Kickers-Fanclub Diaspora Hofheim hofft auf positive Überraschung

Leidensfähigkeit ist gewachsen

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Hofheim - Drei Jahre hatte der OFC-Fanclub Diaspora auf sein Spiel des Jahres gewartet. So lange hatte es gedauert, bis ein Glückslos eingelöst wurde, das dem Hofheimer Fanclub das Spiel gegen die Offenbacher Kickers bescherte. Von Hans-Joachim Leyenberg 

Da konnten die glücklichen OFC-Fans auch die 27 Gegentore leicht verschmerzen und besonders das eine eigene Tor bejubeln. Vor dem Anpfiff hatte Matthias Dworschak OFC-Torwarttrainer René Keffel noch eine Denksportaufgabe mit auf den Gang zur Mannschaftsbank gegeben: „Wir haben noch ein Ass im Ärmel - aber er kommt später.“ Aber dann kam er doch nicht, der gute alte Kumpel vom Bieberer Berg, um in den Reihen des OFC-Fanclubs „Diaspora“ aus Hofheim-Marxheim gegen die Regionalliga-Truppe der Offenbacher Kickers aufzulaufen. Oliver Roth war und blieb beim Jugendspiel seines Sohnes auf einem anderen Platz. Dworschak war von 1999 bis 2004 für die Offenbacher Kickers am Ball, lebt jetzt in Hattersheim, also in der Nachbarschaft von Hofheim. Da war es naheliegend, Dworschak für dieses eine besondere Spiel als Spielertrainer des 25 Mann starken Fan-Kaders zu gewinnen. Erst am Dienstag, zwischen dem Vormittags- und Nachmittagstraining erfuhren die Offenbacher Profis, dass sie nicht zu einem gewöhnlichen Testspiel, sondern besonderen Freundschaftsspiel in den Taunus fuhren.

Das 1:27 der Hobbykicker änderte nichts an ihrer Einschätzung, dass mit den 80 Minuten Gemeinsamkeit auf dem Rasen des „Sportpark Heide“ ein Traum in Erfüllung gegangen sei. 80 statt 90 Minuten? Ja, nach 35 Minuten der zweiten Hälfte befand der Schiedsrichter, dass „es reicht“. Und dann relativierte er das 1:27 als höchst ehrenwert, weil Mikronesien in der Olympia-Qualifikation doch gerade 0:38 gegen die Fidschi-Insel verloren habe. Nach dem Abpfiff wurde fast nur noch über jenes Tor gesprochen, das der Vorsitzende und Kapitän des Fan-Klubs beim Stand von 0:22 erzielt hatte. Ein „Tor des Monats“. Kunstschütze Martin Köhler hatte den Ball von der Mittellinie aus über den vor dem Strafraum postierten Torhüter Alexander Sebald hinweg im Tornetz versenkt. Selbst Rico Schmitt gratulierte, dieses Gegentor konnte er ausnahmsweise ganz gelassen registrieren.

Bilder: Fanclub Diaspora trifft gegen OFC-Profis

„Keiner hat sich verletzt, morgen können alle Beteiligten wieder arbeiten“, zog der OFC-Trainer zufrieden Bilanz. Und Mannschaftskapitän Köhler versprach Schmitt, in den ersten drei Heimspielen der neuen Regionalliga-Saison auf der Tribüne ausnahmsweise mal „nicht zu meckern“. Und danach? Die Geduld ist schließlich nicht unendlich. Da braucht es Stehvermögen in einem Umfeld, das von Eintracht-Sympathisanten durchsetzt ist. Gerade mal ein halbes Dutzend Mitglieder hat der Diaspora-Fanclub. Nicht einmal in den drei Jahren der Vorbereitung auf den Kick mit den Kickers ist der Kreis der bekennenden Fans gewachsen. Nur die Leidensfähigkeit in der Diaspora. Laut Lexikon steht Diaspora für das Gebiet, das „eine religiöse, konfessionelle und/oder nationale Minderheit bewohnt“.

Köhlers Mannschaftskamerad Heiko mit der Nummer 7 auf dem Rücken nennt die vierte Liga desillusioniert ein „Hospiz für Traditionsvereine“. Aus ihm spricht der Zweckpessimismus eines Fans, der positiv überrascht werden will. Sonst würde er sich nicht wieder seine Saisonkarte für den Platz im Stadion am Bieberer Berg sichern. Für die Kickers gab es reichlich Komplimente, dazu pro Spieler samt Betreuern eine Bratwurst in die Hand. Sie hatten nicht mit Toren, aber ihren neuen Trikots gegeizt. „Wir haben nur dieses eine“, bekamen die Hofheimer auf Nachfrage zu hören. Man hat halt nichts zu verschenken beim OFC. Verständnisvolles Kopfnicken. Wo, wenn nicht in der Diaspora, fühlten sie sich trotz der 1:27-Klatsche reichlich beschenkt. Weil die Offenbacher Kickers endlich zu ihnen gekommen waren. Sonst ist es doch immer umgekehrt.

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