„Das ist nicht die wirkliche Welt“

OFC-Geschäftsführer Sobotzik ist für U23-Teams, aber gegen zu langen Verbleib

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Offenbacher Eigengewächse: Jakob Lemmer (links) und Gerrit Gohlke (rechts, gegen TuS Rot-Weiss Koblenz) schafften den Sprung von der OFC-Jugend zu den Profis. Gohlke wechselt nach der Saison zu Drittligist Mannheim.

Genau genommen ist Thomas Sobotzik lediglich für die in eine GmbH ausgegliederten Regionalliga-Profis von Kickers Offenbach zuständig.

Offenbach –  Aber natürlich befasst sich der Geschäftsführer des OFC auch mit dem Leistungszentrum, das rein juristisch betrachtet beim Verein (e. V. ) angesiedelt ist. „Wir sind aber ja ein Klub“, betont Sobotzik. Er sei in Kontakt mit Alfred Kaninski, dem Leiter des Leistungszentrums.

In erster Linie hätten aber die Trainer eng miteinander zu tun, betont der neue Geschäftsführer des OFC. Angelo Barletta, Coach der Profis, werde sich mit seinem Pendant bei der U19 und der Führungsspitze des Leistungszentrum austauschen. „Denn es gibt nichts Schöneres, wenn man es schafft, Eigengewächse in erste Mannschaft zu bringen“, so Sobotzik. „Diese Verzahnung werden wir weiterhin leben und ausbauen.“

Kickers Offenbach: Vier Eigengewächse stehen im Profi-Kader des OFC

Aktuell stehen in Innenverteidiger Gerrit Gohlke (20), den Mittelfeldspielern Leonidas Tiliudis (19) und Luka Garic (19) sowie Offensivmann Jakob Lemmer (19) vier Eigengewächse im Profi-Kader. Bei allen läuft der Vertrag aus. Gohlke (elf Einsätze in dieser Saison) wechselt spätestens zur neue Runde zu Drittligist Waldhof Mannheim. Mit Garic (sechs) und Lemmer (elf) will der OFC verlängern. Bei Tiliudis, der verletzungsbedingt noch gar nicht zum Einsatz kam, wird man die Eindrücke abwarten, die er in der Wintervorbereitung und in der Restrunde hinterlässt.

Für alle vier spricht, dass sie unter die U23-Regel fallen, die die Klubs erfüllen müssen. Sobotzik hält von dieser Verpflichtung jedoch nichts. „Ich finde das kontraproduktiv, da wird Missbrauch betrieben. Man setzt Leute auf die Bank, die ohnehin nicht eingesetzt werden, nur damit man die Regel erfüllt.“ Er findet es „problematisch, wenn das Leistungskriterium außer Kraft gesetzt wird“, sagt der Geschäftsführer. „Solche Regeln bringen nichts. Es gibt nichts Schlimmeres für einen Trainer, wenn er den Kader zusammenstellt und einen Spieler rausnehmen muss, weil er älter als 23 Jahre ist, es aber verdient hätte, im Kader zu stehen.“

Kickers Offenbach: Sobotzik hat zu U23-Teams eine klare Meinung

Zu den U23-Teams hat Sobotzik ebenfalls eine klare Meinung. Er hält es für „fatal und falsch“, dass diese bei vielen Klubs abgeschafft wurden. „Die Jungs, die mit 17 Jahren schon den Sprung in die erste Mannschaft schaffen, gibt’s maximal alle zehn Jahre. Die meistern brauchen den Umweg über die zweite Mannschaft.“ Mainz 05 sei diesbezüglich „ein Vorbild im Rhein-Main Gebiet“. Sobotzik hat auch lange die U23 von Borussia Dortmund verfolgt und meint: „Marcel Schmelzer wäre ohne die zweite Mannschaft beim BVB nie Nationalspieler geworden.“

Grundsätzlich rät der OFC-Geschäftsführer Spielern jedoch dazu, nicht zu lange bei einer zweiten Mannschaft eines Bundesligisten zu bleiben. „Das ist eine künstliche Welt, in der nur um des Spielens willen gespielt wird, nicht, um zu gewinnen. Dort kommt kein Präsident in die Kabine und scheißt dich zusammen, weil die Leistung nicht okay war. Das ist nicht die wirkliche Welt. Weil jemand dort funktioniert, funktioniert er nicht automatisch bei Kickers Offenbach.“

Kickers Offenbach: Zweite Mannschaft macht für OFC nicht in jedem Fall Sinn  

Für Sobotzik ist entscheidend, wie man mit einer „Reserve“ umgeht: „Wenn sie nur ein Anhängsel oder ungeliebtes Stiefkind ist, macht eine zweite Mannschaft keinen Sinn“. Zudem habe man als Verein, der Jugendarbeit betreibt, auch „eine soziale Verantwortung“, betont Sobotzik. „Wenn man 95 Prozent der Spieler sagen muss, dass sie nach der U19 gehen können, ist das problematisch.“

Beim OFC gibt es diese Problematik derzeit auch. Wieder eine Reserve zu melden, war zuletzt aber aus finanziellen und sportlichen Gründen kein Thema, zumal das Team wohl maximal in der Kreisoberliga hätte starten dürfen, die für Talente wenig reizvoll ist. Man denke eher darüber nach, „mit ein, zwei Vereinen zu kooperieren“, hatte Sobotzik vor wenigen Wochen gesagt. Inzwischen gibt es bei den Kickers aber auch wieder andere Gedankenspiele. Mit dem Bestreben von Eintracht Frankfurt, eine Änderung der Spielordnung des Hessischen Fußball-Verbandes zu erreichen, um auf Landesebene zu starten, hat das aber nichts zu tun. Diesem Plan werden von Seiten des OFC nämlich keine großen Chancen eingeräumt. Einen anderen Weg geht Darmstadt 98: Der Zweitligist will ab 2020/2021 auf Kreisebene ein Fan-Team stellen.

VON CHRISTIAN DÜNCHER

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