Nach schwieriger Zeit angekommen

Gereifter Kevin Ikpide lässt vor Wiedersehen mit Hoffenheim II aufhorchen

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Premiere auf dem Bieberer Berg: Kevin Ikpide (links) bejubelt sein Tor zum 3:0 gegen Ulm. Für den 21-Jährigen war es im 56. Spiel als Profi (44 für Hoffenheim II, zwölf für den OFC) der erste Treffer. Rechts: Varol Akgöz.

Offenbach – Seine Arme hatte er weit ausgebreitet, die Augen strahlten: Als Kickers Offenbachs Mittelfeldmann Kevin Ikpide am Samstag seinen Treffer zum 3:0-Endstand gegen den SSV Ulm feierte, war das mehr als der Jubel eines Fußballers, der in seinem 56. Spiel als Profi gerade sein erstes Tor erzielt hatte. Von Christian Düncher

Der junge Mann mit der dunklen Lockenpracht war nicht nur glücklich, sondern auch erleichtert. „Das war sehr wichtig, ich hatte keine einfache Zeit“, gab der 21-Jährige zu, der vor der Saison von Trainer Daniel Steuernagel als Wunschspieler verpflichtet worden war, dann jedoch so etwas wie einen Albtraum erlebte. Gleich im ersten Saisonspiel war ihm ein Fehlpass unterlaufen, der zwar nicht zu einem Gegentor führte, aber dennoch Folgen für Ikpide hatte. Einige der 6664 Zuschauer pfiffen, ein neues Gefühl für den OFC-Zugang, der zuvor in der Regel nur vor ein paar hundert Fans gekickt hatte. Ikpide wirkte fortan verunsichert – und wurde zur Pause ausgewechselt.

Seitdem setzte Steuernagel den einstigen Junioren-Nationalspieler (U15, U16) nur noch als Einwechselspieler ein. „Er wird unserem Spiel Sicherheit geben“, hatte der Trainer bei der Verpflichtung des 1,88 Meter großen Mittelfeldakteurs gesagt. Den Nachweis blieb Ikpide aber zunächst weiterhin schuldig. Im Heimspiel gegen Saarbrücken kam er neun Minuten vor dem Ende und sollte helfen, das 1:0 über die Zeit zu bringen. Die Gäste glichen aber aus und Ikpide machte beim Gegentor keine gute Figur. Gegen Balingen wurde er ebenfalls beim Stand von 1:0 eingewechselt. Endergebnis: 1:1. Ikpide war schuldlos, doch seit dieser Partie machte sich auf den Rängen eine gewisse Unruhe breit, wenn bei Einwechslungen die Fünf hochgehalten wurde.

Im Spiel beim VfB Stuttgart II schien sich die Unglücksserie fortzusetzen. Beim Duell mit dem Verein, für den er in der Jugend unter Thomas Schneider (von 2014 bis 2018 Assistent von Bundestrainer Jogi Löw) und später unter Domenico Tedesco (Coach von Schalke 04) spielte, kam er in der 62. Minute in die Partie, in der 63. glich Stuttgart aus – 2:2. Doch diesmal gab es ein Happy End, die Kickers siegten 4:2. Es war in gewisser Weise der Wendepunkt für Ikpide.

Inklusive der Begegnung in seiner Geburtsstadt Stuttgart wurde der Deutsch-Nigerianer zuletzt sechsmal eingewechselt, alle sechs Spiele gewann der OFC. Gegen Ulm zeigte er seine bislang beste Leistung im Kickers-Trikot, hatte in lediglich zwölf Minuten Einsatzzeit mehrere gute Szenen. Im Mittelfeld setzte er mit einer Grätsche ein erstes Zeichen. Später eroberte er in der eigenen Hälfte den Ball und leitete so den Konter ein, den er nach einem beherzten Sprint und perfektem Zuspiel von Jake Hirst selbst zum 3:0 abschloss.

Bilder: OFC empfängt SSV Ulm

Bereits während der Wintervorbereitung hatte Steuernagel Ikpide gelobt („Er hat einen Sprung gemacht“), nun sagte er: „Für Kevin freut mich das riesig. Er ist in Offenbach angekommen.“ Ikpide meint, er sei in den vergangenen Monaten „gereift“.

Den Nachweis lieferte er gegen Ulm: „Ein schönes Gefühl. Es freut mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte.“ Der Jubel vor den Fans sei ein „tolles Erlebnis“ gewesen. „Ich habe versucht, dem Team Stabilität zu geben. Nun soll es Schritt für Schritt weitergehen.“ Den nächsten Schritt will der OFC am Freitag (19.30 Uhr) machen – bei 1899 Hoffenheim II, Ikpides vorherigem Team: „Die Freude ist groß, ich hatte dort zwei schöne Jahre“, erinnert er sich. 44 Spiele absolvierte er für die Kraichgauer, ein Tor – wie nun für den OFC – gelang ihm aber nicht.

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