Kickers Offenbach

OFC: Barlettas Taktik geht gegen Aalen nicht auf

Kein Durchkommen: Offenbachs Toptorjäger Mathias Fetsch (rechts) blieb gegen Aalen, das wegen zu ähnlicher Trikots in OFC-Leibchen antreten musste, erfolglos. Das Experiment der Doppelspitze mit Elia Soriano brachte nicht den erhofften Ertrag.
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Kein Durchkommen: Offenbachs Toptorjäger Mathias Fetsch (rechts) blieb gegen Aalen, das wegen zu ähnlicher Trikots in OFC-Leibchen antreten musste, erfolglos. Das Experiment der Doppelspitze mit Elia Soriano brachte nicht den erhofften Ertrag.

Große Enttäuschung bei Kickers Offenbach: Drei Tage nach dem 5:1 gegen Hessen Kassel kassierte der OFC gegen den VfR Aalen mit 0:2 die ersten Heimpleite der Saison in der Fußball-Regionalliga Südwest. Trainer Angelo Barletta setzte überraschend auf eine Doppelspitze, doch diese blieb stumpf.

Offenbach – Spitzenreiter Freiburg II kommt über ein 1:1 nicht hinaus, Verfolger Ulm verliert, Elversberg und Homburg spielen remis. Es hätte ein perfektes Wochenende werden können für die Offenbacher Kickers. Doch der Aufstiegskandidat der Fußball-Regionalliga Südwest patzte selbst - und büßte nach dem 0:2 (0:1) gegen den VfR Aalen einen Platz und wertvolle Punkte ein.

Entsprechend bedient war Angelo Barletta. „Das Spiel hat uns den Schwung genommen“, sagte er nach der ersten Heimpleite der Saison zerknirscht: „Das wirft uns zurück.“ Der Trainer der Kickers hatte vor den Aalenern im Vorfeld noch gewarnt, sie als extrem unangenehm bezeichnet. Und das sollte sich im letzten Geister-Heimspiel des Jahres bewahrheiten. Kompakt, aggressiv in der Defensive und mit schnellem Umschaltspiel machten die Schwaben den Kickers das Leben schwer und nutzten vorne ihre Chancen. Leon Volz fälschte Andreas Knipfers Schuss entscheidend zum 1:0 ab (26.), Jordan Brown (70.) erhöhte mit einem verwandelten Strafstoß. Dessen Vorgeschichte - Marcos war wohl vor Volz am Ball, als dieser fiel - war höchst umstritten.

Doch die Niederlage hatten sich die Kickers vor allem selbst zuzuschreiben. In Halbzeit eins kreierten sie aus dem Spiel heraus keine zwingende Chance, die Standards - 10:0 Ecken standen am Ende zu Buche - waren dieses Mal auch keine Waffe. Einen Freistoß aus 23 Metern von Tunay Deniz (17.) fischte sich Aalens Torwart Daniel Bernhardt genauso wie den Versuch aus 18 Metern von Serkan Firat (24.).

Die Kickers, die drei Tage zuvor noch beim 5:1 gegen Kassel brilliert hatten, fanden offensiv kein Mittel, wozu auch die Umstellungen von Barletta ihren Teil beigetragen hatten. Der OFC-Trainer hatte rechts hinten für Marco Fritscher Francesco Calabrese aufgeboten. Auch Linksaußen Marcell Sobotta saß zunächst auf der Bank. Für ihn kam Toptorjäger Mathias Fetsch zurück in die Startelf. Mit Elia Soriano bildete er im 4-4-2-System eine Doppelspitze, die von Florent Bojaj dahinter sowie extrem hoch stehenden Außenverteidigern in Szene gesetzt werden sollte. Soweit die Theorie. In der Praxis blieb die Doppelspitze stumpf. „Mit der Erkenntnis der Niederlage würde ich was ändern“, räumte Barletta ein.

Beide Mittelstürmer standen sich im Zentrum im Weg. Bezeichnend: Erst, als Barletta nur noch auf Fetsch als Mittelstürmer setzte, wurde der OFC zwingender. Selbst Gästetrainer Roland Seitz zeigte sich über Barlettas Schachzug überrascht: „Das hat uns in die Karten gespielt.“ Barletta verteidigte die Personalauswahl: „Es war der beste Zeitpunkt, um Elia, Mathias und Flo zu stellen, den Versuch musste ich mal starten.“

Barletta machte als Grund für die zweite Saisonpleite vor allem die ungenügende Zweikampfführung aus. Repräsentativ vor allem beim 0:1, als nach einem Einwurf Knipfer unbedrängt schießen konnte. „Das war zu billig, wie eine Schülermannschaft. Da müssen wir zupacken und dürfen nicht in die Falle tappen“, monierte Barletta. Schließlich werde seine Mannschaft noch häufig auf Mannschaften treffen, die extrem tief stehen, „das Spiel zerstören wollen“ und auf Umschaltmomente warten. „In Balingen wird das nicht anders sein“, warnt der OFC-Trainer mit Blick auf das letzte Punktspiel im Jahr am Dienstag (19 Uhr).

Dann wird Barletta auch auf den Außenbahnen nachjustieren müssen. Dass der OFC lange kaum Torgefahr entwickelte, lag auch daran, dass über die Außen mangels Tempo und Präzision im Aufbau und bei Flanken wenig ging. Marcos und Calabrese flankten zwar häufig, selten aber präzise. Auch hier wurde es erst mit der Hereinnahme von Sobotta und vor allem Fritscher besser. Der Rechtsverteidiger, dem Barletta nach langer Verletzungspause nicht drei komplette Spiele über 90 Minuten zugetraut hatte, bereitete die Großchance von Tim Dierßen vor (73.), der mit links aus kurzer Distanz das Tor verfehlte. Zuvor hatte Mathias Fetsch (66.) nur den Pfosten getroffen. Auch da fehlten Kleinigkeiten, die für Barletta am Samstag so große Wirkung hatten. „Aber es nutzt nichts, Trübsal zu blasen, wir müssen es in Balingen besser machen“, gab sich Barletta kämpferisch und verwies auch auf den Lernprozess seiner Mannschaft. Dafür aber müsse jeder seine Aufgaben erfüllen: „Wir dürfen nicht kopflos agieren, dann wird es nichts.“ (Von Jörg Moll)

Kickers Offenbach - VfR Aalen 0:2 (0:1)

Kickers Offenbach: Flauder (Note: 3) - Calabrese (4,5/61. Fritscher -), Zieleniecki (3,5), Karbstein (3,5), Marcos (4) - Firat (5), Deniz (5), Bojaj (4,5), Dierßen (4/80. Vetter -) - Soriano (5/61. Sobotta -), Fetsch (4)

VfR Aalen: Bernhardt - Knipfer, Windmüller, Oschkenat, Arh Cesen - Sakai, Stanese, Marusenko (88. Appiah) - Volz, Merk (90. Mark Müller), Hoffmann (46. Hoffmann)

Schiedsrichter: Timo Wlodarczak (Bebra) - Tore: 0:1 Volz (26.), 0:2 Brown (70./FE) - Gelbe Karten: Deniz (4), Marcos (1), Zieleniecki (2) / Brown

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