Aus Euphorie wird Ernüchterung

Zwischenbilanz nach der Hinrunde: OFC hat noch viel Luft nach oben 

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Ernste Mienen: Kevin Ikpide, Francesco Lovric und Ronny Marcos (von links). Statt oben mitzumischen belegt der OFC nach 17 Spieltagen nur Rang zehn der Regionalliga-Tabelle. Foto: hübner

Kickers Offenbach ist mit großen Erwartungen in die Saison gestartet und tief gefallen. Ein Rückblick auf die Hinrunde des OFC in Schlagworten.

Offenbach – Die Hinrunde in der Fußball-Regionalliga Südwest ist Geschichte. Was mit einem 2:0-Sieg gegen den SSV Ulm 1846 so vielversprechend begann, entwickelte sich für die Offenbacher Kickers zu einer komplizierten Saison. Ein Rückblick in Schlagworten auf turbulente vier Monate.

Personalrochaden beim OFC

Gleich 15 neue Spieler verpflichtete Sportdirektor Sead Mehic, der dank Finanzspritzen der neuen Kickers-Freunde einen deutlich erhöhten Etat zur Verfügung hatte. Dafür verließen den Klub im Sommer 14 Akteure. Nicht jeder wollte das – aber Mehic und Trainer Daniel Steuernagel sprachen sich für einen radikalen Umbruch mit völlig neuen Hierarchien aus. Was anfangs gut aussah, hielt nicht lange an. Die Folge: Am 16. September wurden Sportdirektor und Trainer beurlaubt. Steuernagel übernahm wenig später beim Drittligisten KFC Uerdingen. In der Geschäftsführung gab es gleich zwei Stabübergaben: Auf Christopher Fiori folgte im August Andreas Herzog, der vergangene Woche sein Amt an Thomas Sobotzik abtrat.

Stimmungsextreme beim OFC

Die Offenbacher Palette der Emotionen kennt bekanntermaßen keine Farbnuancen. So erklären sich auch in dieser Saison die Stimmungsextreme. Die Euphorie des Umbruchs mit der Verpflichtung namhafter Akteure führte zu einem regelrechten Hype um die „neuen Kickers“, die dann auch noch nach 13 Punkten aus fünf Spielen die Tabellenspitze erklommen. Das 0:3 gegen die SV Elversberg war der erste herbe Dämpfer, der klarmachte, dass es doch nicht so einfach werden würde mit dem ersehnten Durchmarsch in die 3. Liga. Drei Spiele ohne Sieg später entlud sich der hohe Erwartungsdruck in der Entlassung von Mehic und Steuernagel. Das neue Präsidium und Geschäftsführer Andreas Herzog suchten nach Alternativlösungen – und gewannen dank der sieben Punkte aus drei Spielen unter Interimscoach Steven Kessler Zeit. Doch besser wurde es nicht, was den Frust der Fans immer weiter steigerte. Negative Höhepunkte waren die 0:5-Niederlage in Saarbrücken sowie das 0:2 gegen das mit vielen Ex-Offenbachern angetretene Bayern Alzenau.

Kartenflut bei Kickers Offenbach

Die Fairplay-Wertung können die Kickers in dieser Saison ganz sicher abhaken. In Kevin Pezzoni und gleich zweimal Gerrit Gohlke sahen zwei Innenverteidiger Rote Karten, Lucas Albrecht und Moritz Hartmann mussten mit Gelb-Rot bedacht vorzeitig vom Platz. Dazu kamen Gelb-Sperren für Luigi Campagna, Marco Schikora, Manolo Rodas und Maik Vetter (beide fehlen am kommenden Montag in Ulm).

Die höchsten Siege des OFC

Gegen TuS Rot-Weiß Koblenz gelang ein 4:0, zwei Wochen später am 5. Oktober ein 3:0 gegen die TSG Balingen. Zwei Siege als Muster ohne Wert gegen die schwächsten Teams der Liga.

Die höchsten Pleiten des OFC 

Das 0:3 gegen Elversberg mussten sich elf Offenbacher ankreiden. Beim 0:5 in Saarbrücken brachen nach Gohlkes erneutem Platzverweis in Unterzahl alle Dämme.

Emotionale Momente bei Kickers Offenbach

Aufholjagden in Bahlingen und Hoffenheim (beide 2:1) sorgten für Adrenalinschübe auf dem Platz und der Tribüne. Auch das 2:1 in Freiburg mit dem späten (Glücks)-Tor von Marco Schikora gehört in diese Kategorie. Negative Emotionen erzeugten die tristen Nullnummern beim FSV Frankfurt und gegen Pirmasens sowie vor allem das 0:2 gegen Alzenau mit den Ex-Offenbachern Daniel Endres, Marcel Wilke und Serkan Firat. Die Revanche gelang im Hessenpokal (1:0).

Kickers Offenbach: Die (vielen) Verlierer

Es wäre vermessen, jeden aufzuzählen. Denn für fast jeden im OFC-Kader gilt: Es ist viel Luft nach oben. Kaum einer der vielversprechenden Zugänge hielt konstant das, was von ihm erwartet wurde. Das trifft auch auf den zwischenzeitlich verletzten Kapitän Richard Weil zu.

Die (wenigen) Gewinner beim OFC

Dominik Draband, 23, trat ein schweres Erbe an – immerhin die Nachfolge des Urgesteins Endres im OFC-Tor. Jakob Lemmer kam im ersten Profijahr bereits neunmal zum Einsatz. Der 19-Jährige traf einmal, bereitete zwei Treffer vor. Dann bremste ihn eine Verletzung.

VON JÖRG MOLL

Seit er als neuer Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach vorgestellt wurde, ist Thomas Sobotzik nah an die Mannschaft herangerückt.

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