Kickers in Not nach Sponsorabsage / Auch e.V. gefährdet

OFC stellt Insolvenzantrag: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Ein Bild der Pressekonferenz.

Offenbach - Nur etwas mehr als ein Jahr nach dem Ende des ersten Insolvenzverfahrens hat die Profi GmbH von Kickers Offenbach am Mittwochabend abermals einen Insolvenzantrag gestellt – zwei Tage vor dem 115. Geburtstag des Vereins am Freitag. Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen. Von Jörg Moll und Christian Düncher

Warum hat Geschäftsführer Remo Kutz Insolvenzantrag gestellt?

Laut Geschäftsführer Remo Kutz habe eine Wirtschaftsprüfungsagentur vor drei Wochen die drohende Überschuldung festgestellt. Somit war ein Anmeldegrund gegeben und nur noch bis Mittwoch Zeit, die Insolvenzgefahr zu bannen. Das misslang unter anderem, weil ein Sponsor seine Zusage über einen Betrag zwischen 300.000 und 400.000 Euro zurückzog. „Wir werden versuchen, die Eröffnung zu verhindern“, betonte Kutz. Hintergrund: Die Eröffnung des Verfahrens kann bis zu drei Monate dauern. Bis dahin können der vom Gericht zu bestimmende Insolvenzanwalt mit den Klubverantwortlichen eine Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit abwenden. Aufschiebende Wirkung könnte etwa ein Gegner wie Bayern München im DFB-Pokal haben, der deutlich mehr als die nach Informationen unserer Zeitung kalkulierten 70.000 Euro an Zuschauereinnahmen garantieren würde. Die erste Runde wird am 18. Juni ausgelost.

Wie konnte es zu dieser Schuldenhöhe kommen?

Laut Kutz ist es ein Mix aus zu hoch kalkulierten Einnahmen und falsch bis gar nicht im Etat deklarierten Ausgaben. Nachdem im April weitere „überraschende“ Rechnungen hinzugekommen waren, hatte eine Prüfung einen prognostizierten Verlust bis 30. Juni von 1,1 Millionen Euro ergeben. Der Personalaufwand in dieser Saison war abzüglich späterer Einsparungen um 300.000 Euro höher ausgefallen. Der Verwaltungsaufwand (u.a. Schiedsrichtergebühren, Provisionen für Spielerberater) war rund 350.000 Euro höher als kalkuliert. Dazu seien die Erträge 310.000 Euro niedriger ausgefallen. „Für diese Situation bin ich genauso wenig verantwortlich wie meine Präsidiumskollegen“, betonte Vizepräsident Kutz, der seit Anfang Februar als Nachfolger von David Fischer die Geschäfte der Profi GmbH führt.

Wie geht es nun weiter? 

Der zuständige Richter am Amtsgericht Offenbach, Stefan Keim, prüft, ob ein Insolvenzgrund (Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung) vorliegt. Sofern das der Fall ist, wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Sicher scheint: Eine Ablehnung des Verfahrens mangels Masse ist ziemlich ausgeschlossen.

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Wer wird Insolvenzverwalter?

Laut Richter Andreas Gimmler, Sprecher des Amtsgerichts Offenbach, fällt die Entscheidung wohl am Montag. Das ist noch nicht geklärt. Der Verein darf einen Vorschlag einreichen. Nach Informationen unserer Zeitung soll Dr. Andreas Kleinschmidt, der auch beim letzten Verfahren zuständig war, erneut als Insolvenzverwalter eingesetzt werden.

Bleibt Kutz Geschäftsführer? 

Das bestimmt der Insolvenzverwalter. Kutz hat seine Bereitschaft signalisiert und seine „volle Unterstützung“ angekündigt.

In welcher Liga wird der OFC kommende Saison spielen? 

Die Kickers haben die Kriterien für die Regionalliga Südwest erfüllt, in der es kein wirtschaftliches Zulassungsverfahren gibt. Sie starten jedoch mit minus neun Punkten. Das schreibt die Spielordnung für den Fall vor, dass ein Insolvenzverfahren nach dem letzten Spieltag bis zum 30. Juni gestellt wird.

Bleiben die Arbeitspapiere der fünf Spieler, die bisher für die kommende Saison unter Vertrag standen, gültig?

Ja, aber der Insolvenzverwalter hat wie bei allen anderen Verträgen der Profi GmbH aber ein Sonderkündigungsrecht. Das betrifft auch die Stadionmiete. Ein offenes Geheimnis ist, dass die Kosten für die Stadionnutzung für den Viertligisten eine hohe Bürde darstellen. Alles in allem muss der OFC 800.000 Euro für Aufwendungen rund um das Stadion (Miete, Sicherheitsdienste, etc.) pro Saison zahlen.

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Welche Auswirkungen hat die Insolvenz der Profi GmbH auf den Verein (e.V.)? 

Erstmal keine. Der Verein gerät erst dann in große Schwierigkeiten, wie Schatzmeister Markus Weidner erläuterte, wenn die nach der ersten Insolvenz mit den Großgläubigern vereinbarte Rückübertragung ihrer Forderungen auf die GmbH nicht anerkannt wird. Bis auf Ex-Präsident Dr. Frank Ruhl hatten alle übrigen Gläubiger dieser Vereinbarung zugestimmt. Sollte auch der e.V. insolvent sein, habe das nach Anfrage des Klubs beim DFB keine Auswirkungen auf den Spielbetrieb der Profis.

Wie reagieren die Sponsoren auf die erneute Insolvenz? 

Laut Mitteilung des OFC bedauern die zwei Top-Sponsoren Energieversorgung Offenbach (EVO) und Sparda-Bank Hessen, dass es zu den „notwendigen Maßnahmen kommen musste“. Beide werden Partner bleiben, offen ist, in welchem Umfang Der Vertrag von Trikotsponsor EVO läuft Ende Juni aus. Die Sparda Bank besitzt bei Insolvenz ein Rücktrittsrecht als Namenssponsor des Stadions.

Welche Auswirkungen hat die Insolvenz für die Stadt? 

Stadionbetreibergesellschaft SBB und Stadtwerke Offenbach Holding waren über die Entwicklung informiert. Nach Informationen unserer Zeitung ist der OFC mit Mietzahlungen im Rückstand. Eine offizielle Aussage der städtischen Gesellschaften gab es gestern nicht, man wolle sich erst umfassend informieren, hieß es.

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