„Die bekommen dort mehr raus“

Fiori sieht saarländische Klubs im Vorteil und kalkuliert defensiv

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Christopher Fiori

Offenbach - Der oft zitierte Satz hat freilich auch in der Fußball-Regionalliga Südwest Gültigkeit: Geld schießt keine Tore. Aber es hilft dabei, treffsichere Stürmer zu verpflichten. Die Offenbacher Kickers haben das leidvoll erfahren.

Sie hatten bekanntlich großes Interesse an Marcel Carl. Doch der 25-Jährige, der letzte Saison in 34 Spielen für Astoria Walldorf 15-mal traf, wechselte zu Offenbachs Liga- und Aufstiegsrivalen 1. FC Saarbrücken, der gegenüber dem OFC zwei entscheidende Vorteile hat. Einer ist die Nähe zu Frankreich. Wer in Deutschland sein Gehalt bezieht, allerdings – wie viele Spieler saarländischer Vereine – im Nachbarland wohnt, hat mehr Netto vom Brutto. Christopher Fiori sieht darin einen Wettbewerbsnachteil für den OFC und einen Grund für Carls Wechsel nach Saarbrücken. „Selbst wenn wir das Gleiche bieten, bekommt der Spieler dort mehr raus“, sagt der Geschäftsführer des OFC.

Dass die Kickers ähnliche Gehälter offerieren, darf aber bezweifelt werden, was am zweiten Vorteil des 1.FC Saarbrücken liegt: Präsident Hartmut Ostermann. Die Unternehmensgruppe, deren Aufsichtsrat er vorsitzt, ist mit ihren „Victor’s Residenz Hotels“ der Hauptsponsor des Klubs, dessen Gesamtetat eigenen Angaben zufolge 2017 bei über 5,5 Millionen Euro lag und laut Ostermann weiterhin hoch sein wird.

Zum Vergleich: Der Gesamtetat des OFC lag vergangene Saison bei 3,2 Millionen Euro, inklusive der Einnahmen aus dem Retterspiel gegen Bayern München (500 000 Euro). Als Budget fürs Team waren zunächst 1,2 Millionen Euro veranschlagt worden. Da wegen der guten Punkteausbeute höhere Prämien gezahlt wurden, stand er am Ende bei 1,3 Millionen Euro. 2018/19 sind hier 1,4 Millionen Euro eingeplant. Die Steigerung entspricht der Summe, die der OFC durch den neuen Sponsoringvertrag mit der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) einnimmt.

Bilder: OFC-Party auf dem Wilhelmsplatz

Aus der erhofften Etaterhöhung um bis zu 50 Prozent, die laut OFC-Präsident Helmut Spahn nur „ein ausgesprochener Wunsch“ war, ist also nichts geworden. „Wir sind nach wie vor noch in der Konsolidierungsphase“, sagt Geschäftsführer Christopher Fiori. „In der Regionalliga ist es ohne Sondereinnahmen wie zum Beispiel durch den DFB-Pokal schwierig, signifikante Erhöhungen zu erreichen, auch wenn wir in ganz vielen Bereichen sehr gute Verbesserungen erwirkt haben. Man darf nicht vergessen, dass wir vor zwei Jahren noch 1,2 Millionen Euro Jahresverlust hatten.“

Bei den Zuschauern (vergangene Saison waren es durchschnittlich 6200) kalkulieren die Kickers eher defensiv mit 5500. Bis Mitte der Woche waren schon 2400 Saisontickets verkauft. Ziel ist es, die Marke aus der Vorsaison zu erreichen: Damals waren es rund 3200, aber inklusive VIP- und Rückrundendauerkarten. (cd)

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