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OFC nach Pokal-Aus: Mehr Mut, weniger Fehler, Chancen nutzen

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Von: Christian Düncher

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„Die Atmosphäre war unbeschreiblich“: Jakob Zitzelsberger (Mitte) stemmt sich gegen Düsseldorfs Marcel Sobottka. Durchaus beeindruckt schien Jost Mairose (rechts). Trainer Alexander Schmidt nahm ihn raus und in Schutz.
„Die Atmosphäre war unbeschreiblich“: Jakob Zitzelsberger (Mitte) stemmt sich gegen Düsseldorfs Marcel Sobottka. Durchaus beeindruckt schien Jost Mairose (rechts). Trainer Alexander Schmidt nahm ihn raus und in Schutz. © Hübner

Aus der DFB-Pokal-Niederlage zieht Kickers Offenbach Erkenntnisse für den Ligaauftakt. Ein Neuzugang zeigt sich begeistert von der Stimmung am Bieberer Berg.

Offenbach – Trikottausch? Daran verschwendete Kickers Offenbachs Verteidiger Jakob Zitzelsberger trotz prominenter Gegenspieler wie Daniel Ginczek und Rouwen Hennings keinen Gedanken. „Ich bin jemand, der so etwas in Ehren hält“, stellte der Blondschopf nach der 1:4-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf klar. Das rot-weiße Shirt mit den Spieldaten auf der Brust erhält also einen Ehrenplatz. Es erinnert ihn schließlich an einen der Höhepunkte seiner Karriere.

„Ich komme ja anderswoher“, sagt Zitzelsberger. „Das war zwar mein zweites DFB-Pokalspiel, ich habe jedoch noch nicht vor so einer Kulisse gespielt.“ Mit dem Dorfklub VfB Eichstätt hatte er in der Liga vor ein paar Hundert Zuschauern gespielt sowie im nationalen Cup im Ingolstädter Audi Sportpark vor 7300 gegen Hertha BSC (1:5). In Offenbach waren es nun mehr als doppelt so viele. „Die Atmosphäre war unbeschreiblich“, schwärmte der Innenverteidiger. „Obwohl wir 1:4 verloren haben, wurden wir gefeiert, als ob wir gewonnen hätten.“ Und auch während der Partie genoss der Zugang die Stimmung: „Davon kann man sich treiben lassen.“

Kickers Offenbach-Neuzugang nach Pokal-Aus: „Vom Spielverlauf war es kein 1:4“

Das gelang allerdings nicht allen. Jost Mairose beispielsweise überzeugte zwar kämpferisch, agierte aber mit Ball am Fuß unglücklich. „Er hat vergangenen Saison noch bei Schott Mainz unter ganz anderen Bedingungen gespielt. Dass da bei so einem Spiel eine gewisse Anspannung oder Nervosität herrscht, ist normal“, nahm Trainer Alexander Schmidt den bereits zur Pause ausgewechselten Mittelfeldmann in Schutz.

Auch Zitzelsberger war zu Beginn beeindruckt von den äußeren Umständen. Mit zunehmender Dauer wurde er aber immer sicherer und traute sich mehr zu. Wie bei der Szene, die zum zwischenzeitlichen Anschlusstor führte. Der Mann mit der markanten Dutt-Frisur setzte zum Solo an, verlängerte danach per Kopf zu Dejan Bozic, der die Latte traf. Von dort sprang der Ball zu Jakob Lemmer, der am langen Pfosten einschob. Da sei der Jubel bereits extrem gewesen. „Beim 2:2 hätte es komplett gebrannt.“ Am Ende stand jedoch eine klare Niederlage. „Vom Spielverlauf war es kein 1:4“, meint Zitzelsberger.

OFC: Zum Ligaauftakt mehr Mut mit Ball zeigen

Das Ergebnis ist allerdings nicht nur auf Pech zurückzuführen. „Wir haben in unterschiedlichen Phasen ein paar Fehler zu viel gemacht und die Chancen nicht genutzt“, resümierte Schmidt. In der Regionalliga Südwest werden Fehler freilich nicht so konsequent bestraft wie von einem Zweitligisten wie Düsseldorf. Gleichwohl gilt es, vor dem ersten Punktspiel am Sonntag (14 Uhr) bei Aufsteiger Wormatia Worms, die Sinne weiter zu schärfen. Mittelfeld-Stratege Björn Jopek fordert zudem „mit Ball mehr Mut“. Bedenken hat er nicht: „Wir haben einen super breiten Kader.“ Und mit dem wolle man „Vollgasfußball“ abliefern.

Die Impulse, die gegen Düsseldorf von der Ersatzbank kamen, bestätigen die Aussage Jopeks zur Qualität des Kaders. Der quirlige Christian Derflinger, aber vor allem Rafael Garcia und Dejan Bozic waren belebende Elemente. Auch Dominik Wanner zeigte einige gute Vorstöße. Lediglich Shako Onangolo fiel etwas ab, zumal ihm die Umstellung auf das anstrengende Training offenbar immer noch zu schaffen macht. Und in Maik Vetter sowie Philipp Hosiner kamen zwei Routiniers gar nicht zum Einsatz. Zugang Julian Albrecht saß sogar nur auf der Tribüne. Es gibt also einige hoffnungsvolle Alternativen.

Offenbacher Kickers: Daniel Thioune drückt Daumen für die Meisterschaft

Mut macht zudem die Einschätzung des Düsseldorfer Trainers Daniel Thioune. Er habe „eine richtig gute Kickers-Mannschaft gesehen“, die schon im Test „gegen Köln sehr ordentlich“ spielte. Der OFC gehört seiner Meinung nach sicher zu den Favoriten. Für die Meisterschaft drückt Thioune die Daumen, damit der Bieberer Berg in Zukunft öfter derlei Kulissen erlebt. Der 48-Jährige weiß jedoch auch: „Für Tradition bekommt man nichts geschenkt.“ (von Christian Düncher)

Positives Fazit trotz drohender Geldstrafe

209 000 Euro hat Kickers Offenbach für die Teilnahme an der ersten DFB-Pokalrunde erhalten. Hinzu kommt der Anteil an den Zuschauer-Einnahmen. „Das können wir gebrauchen“, so Präsident Joachim Wagner. „Die zweite Runde hätten wir aber auch gebrauchen können.“ Zumal den Kickers - ebenso wie Gegner Fortuna Düsseldorf - eine Geldstrafe droht. Gästefans hatten wiederholt Pyrotechnik abgebrannt, OFC-Anhänger Gegenstände aufs Spielfeld geworfen. Das sei „absolut ärgerlich“, sagte OFC-Geschäftsführer Matthias Georg, insgesamt war er aber zufrieden: „Die Einnahmen waren sehr lukrativ. Mit so vielen Zuschauern hatten wir nicht gerechnet.“ (cd)

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