassen, so Pressesprecher Lars Kissner. „Da werden die größten Summen gezahlt. Es hat aber auch von denen nicht jeder eine Karte bekommen.“

Nur Karten für Ausgewählte - Beim OFC „kein Dauerzustand“

Sobotzik bittet fast schon entschuldigend um Verständnis. „Uns ist natürlich bewusst, dass auch einige Dauerkarten-Inhaber im Verhältnis zu ihren Möglichkeiten viel geben“, sagt er und äußert den Wunsch, „dass das alles nicht zu einem Dauerzustand wird“. Die Hoffnung ist offenbar berechtigt. Eine Art Arbeitsgruppe habe Gespräche geführt, berichtet Sobotzik, dem es zuletzt schwergefallen war, bei den Verhandlungen mit der Stadt diplomatisch zu bleiben. „Es war gut, dass ich diesmal nicht dabei war. Es sieht nach einer Lösung aus.“ Bedeutet: Zum zweiten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim II (19. September, 14 Uhr) werden - sofern die Fallzahlen in Offenbach weiter nach unten gehen - wieder deutlich mehr Zuschauer zugelassen. Wohl 1000, danach wird sukzessive gesteigert.

Diese Nachricht freut auch Angelo Barletta, ist für den Kickers-Coach aber noch Zukunftsmusik. Sein Fokus und der seiner Spieler liegt voll auf der Partie gegen Bahlingen. Die 100 Leute auf der Tribüne blendet er gedanklich aus: „Zuschauer dürfen leider nicht dabei sein, das wird für uns aber keine Ausrede sein.“ Im Gegenteil: Sein Team sei „nach dieser verrückten Zeit mehr als reif“ und „mehr als bereit“. So heiß und so bereit, dass der Coach seine Spieler sogar zügeln muss. „Ich hoffe, dass die Jungs nicht überpacen und nicht wie aufgescheuchte Pferde herumrennen. Wir müssen mit Geduld und Herz spielen.“

Favoriten tun sich zum Auftakt schwer

Das ist auch eine Erkenntnis der drei vorgezogenen Begegnungen, in denen die Favoriten alle Probleme hatten. Der große Titelaspirant SV Elversberg mühte sich gegen den FC Gießen zu einem 1:0, der TSV Steinbach Haiger unterlag mit 0:1 beim VfR Aalen und der SSV Ulm 1846 kam lediglich zu einem 0:0 bei TuS RW Koblenz, die „vergangenen Saison nur fünf Punkte geholt haben“, wie Sobotzik betont. „Diese Ergebnisse zeigen, wie schwierig es ist. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Der Name Kickers Offenbach hat Gewicht. Für die Spieler ist es nicht leicht, dem gerecht zu werden.“

Für Barletta sind die Probleme der Favoriten keine Überraschung. Nach der langen Pflichtspielpause sei es „für Underdogs einfacher. Kämpfen und rennen kann jeder“. Den Topteams, die das Spiel machen müssen, fehle hingegen noch der Rhythmus und der eine oder andere Automatismus, der vor allem in der Offensive nötig sei. „So etwas kann man im Training und in Testspielen schwer künstlich erschaffen“, meint Barletta und erwartet daher eine „zähe Nummer“. Der OFC-Trainer hat zwar großen Respekt vor Bahlingen („Das ist eine erfolgreiche und eingespielte Truppe, die schwer zu lesen ist“), lässt aber keine Zweifel daran, dass sein Team Favorit ist: „Wir werden versuchen, dem Gegner so viel Druck wie möglich zu geben.“

Reinhard der einzige fitte Mittelstürmer bei den Kickers Offenbach

Allerdings hat sich die Situation im Angriffszentrum weiter zugespitzt. Abu Bakarr Kargbo (Kreuzbandriss) fällt ohnehin aus. Florent Bojaj ist nach Verletzungspause maximal ein Bank-Kandidat. Und ob Pelle Hoppe (Magenprobleme) bis Samstag im Vollbesitz seiner Kräfte sein wird, ist fraglich. Somit steht aktuell in Moritz Reinhard nur ein fitter Mittelstürmer zur Verfügung. Ob man auf dieser Position personell noch mal nachlegen wird, ließ Sobotzik offen.

Rechts hinten wird voraussichtlich Francesco Calabrese beginnen, da Marco Fritscher weiter unter dem Pferdekuss leidet, den er sich vor zwei Wochen im Test beim SC Hessen Dreieich zugezogen hatte. „Es heilt nicht so, wie erhofft“, berichtet Barletta. (Von Christian Düncher)

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