Finanzielles Engagement für bessere Perspektive nötig

Zeit für einen Neuanfang beim OFC - Trennung von Fiori

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Ein Mannheimer gegen sechs Offenbacher - Tor für Waldhof. Timo Kern (rechts am Boden) schoss Lucas Albrecht (links) an und der Ball flog zum 0:4 ins Offenbacher Tor. Jan-Hendrik Marx konnte nichts mehr retten.

Das 0:4 der Offenbacher Kickers gegen den SV Waldhof Mannheim war nicht nur die höchste Heimniederlage seit über zwei Jahren, damals auch gegen Mannheim, sondern auch eine Demütigung mit Folgen.

Offenbach – Spätestens nach diesem Spiel und einem Rückstand von 21 Punkten auf den designierten Aufsteiger ist klar, dass man sich bei den Kickers Gedanken über die Perspektiven und vor allem die weitere Ausrichtung des Vereins machen muss. Momentan herrscht auf dem Bieberer Berg ein Machtvakuum. Das Präsidium führt den Verein seit sieben Monaten ohne Präsident. Immerhin konnte dank der Hilfe aus dem Umfeld des Vereins ein sechsstelliges Loch im Etat, das entstand, weil ein fest eingeplantes Freundschaftsspiel gegen einen hochkarätigen Gegner nicht zustande kam, gestopft werden. Intern wird angesichts der bevorstehenden siebten Saison in der Regionalliga schon von einem schleichenden Tod gesprochen.

Während der Etat für 2019/20 noch nicht festgelegt wurde, steht nach Informationen unserer Zeitung seit dem Wochenende fest, dass die Zusammenarbeit von Geschäftsführer Christopher Fiori und dem OFC in ein paar Wochen beendet wird.

Zeit für einen Neuanfang, der schon intensiv geplant wird. Seit ein paar Wochen gibt es von einigen Geschäftsleuten im Umfeld der Kickers, darunter ein Unternehmer aus Wiesbaden, konkrete Pläne, sich finanziell in hohem Maße zu engagieren. Dabei soll es auch Umbildungen im Präsidium geben. Die Gespräche scheinen so weit fortgeschritten zu sein, dass es im Sommer zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung kommen könnte. Für den OFC würde sich damit eine neue, positive und viel versprechende Perspektive ergeben.

Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Regionalliga Südwest

Angesichts einer Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Regionalliga Südwest stehen Vereine wie Kickers Offenbach vor der Frage: Investieren und um den Aufstieg spielen, oder sich mit einem Mittelplatz begnügen?

Das Fußball-Portal transfermarkt.de führt eine Tabelle mit dem Gesamtmarktwert aller Regionalliga-Mannschaften. Spitzenreiter ist der 1. FC Saarbrücken, dessen Spieler mit einem Wert von 3,0 Millionen Euro taxiert werden, vor Waldhof Mannheim (2,93 Millionen). Und die Offenbacher Kickers? Die belegen mit einem Marktwert von 1,88 Millionen Platz 12. Ähnlich ist die Ausgangslage beim Etat für die Mannschaft. Mannheim und Saarbrücken liegen angeblich bei rund drei Millionen Euro für Mannschaft und Trainer, der OFC bei 1,4 Millionen.

Auch wenn einige Zahlen teilweise auf Schätzungen basieren, dokumentieren sie die Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Regionalliga. Ganz oben in der finanziellen und „echten“ Tabelle stehen die Vereine, die sich durch die Unterstützung von Mäzenen eine Mannschaft mit dritt- oder sogar zweitliga-erfahrenen – und somit auch teuren – Spielern zusammenstellen können. So wird ein Großteil der Etats beim SV Waldhof Mannheim (1. Platz), 1. FC Saarbrücken (2.), FC Homburg (3.), SV Elversberg (6.), TSV Steinbach-Haiger (7.) durch die Zugaben von Gönnern oder Unternehmen gedeckt.

Zwischen diesen „Gönner-Clubs“ rangieren mit dem SSV Ulm (4.) und Kickers Offenbach (5.) zwei Vereine ohne Großsponsor. Aber haben diese Traditionsclubs ohne Investor in Zukunft noch eine Perspektive, aus der Regionalliga aufzusteigen? Wohl kaum. Da nutzen auch die beeindruckenden Zuschauerzahlen der Kickers, die in vier von sechs Regionalligajahren den höchsten Schnitt hatten, nichts. Ob 5000 oder 5500 Zuschauer pro Heimspiel kommen, hat keinen großen oder gar entscheidenden Einfluss auf den Etat.

OFC: Daniel Steuernagel hat Hoffnung nicht aufgegeben

Trainer Daniel Steuernagel hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Kickers auch einmal in den Kampf um den Titel eingreifen können. „Weil andere finanziell bessere Möglichkeiten haben, werden wir nicht die weiße Fahne hissen. Saarbrücken und Elversberg haben auch mehr Geld, liegen aber nicht bzw. nicht weit vor uns“, glaubt er. Die Kickers müssen dafür (noch) einen anderen Weg gehen, der viel weniger Erfolgschancen eröffnet. „Andere haben mehr Geld. Wir müssen unsere Leute entwickeln und können nur in bestimmten Becken fischen“, verweist Steuernagel auf seine Neuzugänge aus unteren Ligen.

Zum Vergleich: Für die Saison 2018/19 konnten die Offenbacher drei Spieler aus der Regionalliga (Albrecht, Scheffler, Ikpide) verpflichten, einen aus der Gruppenliga (Reinhard) und Kreisoberliga (Hirst) sowie drei U19-Spieler (Garic, Gohlke, Ferukoski). Waldhof Mannheim dagegen hat sich aus der Bundesliga (Sulejmani), 2. Liga (Seegert, Hofrath) und 3. Liga (Bouziane) entscheidend verstärkt.

Der 1. FC Saarbrücken, die SV Elversberg, der FC Homburg und der TSV Steinbach-Haiger haben schon erklärt, dass sie auch in der kommenden Saison um die Meisterschaft spielen wollen. Auch Regionalliga-Absteiger VfR Aalen hat Ambitionen. Aus der Hessenliga steigt der FC Gießen auf, der schon in der Fünftklassigkeit dank eines Großsponsors unter Profibedingungen arbeitet. Der Kampf um den Aufstieg wird also sicher nicht einfacher. Für Kickers Offenbach steht dafür jetzt eine Grundsatzentscheidung an.

Kickers Offenbach empfängt Waldhof Mannheim: Bilder

VON JOCHEN KOCH

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