Kickers Offenbach

OFC: Hobbykoch Deniz schwingt sich zum Topscorer auf

Ab durch die Mitte: Im Spiel bei Mainz 05 II (1:1) bereitete Tunay Deniz den Ausgleich des OFC per Eckball vor. Er war in letzten drei Spielen an sechs von zehn Treffern beteiligt. Insgesamt sammelte er schon 14 Scorerpunkte.
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Ab durch die Mitte: Im Spiel bei Mainz 05 II (1:1) bereitete Tunay Deniz den Ausgleich des OFC per Eckball vor. Er war in letzten drei Spielen an sechs von zehn Treffern beteiligt. Insgesamt sammelte er schon 14 Scorerpunkte.

In seiner Freizeit zaubert Hobbykoch Tunay Deniz fast täglich in den Sozialen Netzwerken Köstlichkeiten auf die Teller. In seinen Videoclips bereitet er scheinbar mühelos leckerste Gerichte zu. In seinem Hauptberuf Fußball bereitet Deniz immer öfter perfekt vor - für seine Mitspieler beim Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach.

Offenbach - Mittelfeldspieler Tunay Deniz war in den letzten drei Spielen an sechs von zehn Treffern des Tabellenfünften Kickers Offenbach beteiligt. Mit 14 Scorerpunkten (6 Tore, 8 Vorlagen) ist der Rechtsfuß mittlerweile klar bester Offenbacher in dieser Saison. Mit zwei Freistoßtoren (beim 6:1 in Bahlingen und beim 3:1 gegen Großaspach) setzte der passionierte Kuchenbäcker zuletzt zweimal besondere Kirschen auf die Sahne.

„Es läuft sehr gut“, sagt Deniz bescheiden: „Bei mir, vor allem aber, was viel wichtiger ist, bei der ganzen Mannschaft.“ Die Rezepte für den Aufschwung vermag er auch zu benennen. „Wir verstehen mittlerweile, was der Trainer von uns will“, sagt der 27-Jährige. Sreto Ristic, seit Anfang Januar als Nachfolger von Angelo Barletta im Amt, versuche, „jeden Spieler über seine Stärken ins Spiel zu bringen“. Auch deshalb ist Deniz überzeugt, „dass der Impuls, einen neuen Trainer zu bekommen, richtig war“.

Ristic sei ein ehrlicher Typ, der auch die Fehler klar anspreche: „Und wir versuchen, sie abzustellen.“ Weil das immer besser gelingt und die Ergebnisse (zwölf Punkte aus sechs ungeschlagenen Spielen) stimmen, wächst auch das Selbstvertrauen immer mehr. „Doch der Lauf ist mit Vorsicht zu genießen“, warnt Deniz: „Denn wir haben gegen Großaspach gesehen, dass es nur mit 100 Prozent geht.“ Beim 3:1 gegen den Drittliga-Absteiger hätten einige Spieler anfangs nur 70 Prozent Leistung abrufen können - und schon sei der OFC in Rückstand geraten.

Dass die Kickers stark zurückkamen, lag einmal mehr an Deniz’ außergewöhnlichen Fähigkeiten bei Standards. Beim 1:1 hatte er die Kugel mit rechts in den linken Winkel geschlenzt und dafür höchstes Lob vom zweiten Offenbacher Standardschützen eingeheimst. „Tunays Gefühl im rechten Fuß ist herausragend“, lobt Serkan Firat.

Noch auffälliger ist, wie gewinnbringend Deniz bei Freistößen und Eckbällen seine Mitspieler findet. Beim 1:1 in Mainz bereitete er den Ausgleich von Sebastian Zieleniecki per Eckball vor. In Bahlingen fielen zwei Treffer nach einer Ecke und einem Freistoß von ihm. Gegen Großaspach zeigte Deniz seine Vorbereiterqualitäten auch aus dem laufenden Spiel. Das 2:1 von Davud Tuma legte er mit großer Übersicht vor.

„Die Spielfreude ist zurück, das ist ein ganz wichtiger Punkt“, sagt Deniz: „Und bei den Standards ist bei uns der Knoten geplatzt, das hat der Trainer sehr gut ins Training eingebaut.“ Die Konsequenz: „Jeder weiß, welchen Raum er bei Standards besetzen muss und läuft mit Wucht rein.“ Weitere Zutaten für das aktuelle Erfolgsrezept seien Aggressivität, Leidenschaft und die gute Defensive, so Deniz. Und dann hat er noch ein ganz wichtiges Element ausgemacht: Charles Elie Laprevotte. „Er tut uns sehr gut“, lobt Deniz den Franzosen, der im Winter verpflichtet wurde: „Er ist die klare Nummer sechs, erobert viele Bälle und ist auch für mein Spiel ideal.“ Er selbst sei so in der Mittelfeldzentrale entlastet. „Die Harmonie mit ihm war vom ersten Tag an da. Mit ihm kann ich mich nach vorne freier bewegen.“

Was fehlt also den Kickers noch zum meisterlichen Menü? „Die Rezepte haben wir, wir Spieler müssen es nur richtig anwenden, dann schauen wir mal, was noch geht“, sagt Deniz. Erst mal soll der Lauf gegen den FK Pirmasens fortgesetzt werden. Ans Hinspiel hat der Offenbacher Topscorer beste Erinnerungen. Mit einem 50-Meter-Schuss ans Aluminium bereitete er das erste Tor vor, das zweite zum 2:0-Endstand erzielte er selbst. „Ein schönes und besonderes Spiel für mich, es war das erste Tor für den OFC und die erste Vorbereitung“, sagt Deniz. Am Samstag (14 Uhr) geht es wieder gegen die Pfälzer. Offenbachs Topscorer freut sich darauf, genauso wie auf seine Koch- und Backexperimente in der Freizeit, bei denen er „super abschalten kann“.

Erst vorbereiten, dann zubereiten. Ein vielversprechendes Rezept? „Schauen wir mal“, sagt Deniz: „Wir wollen in den letzten vier, fünf Spielen so gut dastehen, dass wir ganz oben mitmischen können.“

Von Jörg Moll

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