Modellprojekt mit Zukunft

OFC-Chancencamp: Sieben Spieler finden Klubs

Angelo Barletta (rechts) schaut genau hin. Der Ex-Profi leitete mit drei weiteren Trainern das Sichtungstraining.
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Angelo Barletta (rechts) schaut genau hin. Der Ex-Profi leitete mit drei weiteren Trainern das Sichtungstraining.

Offenbach Mit einem Sichtungstraining auf dem Gelände der Gemaa Tempelsee ist das 1. Chancen-Camp für fußballbegeisterte Flüchtlinge zu Ende gegangen. Von Jörg Moll

„Das ist auch für uns eine neue Erfahrung“, zeigt sich Gemaa-Abteilungsleiter Stefan Mehling beeindruckt. Der A-Ligist hat speziell in der 15 Mannschaften starken Jugendabteilung einen hohen Ausländeranteil, aber direkt mit Flüchtlingen hat es der Verein noch nicht zu tun bekommen. Dass zum Sichtungstraining nur eine handvoll Vertreter von Kreisvereinen kam, überraschte Mehling nicht nur wegen der Ferien und der frühen Uhrzeit (16 Uhr) nicht wirklich. „Wenn man ehrlich ist: Scouting ist für Klubs wie uns kein Thema“, räumte Mehling ein: „Und in Vereinen ist es ja eher so, dass man auf Zuruf Spieler holt.“

Das gebundene Heft mit 66 Profilen aller Teilnehmer inklusive einer fußballerischen Einschätzung der Trainer aus dem OFC-Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) nahm Mehling aber interessiert entgegen. Für die Teilnehmer endet das Camp am Samstag mit einem Besuch des Regionalliga-Spiels der Offenbacher Kickers gegen den 1. FC Kaiserslautern II. Höchst angetan war Angelo Barletta. Der Offenbacher Ex-Profi, mittlerweile Trainer beim Hessenligisten Viktoria Griesheim, leitete das gestrige Training. Von der Qualität einiger Teilnehmer war er beeindruckt. „Wenn ich nicht schon drei Torhüter hätte, würde ich ihn nehmen“, sagte er über den 20 Jahre alten Iraner Vahdad Atashkar. Barletta sinnierte aber auch über die logistischen Folgen für die Vereine. „Es ist ja nicht damit getan, den Spieler nur zu holen. Man muss ihn auch betreuen“, meinte er. Das sei wohl die größte Schwierigkeit für Amateurvereine. Einige Kreisvereine waren schon während der Woche am Wiener Ring vorstellig geworden. Das Resultat: Sieben Spieler haben mittlerweile einen Verein gefunden. Zumeist spielen sie nun für Klubs aus den Kommunen, in denen sie in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind.

Bilder: OFC-Chancencamp für Flüchtlinge

OFC-Chancencamp für Flüchtlinge
OFC-Chancencamp für Flüchtlinge
OFC-Chancencamp für Flüchtlinge
OFC-Chancencamp für Flüchtlinge
Bilder: OFC-Chancencamp für Flüchtlinge

Camp-Mitinitiator Lars Kissner wertete das Modellprojekt als Erfolg und kündigte weitere an. „Aber über die Taktung werden wir uns Gedanken machen müssen.“ Ob bereits im Dezember das nächste folgt, hängt neben der Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mithilfe auch an Hallenkapazitäten.

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