Kickers Offenbach

OFC: „Ehrensache“ und Gesellschafterwechsel

Nur die Farbkombination auf dem Schild und der kleine Hinweis in der Unterzeilen deuten aktuell noch darauf hin, dass die Spielstätte auf dem Bieberer Berg rund zehn Jahre lang Sparda-Bank-Hessen-Stadion hieß. Der Vertrag ist ausgelaufen. Das Geldinstitut hat ihn nicht verlängert und gibt nun auch seine Anteile an der Profi GmbH der Offenbacher Kickers ab. Als Partner bleibt es dem OFC aber erhalten.
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Nur die Farbkombination auf dem Schild und der kleine Hinweis in der Unterzeilen deuten aktuell noch darauf hin, dass die Spielstätte auf dem Bieberer Berg rund zehn Jahre lang Sparda-Bank-Hessen-Stadion hieß. Der Vertrag ist ausgelaufen. Das Geldinstitut hat ihn nicht verlängert und gibt nun auch seine Anteile an der Profi GmbH der Offenbacher Kickers ab. Als Partner bleibt es dem OFC aber erhalten.

Joachim Wagner, Präsident der Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach, appelliert an Sponsoren und Dauerkarten-Inhaber, beruhigt aber zugleich. Der OFC habe „vernünftige wirtschaftliche Möglichkeiten“, auch weil sich durch einen geplanten Gesellschafterwechsel neue Chancen eröffnen.

Offenbach – Namen nennt Joachim Wagner zwar nicht. Es gibt jedoch genug bekannte Beispiele für seine These. Den KFC Uerdingen zum Beispiel oder Türkgücü München, die gerade spüren, wie gefährlich es ist, von nur einem Investor abhängig zu sein. Das sei „das Schlimmste, was im Fußball passieren kann“, meint der Präsident der Offenbacher Kickers. „Wir wollen eine breite Basis haben.“

Genauer gesagt müsste es eigentlich heißen: eine noch breitere Basis. Weil sich die Profi GmbH des OFC mehrere strategische Partner ins Boot geholt hat, schippert sie trotz all der aktuellen Probleme sowie Unwägbarkeiten wirtschaftlich bisher offenbar in recht ruhigem Fahrwasser. Man könne das nicht hoch genug ansehen, „wie wir als Viertligist, der keine TV-Einnahmen hat, durch die Krise kommen“, betont der Boss der Fußball-Regionalligisten und verspricht: „Wir werden diese Saison mit der Bündelung aller Kräfte vernünftig zu Ende bekommen, auch wenn es ein Husarenritt ist.“

Vor der Planung der kommenden Spielzeit habe er jedoch „großen Respekt“. Partner oder Dauerkarten-Inhaber könnten nämlich versuchen, den OFC in Regress zu nehmen, weil dieser die vereinbarte Gegenleistung aufgrund des Lockdowns nicht erbringen konnte. „Wir wollen 2021/22 wieder einen konkurrenzfähigen Kader haben. Deshalb ist es wichtig, dass so wenig Rückzahlungsansprüche aus der aktuellen Saison wie möglich auf uns zukommen“, betont Wagner. Viele Sponsoren hätten bereits zugesagt. Der OFC-Boss hofft, dass die Saisonticket-Inhaber es ihnen gleichtun.

Das Motto der Aktion lautet „Ehrensache“. Und eine solche ist es für viele auch. Bereits am ersten Tag hatten laut OFC schon 627 Partner und Dauerkarten-Inhaber ihren Verzicht auf Erstattungsansprüche erklärt.

Laut Wagner hat es bisher zwar keine signifikanten Forderungen gegeben, er wollte sich aber klar positionieren. Zumal er um die Ängste der OFC-Fans weiß. In unruhigen Zeiten wie diesen machen sich Anhänger eines Clubs, der in der Vergangenheit oft in finanzieller Not war, eben Gedanken. Der Vereins-Präsident und Aufsichtsrats-Chef der Profi GmbH beruhigt jedoch: Man habe „vernünftige wirtschaftliche Möglichkeiten“ und sei „wild entschlossen, diese Herzensangelegenheit weiterzuführen. Wir haben ein Ziel und uns an dieser Aufgabe festgebissen.“

Ziel ist der Aufstieg. „Wir haben eine intakte Mannschaft mit großem Potenzial“, sagt der OFC-Boss. „Wenn es diese Saison nicht klappt, drehen wir an ein paar Stellschrauben. Und irgendwann werden wir Erfolg haben.“ Es stellt sich jedoch die Frage, woher das Geld für immer neue Anläufe kommen soll. Denn auf den einst kommunizierten Dreijahresplan, der 2022 endet, lässt sich Wagner nicht mehr festnageln. Das Zauberwort heißt auch hier: strategische Partnerschaft.

Die Sparda-Bank Hessen, die zehn Jahre lang Namensgeber des Stadions war und 2017 dann 10,7 Prozent der Anteile an der Profi GmbH erworben hatte, plant Wagner zufolge „in Abstimmung mit uns, die Anteile abzugeben“. Die Kickers wollen damit „etwas Neues machen“. 300 000 Euro hatte die Sparda-Bank Hessen für ihre Anteile bezahlt. Viel weniger als 2019 die „Kickers Freunde GmbH & Co. KG“, die 17,5 Prozent für 1,375 Millionen Euro erworben haben, und die „Bündnis Kickers GmbH“, die für 7 Prozent Anteile 550 000 Euro investiert hat. Beide Gruppierungen haben dafür auch Anteile an möglichen TV-Erlösen erhalten.

Dem OFC bieten sich also neue Möglichkeiten. Es gibt laut Wagner sogar schon eine „klare Zusage“ eines Interessenten. Das Konstrukt sei bereits ausgearbeitet, diesmal soll jedoch keine Beteiligung an den TV-Rechten (ab der 2. Liga) verkauft werden.

Der OFC darf laut seiner Satzung insgesamt bis zu 49,9 Prozent der Anteile an seiner Profi GmbH verkaufen. Seit einer Satzungsänderung ist dafür in jedem Fall die Zustimmung der Mitglieder erforderlich. Daher soll auch die Jahreshauptversammlung zeitnah abgehalten werden. Von der Idee, sie corona-bedingt unter freiem Himmel im Stadion stattfinden zu lassen, ist man daher wieder abgerückt. „Das wäre eventuell erst im August oder September möglich. So lange wollen wir nicht warten, zumal auch Neuwahlen anstehen“, sagte Wagner. Vizepräsident Jörg Briel arbeitet daher an einer virtuellen Variante.

Das Ausscheiden der Sparda-Bank als Gesellschafter bedauert der OFC-Boss („So eine Form der Unterstützung ist ungewöhnlich“), sieht die sich daraus bietende Chance aber positiv und betont mit Blick aufs Geldinstitut: „Sie waren und sind uns immer ein verlässlicher Partner.“ An solchen hapert es offenbar nicht. „Wir haben verschiedene Partner hinzugewonnen, die in der Lage sind, etwas zu geben und ihren Herzensverein zu unterstützen.“

Von Christian Düncher

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