Neue Wege und alte Tugenden

Nachwuchsleistungszentrum soll „deutlich besser“ werden

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In der SG Rosenhöhe (lila Trikots) haben die Offenbacher Kickers (vorne: Liam Rodolfi aus der U19) im Jugendbereich „ein starker Konkurrenten in der eigenen Stadt. Das spornt uns an“, meint Jörg Wagner, Mitarbeiter des OFC-Nachwuchsleistungszentrums.  

Offenbach - Mit einem neuen Leiter und einem neuen Konzept wollen die Offenbacher Kickers ihr Nachwuchsleistungszentrum produktiver machen. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt und den hiesigen Vereinen soll intensiviert werden. Von Christian Düncher 

Leitet neuerdings das OFC-NZL: Reinhard Stumpf

Aber nicht alle Änderungen stoßen auf Zustimmung. Für Reinhard Stumpf sind die Offenbacher Kickers „wie Unkraut“. Und das ist nicht negativ gemeint. Denn: „Unkraut kommt immer wieder“, ergänzt der neue Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). Die Kickers lagen in der Tat oft am Boden, standen aber stets auf – auch dank ihrer guten Jugendarbeit. Der OFC ist schließlich unter anderem für die zahlreichen Talente bekannt, die er hervorgebracht hat. Da deren Anzahl zwischenzeitlich jedoch zurückgegangen war, hatte man schon vor einiger Zeit Änderungen vorgenommen. Zunächst nur personelle, nun auch konzeptionelle.

„Die Durchlässigkeit war zu gering“, sagt Sead Mehic, als Technischer Direktor Sport im Präsidium für den Nachwuchsbereich zuständig. Das zu ändern, hatte sich das Präsidium zum Ziel gesetzt. Und Oliver Reck, der Trainer der Profis, geht diesen Weg mit. So stehen aktuell zehn Spieler im Regionalliga-Kader, die einst in der OFC-Jugend spielten. „Wir haben die Durchlässigkeit in den vergangenen zwölf bis 16 Monaten verbessert“, stellt Mehic fest. Ausruhen will er sich darauf jedoch nicht: „Es muss das Ziel sein, das Nachwuchsleistungszentrum weiterzuentwickeln.“

Aus diesem Grund wurde Stumpf zurückgeholt. Der 56-jährige Ex-Profi, der aus der Region stammt und dessen Karriere bei den Kickers begann, verkörpert einen Teil des neuen Konzeptes. „Er lebt das alles vor und weiß, wovon er spricht“, lobt Vizepräsident Michael Relic. „Reinhard Stumpf kann einem Talent genau sagen, was es machen muss, um es zu schaffen. Er ist ein Baustein.“ Jörg Wagner, der im administrativen Bereich des Nachwuchsleistungszentrums mitarbeitet, erklärt einen weiteren Baustein: „Wir wollen uns der Stadt und Offenbachs Vereinen mehr öffnen.“ Das dokumentiert der OFC nicht nur mit Freundschaftsspielen gegen diese Klubs, sondern auch, indem er seit vergangenem Sommer beim Wechsel eines Nachwuchsspielers zu einem anderen Offenbacher Verein auf eine Ablöse verzichtet. „Weil wir wissen, was die Klubs im Grundlagenbereich schaffen. Und wir profitieren davon“, so Wagner.

Dass Stumpf genauso wie Mehic und Reck einst für die Kickers spielte, sei kein Zufall, aber auch nicht Hauptvoraussetzung dafür gewesen, dass die Wahl auf ihn fiel, betont Relic. „Wir wollen hier nicht 800 Ex-Spieler haben. Man merkt aber, dass die Ehemaligen – wie unlängst Michael Kutzop – wieder vermehrt zu Heimspielen kommen.“ Wagner ergänzt: „Wir versuchen, unseren Jugendspielern den OFC wieder nahezubringen – auch durch Leute wie Reinhard Stumpf und Oliver Reck.“ Unter anderem müssen die Talente seit diesem Jahr das OFC-Fanmuseum besuchen. Zudem ließ man einen Vortrag über die Geschichte der Kickers halten. Dass Leute OFC-Idol Hermann Nuber nicht kennen, „darf nicht passieren“, stellt Relic klar. „Die Jungs müssen geil darauf sein, für Kickers Offenbach zu spielen.“

Das Problem: Die Talente werden immer früher abgeworben, wechseln unter anderem zu den Bundesligisten Eintracht Frankfurt und FSV Mainz 05. Der OFC will dem mit Überzeugungsarbeit begegnen (Stumpf: „Bis zum Alter von 15 Jahren ist ein Spieler in seinem Fußballkreis am besten aufgehoben“) und seinerseits früher sichten – unter anderem beim Akademietraining, das er einmal pro Woche für U10-Spieler aus der Region anbietet.

Und die Talente sollen so spielen, wie man es in Offenbach gerne sieht. Der OFC stehe „für Fußball mit Emotionen, Leidenschaft und Wille“, hieß es bei der Jahreshauptversammlung in einer Präsentation. Die Spielweise soll die Fans „begeistern und mitreißen“. Stumpf kommt die Aufgabe zu, dies schon im Nachwuchsbereich zu implementieren. Oder wie Mehic es ausdrückt: „Er gibt die Richtung vor. Wer sie als Trainer mitgeht, ist willkommen, wer nicht, ist ersetzbar.“

Bilder: OFC-Spieler und Fans beim Lesertreff

Stumpf, der bereits als Spieler keinem Duell aus dem Weg ging, ist für seine direkte Art bekannt, macht klare Ansagen, sieht sich aber auch als Teamplayer. Eine seiner Aufgaben ist die Fortbildung der Trainer. So soll es pro Monat einen Workshop geben. „Trainer sind wie Spieler, sie wachsen in ihre Position hinein“, so Stumpf.

Die Voraussetzungen sind jedoch nicht einfach. Das gibt auch Mehic zu: „Vor allem im Winter gibt es strukturelle Probleme, da wir dann nur einen Platz für zehn Teams haben“, sagt er. Doch die Bedingungen sollen schrittweise optimiert werden. 2019 steht die nächste Zertifizierung an. Das Ergebnis werde „deutlich besser ausfallen als zuletzt“, verspricht Stumpf.

Als Leidtragende fühlt sich die Frauen- und Mädchen-Abteilung, die ab Sommer die Rasenplätze nicht mehr während der Trainingszeit der Jugend nutzen darf (bisher hatten sie einen halben Platz) und die Räumlichkeiten des NLZ nur noch nach Rücksprache. „Wir unterstützen sie, wo wir können“, so Mehic. „Aber ein NLZ ist kein Bahnhof. Wenn Platz ist, können sie selbstverständlich in die Räume rein.“

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