Lucas Albrecht:

„Wechsel zum OFC wie ein Jackpot“

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Lucas Albrecht (vorne, im Trikot von Hessen Kassel) bringt die Erfahrung aus sieben Zweit-, 44 Dritt- und 143 Regionalligaspielen mit nach Offenbach. Für Kassel erzielte der Verteidiger in den vergangenen zwei Jahren bei 66 Einsätzen 13 Tore und bereitete zwei Treffer vor.

Offenbach - Zu Beginn seiner Karriere war Lucas Albrecht für das Torschießen zuständig. Bei Kickers Offenbach soll er nun Stefano Maier (Viktoria Köln) im Abwehrzentrum ersetzen. Für den Zugang aus Kassel ist der Wechsel zum OFC zumindest in privater Hinsicht ein Glücksfall. Von Christian Düncher 

Lucas Albrecht und seine Lebensgefährtin Betty sind bereits seit achteinhalb Jahren ein Paar. Der Wechsel des Abwehrspielers von Hessen Kassel zu Kickers Offenbach beschert ihrer Beziehung nun aber eine Premiere. „Es ist das erste Mal, dass wir zusammenwohnen“, erzählt der 27-Jährige. Mal zog er aus beruflichen Gründen um, mal sie. Schon den Wechsel 2016 von der TSG Neustrelitz nach Kassel hatte der Neubrandenburger vollzogen, um der Freundin näher zu sein, die als Abteilungsleiterin in einem großen Modekaufhaus in Frankfurt arbeitet. „Der OFC ist für mich daher wie ein Jackpot“, gibt Albrecht zu.

Der 1,93 Meter große Innenverteidiger hatte auch Anfragen aus der 3. Liga. „Aber ein Verein, bei dem ich 500 Kilometer weg bin – das würde nichts bringen“, sagt er. Aus der Region war auch Ligarivale FSV Frankfurt interessiert. „Ich wollte aber oben mitspielen, das ist hier eher der Fall. Und ehrlich gesagt ist der OFC auch kein Verein, der in die Regionalliga gehört.“

Dass dieser Wechsel überhaupt möglich war, hatte aus Albrechts Sicht einen unerfreulichen Grund: Durch Kassels Abstieg war sein Vertrag hinfällig. Dass er sich ausgerechnet Erzrivale Offenbach anschloss, habe man ihm jedoch nicht übel genommen: „Ich habe mir abgewöhnt, Kommentare im Internet zu lesen. Die Nachrichten, die ich direkt bekommen habe, waren durchweg positiv. Ich hatte auch stets offen gesagt, dass ich nicht in die Hessenliga gehen würde. Dafür bin ich zu ehrgeizig.“

Trotz des Abstiegs könne das Team „mit sich im Reinen“ sein, betont Albrecht. Der Neun-Punkte-Abzug sei nicht wettzumachen gewesen: „Wenn man von Anfang an hinterherlaufen muss, ist das nicht schön. Ich ziehe daher den Hut vor dem OFC, der es in der Saison zuvor geschafft hat, trotz dieser Belastung die Klasse zu halten.“

Bilder: Trainingsauftakt bei Kickers Offenbach

Am schlimmsten sei die Zeit nach dem letzten Saisonspiel gewesen. Um die Liga zu halten, musste Kassel hoffen, dass sich Saarbrücken und Mannheim in den Aufstiegsspielen durchsetzen: „Als Verein kann man nicht planen und als Spieler macht einen das fertig. Ich habe in der Zeit ein paar Kilo abgenommen.“

Das „Highlight“ seiner Karriere erlebte Albrecht in der Saison 2009/10: Als Stürmer schoss er damals die U19 von Hansa Rostock mit 17 Toren in 28 Spielen zum deutschen Meistertitel. Unter anderem erzielte er den 1:0-Siegtreffer im Finale gegen Bayer Leverkusen. „Ein dreckiges Ding. Kein Tor des Jahres, jedoch mein wichtigstes bislang“, erinnert er sich. „Es gab danach Anfragen aus der Bundesliga. aber ich habe mir das alles nicht angehört. Ich war sehr selbstkritisch, habe mir das nicht zugetraut. Und es war für mich das Größte, für Rostocks erste Mannschaft zu spielen. Ich habe dadurch Geld liegenlassen, würde es heute aber genauso machen.“

Zum zentralen Abwehrspieler gemacht wurde Albrecht 2015/16 bei der TSG Neustrelitz von Trainer Andreas Petersen, Vater des Nationalstürmers Nils Petersen. Nachdem er einige Tage wegen einer Verletzung gefehlt hatte, half der gelernte Angreifer im Trainingsspiel als Verteidiger aus und tat das so gut, dass er den Part fortan dauerhaft übernehmen sollte. „Ich hielt das für eine Schnapsidee, aber letztlich war es gut für mich“, sagt Albrecht.

Bilder: Die Geschichte von Kickers Offenbach im Fan-Museum

Und was macht der Abwehrhüne, wenn er nicht Fußball spielt? „Mir war es immer wichtig, nebenbei etwas zu tun“, betont er. „In der Regionalliga kann man ja kein Millionär werden.“ Ein Fernstudium im Fach Sportmanagement hat Albrecht bereits abgeschlossen: „Dafür hat man als Fußballer durchaus Zeit.“ Nächstes Ziel ist es, noch den Sportfachwirt dranzuhängen.

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