OFC-GmbH mit 2,5 Millionen Stammkapital

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Die Ausgliederung der Profifußballer war von den Kickers-Mitgliedern schon bewilligt worden. Am Freitag sollen sie den Grundlagenvertrag mit der GmbH genehmigen.

Offenbach ‐ Am Freitag beginnt eine neue Epoche in der 109-jährigen Vereinsgeschichte der Offenbacher Kickers. Auf einer Mitgliederversammlung (19 Uhr, Mühlheim, Willy-Brandt-Halle) soll die Profiabteilung des Vereins in eine Kapitalgesellschaft, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), ausgegliedert werden. Von Jochen Koch

Dafür ist am Freitag eine Dreiviertel-Mehrheit der Mitglieder nötig. Auf der Jahreshauptversammlung im November 2009 hatten die Mitglieder die Ausgliederung der Profifußballer vom Verein mit der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit bewilligt. Eine Arbeitsgruppe sollte den notwendigen Grundlagenvertrag zwischen Verein und GmbH ausarbeiten. Die GmbH-Gründung hat für die Kickers existenzielle Bedeutung. Denn die Stadt Offenbach hat die Finanzierung des 25 Millionen Euro teuren Stadion-Neubaus an die Umwandlung der Profi-Abteilung gekoppelt.

Acht Männer haben in sechs mehrstündigen Sitzungen den Vertrag mit zwölf Paragraphen festgezurrt. Der Zeitrahmen war sehr eng gesteckt, denn bis zum 30. April 2010 muss die GmbH im Handelsregister eingetragen sein. Das ist eine Bedingung auch vom Namensgeber des neuen Stadions, der Sparda-Bank Hessen.

Verein wird im Besitz der GmbH-Mehrheit bleiben

Der Verein musste parallel die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die GmbH-Gründung erfüllen. So fordert der DFB eine Million Euro Stammkapital. Für die 2. Liga sind schon 2,5 Millionen Euro fällig. Die Kickers haben es geschafft, gleich im ersten Anlauf, ein Stammkapital von 2,5 Millionen Euro in die GmbH einzubringen. Nicht mit Bargeld. Was auch nicht nötig ist. Die Kickers haben durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer anlässlich der Ausgliederung ein Gutachten und eine Zwischenbilanz zum 31. Dezember 2009 erstellen lassen.

Darin werden Spielerwerte, Marketingrechte, der Markenwert Kickers Offenbach sowie der Lizenzwert aufgerechnet. Nicht mit eingeflossen sind Sachwerte im Stadion, wie Kabinen oder Rasenheizung, dafür aber rund 150 000 Euro, die durch den Verkauf von Eintrittskarten für das Eröffnungsspiel im neuen Stadion eingenommen wurden. Im Gutachten hat der Wirtschaftsprüfer für die GmbH dann einen Wert von mehr als 2,5 Millionen Euro testiert. Dieses Stammkapital, praktisch eine Haftungssumme, wurde auch von DFB und DFL genehmigt.

Die Arbeitsgruppe hat alle Vorgaben aus der Mitgliederversammlung in den Vertrag zwischen GmbH und Verein einfließen lassen. So wird der Verein immer im Besitz der Mehrheit der GmbH bleiben. Derzeit schreiben DFB und DFL vor, dass der Verein 50 Prozent plus eine Stimme der GmbH besitzen muss. Bundesligist Hannover 96 hat beim Europäischen Gerichtshof dagegen geklagt, will, dass Investoren die Mehrheit an einem Klub kaufen dürfen. Für den Fall, dass dieser 50+1-Paragraph von einem Gericht gekippt wird, hat man beim OFC vorgesorgt. Im Grundlagenvertrag und durch Satzungsänderung beim Verein wird festgeschrieben, dass nur die Vereinsmitglieder die 50+1-Regel aufheben dürfen.

GmbH bekommt einen Aufsichtsrat

Grundsätzlich können in Zukunft Anteile der Kickers Offenbach GmbH verkauft werden. Allerdings mit Einschränkungen. Es müssen mindestens zehn Prozent sein und kein Gesellschafter darf mehr als 24,5 Prozent halten. Eine mögliche Streuung an Kleinanleger oder eine Genossenschaft, zum Beispiel die Mitglieder, hielt man für zu kompliziert. Allerdings gebe es derzeit, so Finanzmanager Jörg Hambückers, „kein Interesse“ OFC-Anteile zu verkaufen.

Im Grundlagenvertrag ist auch festgeschrieben, dass die GmbH einen Aufsichtsrat (mindestens sieben, maximal neun Mitglieder) erhalten wird. Vorstand und Verwaltungsrat des Vereins werden jeweils zwei Vertreter benennen. Mit dem Fanbeauftragten des OFC ist sichergestellt, dass der Verein immer die Mehrheit im Aufsichtsrat besitzt. Jeweils ein Mitglied stellen Hauptsponsor, städtische Stadionbetreibergesellschaft, Sponsoren oder zukünftige Gesellschafter.

Die GmbH wird mit den Einnahmen aus dem Profibereich auch in Zukunft die übrigen Abteilungen des eingetragenen Vereins (Jugend. Amateure, Boxer, Handballer und Cheerleader) unterstützen. Vorgesehen ist ein prozentualer Anteil an den Einnahmen, in der Größenordnung der vergangenen Jahre. Die Mitgliedsbeiträge bleiben beim Verein.

Nach der Eintragung der GmbH in das Handelsregister muss ein hauptamtlicher Geschäftsführer für die GmbH eingestellt werden. Vorgeschlagen wird der neue Geschäftsführer vom Präsidium des Vereins, bestellt wird er vom Aufsichtsrat. Bisher wurde diese wichtige Personalentscheidung noch nicht thematisiert, was aber bald der Fall sein wird.

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