Der OFC-Boss im Interview

Kickers Offenbachs Präsident Wagner: „Wenn es gut läuft, ist für uns alles möglich“

Haben beim OFC das Sagen: Präsident Joachim Wagner (links) und Geschäftsführer Thomas Sobotzik.
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Haben beim OFC das Sagen: Präsident Joachim Wagner (links) und Geschäftsführer Thomas Sobotzik.

Vor dem Auftaktspiel gegen den Bahlinger SC äußert sich Kickers Offenbachs Präsident Joachim Wagner im Interview unter anderem über die Corona-bedingte Zuschauer-Beschränkung.

Offenbach – Joachim Wagner erlebt Kickers Offenbach aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln: als Fan, als Sponsor und als Präsident. Vor dem Start in die neue Saison der Fußball-Regionalliga Südwest mit dem Heimspiel gegen den Bahlinger SC (Samstag, 14 Uhr) spricht er im Interview über seine Erwartungen und Wünsche sowie über die Auswirkungen der Corona-Pandemie für den OFC.

Mit welchem Gefühl werden Sie am Samstag als eine von nur 100 Personen im Stadion Platz nehmen?

Die Freude aufs erste Punktspiel ist natürlich groß. Dass wir quasi ohne Zuschauer spielen müssen, ist aber eine bittere Pille, zumal die Verbindung zwischen Fans und Verein beim OFC extrem intensiv ist und die Zuschauer für uns immer ein großer Vorteil sind. Es wird definitiv etwas fehlen.

Kickers Offenbach: Geisterspiele treffen den OFC hart

Geisterspiel in der Regionalliga – wie lange kann sich das der OFC leisten?

Es ist klar, dass uns Geisterspiele bei unserem Zuschauerschnitt und im Vergleich zu den Konkurrenten finanziell besonders hart treffen. Aber eines ist mir besonders wichtig: Wir sind uns dessen bewusst, dass uns die Stadt sehr wohlgesonnen ist. Oberbürgermeister Felix Schwenke sowie seine Magistratskollegen Sabine Groß und Peter Freier haben alle ein OFC-Herz. In der Kommunikation hat es etwas gestottert, das sollte man jedoch nicht überbewerten. Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam eine Lösung finden werden.

Dennoch erscheint es unwahrscheinlich, dass der Wunsch des OFC, Heimspiele mit 5000 Zuschauern zu absolvieren, zeitnah in Erfüllung geht. Im Etat waren ursprünglich noch mehr eingeplant.

Klar ist, dass wir in der Regionalliga Südwest das hochwertigste Stadion haben. Das hat den Nachteil, dass auch die Kosten am höchsten sind. Ein Spiel mit 1000 oder 2000 Zuschauern ist für uns ein Geschäft, bei dem wir drauflegen. Das ist ein finanzielles Problem. Daher müssen wir die Perspektive haben, eine gewisse Anzahl an Zuschauern genehmigt zu bekommen, natürlich immer unter der Prämisse, dass deren Gesundheit nicht gefährdet wird. Wir wollen keine Sonderstellung. Das weiß man bei der Stadt. Die Gespräche sind auf einem guten Weg.

Das Stadion gehört einer städtischen Gesellschaft, der OFC zahlt Miete für die gesamte Saison. Sind da Corona-bedingte Anpassungen denkbar?

Als Mieter können wir das Stadion ja grundsätzlich nutzen. Ich habe auch vom Vorschlag eines Fans gehört, die Heimspiele stattdessen am Wiener Ring auszutragen. Aber das ist ja aus mehreren Gründen gar nicht möglich. Dort gibt es zum Beispiel keine Werbebanden. Unsere Partner hätten dann Regressansprüche.

Die Inzidenzzahlen in Offenbach sinken wieder, wann rechnen Sie mit Fans am Bieberer Berg?

Es wird bei den Zuschauern auf ein Stufenmodell hinauslaufen. Gegen Hoffenheim II können wir aller Voraussicht nach mit der Zahl x beginnen und das dann sukzessive steigern. Das wird aber von der Inzidenz abhängen. Sie muss vor dem Spiel sieben Tage in Folge unter der jeweiligen Schwelle liegen. Liegt sie nur an einem Tag drüber, müssen wir die Zuschauerzahl wieder reduzieren. Wir hatten halt das Pech, dass Offenbach ein Hotspot war. Wir stehen aber auch in der Verantwortung, mit der Stadt ein Konzept zu entwickeln, das einerseits niemanden gefährdet, aber uns gleichzeitig ermöglicht, einen Teil unserer Fans ins Stadion zu lassen. Ich bin zuversichtlich, dass das klappt.

