Zu wenig im Titelrennen

Kickers 0:0 im Derby: OFC findet in Endres seinen Meister

Auch Florent Bojaj (Mitte) scheiterte in der ersten Hälfte mit einem Distanzschuss. Links: FSV-Verteidiger Leonard von Schroetter.
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Auch Florent Bojaj (Mitte) scheiterte in der ersten Hälfte mit einem Distanzschuss. Links: FSV-Verteidiger Leonard von Schroetter.

Die Offenbacher Kickers haben die Chance verpasst, sich auf Platz zwei der Fußball-Regionalliga Südwest emporzuangeln. Beim 0:0 im Hessenderby gegen den FSV Frankfurt hielten zwei Serien: Beide Teams blieben zum wiederholten Male in dieser Saison den Nachweis schuldig, gegen Spitzenteams gewinnen zu können.

Offenbach - Gestern Abend waren die Kickers, die als Vierter sechs Punkte Rückstand auf Spitzenreiter SC Freiburg II haben, in einem phasenweise hitzigen Spiel der Führung deutlich näher. Sie zeigten aber erneut ihre Schwäche, aus dem Spiel heraus Tore zu erzielen.

„Wir haben ein kampfbetontes, aber sicherlich kein hochklassiges Spiel gesehen“, sagte FSV-Coach Thomas Brendel: „Wir müssen mit dem Unentschieden zufrieden sein.“

Beide Teams waren mit großen Handicaps in die Partie gegangen. Der FSV ist nach der Corona-Zwangspause im Dauereinsatz, was sich gegen Ende doch deutlich im Substanzverlust bemerkbar machte. Aber auch dem OFC war anzumerken, dass sieben Ausfälle auch für diesen gut besetzten Kader nicht einfach zu kompensieren sind. Vor allem das Fehlen von Linksverteidiger Ronny Marcos und Charles Elie Laprevotte macht sich in punkto Präzision im Spielaufbau nachteilig bemerkbar. „Das ist ein Riesenverlust für uns“, hatte OFC-Trainer Sreto Ristic nach der schweren Verletzung von Laprevotte (Schultereckgelenksprengung) eingeräumt.

Gestern zeigte sich erstmals, wie schwerwiegend der Ausfall des spielstarken „Sechsers“ sein wird in den verbleibenden 13 Spielen. Nicht dass Lucas Albrecht, der wie schon in Alzenau Laprevottes Position einnahm, schlecht gespielt hätte. Doch die Geschmeidigkeit, mit der der Franzose den Spielaufbau organisierte, hat Albrecht einfach nicht.

OFC-Trainer Ristic hadert mit der Chancenverwertung

Zu Beginn der Partie fanden die auf drei Positionen neu formierten Kickers – für Garic spielte Tuma links hinten, Sobotta rückte davor, Bojaj ersetzte Huseinbasic – gar nicht ins Spiel. Der FSV, zuletzt zweimal in Folge unterlegen, spielte frisch und munter auf, holte in der Anfangsviertelstunde 4:0 Ecken raus. Richtig zwingend wurde es nur einmal, als Malte Karbstein einen Kopfball genau auf Arif Güclü spielte, der den Ball volley nahm. Die Kickers blockten aber die Kugel (14.).

Trotz großer Chancen schaffte es der OFC um Elia Soriano (links) nicht, den Ball am starken FSV-Torwart Daniel Endres vorbei zu bringen.

Nicht nur Karbstein hatte die eine oder andere ungewohnte Unsicherheit im Spiel. Auch die neuformierte linke Seite des OFC musste sich erst finden. Als sich Tuma und Sobotta besser organisiert hatten, wurde es auch auf der anderen Seite erstmals gefährlich. „Aber letztlich haben wir unsere Chancen nicht genutzt, insofern können wir mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein“, sagte Ristic. Elia Soriano (20.) hatte mit einem Schuss aus 16 Metern die erste gefährliche Chance, eine Minute später senkte sich Sobottas Flanke gefährlich Richtung Winkel. Wieder eine Minute später köpfte Soriano Tumas Flanke freistehend links am Tor vorbei. Eine Hundertprozentige, die das Offenbacher Problem 2021 unterstrich: Treffer aus dem Spiel heraus wollen den Kickers nur selten gelingen. Auch Florent Bojaj (37.) fand mit einem Schuss aus zehn Metern seinen Meister im Ex-Offenbacher Daniel Endres. Karbsteins Volleyschuss neben das Tor beendete eine muntere erste Hälfte.

In Halbzeit zwei änderte sich wenig am Spielfilm: Der FSV spielte ordentlich mit, hatte am Ende 9:6 Ecken herausgeholt, brachte in der 48. Minute Flauder mit einer scharfen Flanke ins Zittern. Zwingender aber waren die Offenbacher. Doch Elia Soriano scheiterte zweimal per Kopf am stark reagierenden Endres (53./70.). Als der Ball nach Firats Schuss im Tor lag (66.), hatte Schiedsrichter Jan Dennemärker (Saarlouis) ein Foul von Florent Bojaj gesehen. Und weil die Kickers dieses Mal auch bei Standards nicht trafen, blieb es beim 0:0, mit dem der FSV zwar gestern Abend besser leben konnte. Im Titelrennen hilft das Remis aber keinem der hessischen Rivalen.

Von Jörg Moll

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