Maik Vetter

Einst Abwehr-Alternative, nun Torjäger

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Ungewöhnlicher Torjubel: Nach seinem Treffer zum 3:1-Endstand gegen den FSV Mainz 05 II tritt Kickers Offenbachs Maik Vetter gegen eine Werbebande. Wenig später plagt den 26-Jährigen das Gewissen: „Ich hoffe, dass ich die nicht bezahlen muss.“

Offenbach - Geholt wurde er, um Tore zu verhindern. Das liegt nun dreieinhalb Jahre zurück. Inzwischen wurde Maik Vetter bei den Offenbacher Kickers zum Stürmer umfunktioniert. Seiner neuen Aufgabe geht er unkonventionell nach, jedoch mit Erfolg. Von Christian Düncher 

Von der Alternative für die Abwehr zum echten Torjäger: Maik Vetter hat bei den Offenbacher Kickers eine interessante Entwicklung genommen. Der damalige Trainer Rico Schmitt hatte den Blondschopf 2014 vom SV Wehen Wiesbaden zum OFC gelockt, „um Ausfälle in der Defensive besser kompensieren zu können“. Unter Schmitts Nachfolger Oliver Reck rückte Vetter aber immer weiter nach vorne. Seit dieser Saison ist er Stürmer – und ist mit acht Treffern der zweitbeste Torschütze der Kickers hinter Dren Hodja (10).

Beim 3:1 (1:0)-Heimsieg gegen den FSV Mainz 05 II hatte der 26-Jährige seinen zweiten Doppelpack in dieser Saison erzielt. „Und den zweiten in meinem Leben“, ergänzt er scherzend. Acht Saisontreffer sind für ihn Rekord – und zwar mit großem Abstand. Seine bisherige Bestmarke lag bei vier Toren.

Vetter, der von sich sagt, dass er die Verteidiger mit seinen ungewöhnlichen Laufwegen irritiert, steht oft richtig. „Ab und zu habe ich auch einfach Glück gehabt“, gibt er sich bescheiden. So sei ihm der Ball beim Doppelpack in Völklingen ebenso vor den Fuß gefallen wie bei dem Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen Mainz. Allerdings hatte Vetter seinen Teil dazu beigetragen, dass es so gekommen war. Nach einer Flanke von Serkan Firat war er zwar knapp unter dem Ball durchgesprungen, hatte den Verteidiger damit aber irritiert. Der Abwehrmann konnte nicht mehr reagieren, bekam den Ball gegen den Oberschenkel und leistete so unfreiwillig die Vorarbeit für Vetter, der aus zehn Metern abzog und links unten traf. „Maik arbeitet extrem viel und belohnt sich dafür“, lobt OFC-Innenverteidiger Benjamin Kirchhoff.

Auch an Vetters zweitem Treffer gegen Mainz war Firat beteiligt. Diesmal bediente er bei einem Konter maßgenau den Stürmer, der den Ball überlegt am Torhüter vorbeischob. „Bei uns im Training schieße ich in solchen Situationen immer mit dem Vollspann. Unsere Torhüter mögen mich daher nicht“, erzählt Vetter grinsend. Doch diesmal habe er sich an die Worte von Daniel Endres erinnert. Die Nummer eins der Kickers sage ihm „320 Tage im Jahr, dass ich die Innenseite nehmen soll“. Vetter hielt sich diesmal daran und sorgte mit seinem Tor zum 3:1 für die endgültige Entscheidung.

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„Der Schlüssel war, dass wir vorne draufgegangen sind, Mainz so zu Fehlern gezwungen und uns außen durchgespielt haben“, erklärte Vetter. In der Tat fielen alle Kickers-Treffer nach dem gleichen Muster: Ballgewinn, schnelles Umschalten, Zuspiel von außen. Tor. „Die Trainer hatten uns gut auf den Gegner eingestellt.“

Vetter selbst landete unmittelbar nach dem 3:1 übrigens noch einen Treffer. Nicht mit dem Vollspann und nicht mit der Innenseite, sondern mit der Sohle voran trat er gegen eine Werbebande. Ein recht unkonventioneller Torjubel. Wenig später plagte ihn das Gewissen: „Ich hoffe, dass ich die nicht bezahlen muss.“

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Vetter dürfte es selbst in der Hand haben: Sollte er die Kickers am Montagabend (20.15 Uhr/Sport 1) beim FSV Frankfurt, für dessen Reserve er einst spielte, abermals zum Sieg schießen, würde er damit Kickers-Geschäftsführer Christopher Fiori vermutlich milde stimmen.

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