Kickers Offenbach (OFC): „Das wird die anspruchsvollste Saison sein“

Zum Sportlichen, das ja in diesen Zeiten gerne mal untergeht: Der OFC hat sich personell wieder einmal neu aufgestellt. Welchen Eindruck haben Sie vom runderneuerten Team gewonnen?

Das ist schwierig. Grundsätzlich ist der Eindruck unheimlich gut, zumal ich nahe dran war und gesehen habe, wie der Kader zusammengestellt wurde. Das war unheimlich viel Kollektivarbeit. Wir haben im sportlichen Bereich ja ein gutes Team, das über jede Personalie intensiv diskutiert hat. Wie jedes Jahr ist die Vorbereitung aber Schall und Rauch. Es ist entscheidend, was jetzt auf dem Platz passiert. Klar ist, dass das die anspruchsvollste Saison sein wird. Da braucht man Nerven und einen breiten Kader.

Was ist drin für diese Mannschaft?

Es gibt sicherlich eingespieltere Mannschaften, die favorisierter sind. Ich denke, wir können aber gut damit leben, dass nicht alle auf uns schauen. Wenn es gut läuft, ist alles möglich. Wir hatten nun jedoch in Abu Bakarr Kargbo und Florent Bojaj zwei Ausfälle auf der gleichen Position. Das darf nicht so weitergehen. Alles muss passen, man braucht auch Spielglück. Die Resultate der bisherigen Partien haben gezeigt, dass jedes Spiel extrem schwer ist.

Was erwarten Sie sich als Präsident und Sponsor des OFC von dieser Saison?

Es gilt weiterhin, was ich der Mannschaft beim Trainingsstart gesagt hatte: Ich will, dass sie alles reinhaut, was sie hat, und bei Rückschlägen eine klare Reaktion zeigt. Da muss man den persönlichen Einsatz noch mal erhöhen. Viel mehr kann man aktuell erst mal nicht erwarten.

Bei Ihrem Amtsantritt sprachen Sie von einem Drei-Jahres-Plan, innerhalb dessen der Aufstieg angestrebt wird. Ist das angesichts der Pandemie-Entwicklungen überhaupt noch darstellbar?

Ja, klar. Der Plan steht noch. Wir sind im zweiten Jahr und halten daran fest. Herausforderungen sind aber immer da. Die Einigung mit unserem zweiten strategischen Partner, dem Bündnis Kickers, haben wir zu 90 Prozent umgesetzt. Da sind nur noch Kleinigkeiten zu klären. Bis zum 31. Dezember wird das abgeschlossen sein.

Corona-Folgen für den OFC: „Treue und loyale Partner“

Sie sind Präsident und Sponsor des Klubs, den ein potenter Sponsorenkreis unterstützt. Wie groß ist die Bereitschaft angesichts der Folgen der Pandemie, die Zusagen einzuhalten?

Zum Glück haben wir sehr treue und loyale Partner. Viele haben ihre Verträge teilweise langfristig verlängert. Das ist ein gutes Zeichen. Wir liegen trotzdem hinter dem Volumen des Vorjahres, weil es auch Unternehmen gibt, die Probleme haben. Dafür habe ich Verständnis, auch wenn das für uns bitter ist. Ich hoffe, dass sie schnell wieder auf die Beine kommen. Für uns muss das Ansporn sein, neue Wege zu gehen. Wir müssen uns ein Stück weit neu erfinden. Und das tun wir auch schon - zum Beispiel, indem wir eine LED-Werbebande gekauft haben, Zudem werden das OFC-Fanradio und Kickers TV nicht mehr vom langjährigen Partner akissko, sondern nun direkt vom OFC betrieben. Die Kosten und der Nutzen sind komplett bei uns. Wir erhoffen uns dadurch auch zusätzliche Marketingerlöse.

Ein Blick in die Glaskugel: Am 12. Juni 2021 soll mit dem 42. Spieltag eine außergewöhnliche Saison enden. Wo wird der OFC dann stehen?

Ich wünsche mir, dass die Saison sportlich, fair zu Ende gespielt wird - und dass wir aufsteigen. Aber Erfolg hat weniger mit Wünschen als mit Erarbeiten zu tun. (Das Gespräch führte Christian Düncher.)

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