„Der Horror, die waren wie Tiere“ 

OFC-Fans auf Rastplatz von Kassel-Hooligans attackiert

Offenbach -  Die letzte Fahrt der Saison 2016/17 war für die „OFC-Fans Gelnhausen“ schon fast zu Ende, als sie Opfer eines feigen Angriffs wurden. Dieser endete für die Anhänger der Offenbacher Kickers zum Glück recht glimpflich, könnte für die Angreifer aber ein juristisches Nachspiel haben. Von Christian Düncher 

Die Heckscheibe des Fan-Busses wurde zerstört.

Gerd Ost stand auch gestern noch unter dem Eindruck der Ereignisse, die sich am späten Samstagnachmittag auf dem Parkplatz der Autobahn-Raststätte Lorsch Ost abgespielt hatten. „Das war der Horror“, sagte der 55-Jährige. „Ich bin seit 20 Jahren OFC-Mitglied und seit 40 Jahren auch bei Auswärtsspielen dabei. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Das war der Hammer.“ In negativer Hinsicht. Die „OFC-Fans Gelnhausen“ waren gerade auf dem Heimweg vom letzten Saisonspiel beim VfB Stuttgart II, wollten eigentlich nur noch eine letzte „Pinkelpause“ einlegen, so Ost. „Wir haben zwischen einigen Lkw gehalten, aber in dem Moment nicht gesehen, wer in dem Bus neben uns war.“ Als die Kickers-Anhänger es erkannten, war es bereits zu spät. „Ich habe auf einmal Schreie gehört. Dann brach Chaos aus“, beschrieb der OFC-Fan aus Gründau-Lieblos die Situation. „25 bis 30 Hooligans“ seien aus dem benachbarten Bus gestürmt, so Ost. „Alles Glatzköpfe, teilweise mit Kassel-Shirts. Die hatten einen Blick drauf: Irre. Wie unter Drogen.“

Ein Mädchen und ein zehnjähriger Junge seien ebenso wie weitere Kickers-Fans mit Flaschen beworfen worden, andere habe man geschlagen. Die Reisegruppe flüchtete daraufhin zurück in den Bus. „Wir können froh sein, dass wir es geschafft haben, uns dorthin zu retten. Die hätten uns sonst tot gehauen, die waren wir die Tiere“, zeigte sich das langjährige OFC-Mitglied geschockt. In Sicherheit waren die Kickers-Anhänger aber auch im Bus nicht. Einige Angreifer hätten versucht, diesen zu stürmen, seien aber abgewehrt worden. Dabei klauten sie allerdings zwei Getränkekisten aus dem Fahrzeug.

Der Bus fuhr mit offenen Türen los, wurde dabei offenbar mit Flaschen beworfen. Folge: Die Heckscheibe ging zu Bruch. Erst einige hundert Meter weiter hielten die OFC-Fans an und riefen die Polizei, die auch umgehend kam und den noch immer parkenden Bus der Kasseler Hooligans umstellte. „Wir haben einige Personen kontrolliert und müssen nun die weiteren Ermittlungen abwarten“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen. Groß ist die Hoffnung der OFC-Fans jedoch nicht. Einige der Angreifer sollen beim Eintreffen der Ordnungshüter in den naheliegenden Wald geflüchtet sein.

OFC-Zeugnis gegen VfB Stuttgart II

Die „OFC-Fans Gelnhausen“ wurden von der Polizei zum nächsten Rastplatz gebracht, wo sie ihre Aussagen machten. Nachdem die Reste der zerstörten Heckscheibe entfernt und die Bustür einigermaßen repariert worden war, setzten die „OFC-Fans Gelnhause“ die Heimfahrt fort, eskortiert von der Polizei. Wie hoch der Sachschaden ist, war gestern noch nicht bekannt. Fest steht hingegen, dass es auf Seiten der Kickers-Anhänger drei leicht Verletzte gab.

Streitbare und zum Teil gewaltbereite Fans der Kickers und des KSV Hessen Kassel waren in der jüngeren Vergangenheit immer wieder aneinandergeraten. Zugespitzt hat sich die Situation, als Kickers-Fans auf einem Supermarkt-Parkplatz Kasseler Anhängern die Fahnen geraubt und diese beim Hinspiel dieser Saison präsentiert hatten. Die „OFC-Fans Gelnhausen“ hatten damit aber nichts zu tun. Im Bus saßen 49 Personen, darunter 14 Frauen und Mädchen, ein kleiner Junge und circa zehn ältere Leute, wie der Organisator der Fahrt mitteilte. Den Schlägern aus Kassel war das egal.

Politik pocht auf Härte gegen Hooligans

Rubriklistenbild: © dpa

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