Kickers Offenbach

OFC hofft für Januar auf Novemberhilfe

Jubel im corona-bedingt leeren Stadion ist teuer: Die Kickers wünschen sich bislang vergeblich eine echte finanzielle Entlastung durch öffentliche Mittel.
+
Jubel im corona-bedingt leeren Stadion ist teuer: Die Kickers wünschen sich bislang vergeblich eine echte finanzielle Entlastung durch öffentliche Mittel.

In der Corona-Krise kämpft Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach an mehreren Fronten. Es geht unter anderem ums Geld. Von Bund und Land erhielt die Profi GmbH des OFC bisher nicht die erhoffte Hilfe in Form einer echten finanziellen Entlastung.

Offenbach – „Novemberhilfe“ - das klingt nach schneller sowie unbürokratischer Unterstützung. Für die Verantwortlichen des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach stellt sich das etwas anders dar. „Wir sind dabei, die ‘Novemberhilfe’ zu beantragen“, sagte Thomas Sobotzik, der Geschäftsführer des OFC, betonte aber zugleich: „Das ist höchst kompliziert. Der Antrag darf nur durch einen Steuerberater oder Rechtsanwalt gestellt werden. Ob wir aus diesem Topf tatsächlich etwas erhalten, steht noch nicht final fest.“

Es wäre nicht das erste Mal, dass die viertklassigen Kickers leer ausgehen würden. So hat der OFC vom Land Hessen zwar den Profi-Status bescheinigt bekommen, partizipiert jedoch nicht am vom Bund aufgelegten Hilfspaket „Coronahilfe Profisport“, da man dafür in einer 1., 2. oder 3. Liga spielen muss. Kickers-Präsident Joachim Wagner hat das Anfang November im Interview mit unserer Zeitung „schizophren“ genannt und angeprangert, dass die Profi GmbH des OFC von öffentlicher Hand „diese Saison noch keinen Cent an Zuwendungen erhalten“ habe. Er sehe daher „die Landesregierung in der Pflicht, nicht nur für den OFC etwas zu machen, sondern paritätisch danach, was jedem Club durch Geisterspiele an Zuschauereinnahmen entgeht“.

In Wiesbaden sieht man es naturgemäß anders. Das Hessische Ministerium des Innern und für Sport teilte auf Anfrage mit, dass die Landesregierung bereits im Frühjahr „eine Vielzahl von Hilfs- und Unterstützungsprogrammen auferlegt“ habe. Hierzu zählen auch Unterstützungsangebote für Proficlubs, „die durch den Ausfall von Zuschauer- oder Sponsoreneinnahmen in ihrer Existenz bedroht waren oder sind“.

Die Kickers wünschen sich allerdings eine Zuwendung im Sinne einer echten finanziellen Entlastung. Zumal eine Hilfe, die später zurückgezahlt werden muss, die Probleme nicht behebt, sondern nur verschiebt. Dennoch hat der OFC eines der vom Land Hessen aufgelegten Programme in Anspruch genommen: ein Nachrang-Darlehen, das über die hessische WI-Bank abgewickelt wird. Proficlubs in den obersten Ligen der Spielsportarten können demnach bis zu 20 Prozent des belegten Jahresumsatzes zum 31. Dezember 2019 beantragen. Die Höchstsumme beträgt 500 000 Euro. Das Darlehen läuft über zehn Jahre und ist in den ersten drei Jahren tilgungsfrei, was das Ganze attraktiv macht.

„Das Darlehen betraf die vergangene Saison. Wir haben es in Anspruch genommen und in Höhe von 490 000 gewährt bekommen“, berichtet Sobotzik. Und diese Saison? „Unsere aktuelle Information ist, dass wohl im ersten Quartal 2021 eine Liquiditätshilfe kommen soll.“ Das deckt sich mit den Aussagen aus Wiesbaden. Dort heißt es: Es sei vorgesehen, für das zum Jahresende auslaufende Darlehensprogramm für Proficlubs- und Kapitalgesellschaften ein Folgeprogramm aufzuerlegen. Zu den Details machte das Hessische Ministerium des Innern und für Sport keine Angaben. „Uns ist bisher nicht bekannt, ob es sich am Modell aus Nordrhein-Westfalen orientiert“, sagte der Geschäftsführer der Kickers, der keinen Hehl daraus macht, dass ihm dieses Modell am liebsten wäre.

NRW unterstützt Klubs aus der Regionalliga West mit einem Hilfspaket in Höhe von 15 Millionen Euro. Als „überfällige und richtige Entscheidung“ hatte das Sobotzik Ende Oktober bezeichnet und gefordert: „Hessen muss unbedingt nachziehen“ - auch um „Chancengleichheit“ zu gewährleisten. Bislang blieb das ein frommer Wunsch.

Immerhin: Zusätzlich zum Angebot des Landes Hessen, das Nachrang-Darlehen in Anspruch zu nehmen, ging der OFC auch auf die Offerte der Stadt Offenbach ein, die Stadionmiete zu stunden. Die Kickers zahlen pro Jahr etwa 250 000 Euro. Die Stundung bezieht sich auf drei Monatsmieten. Es geht also demnach um rund 60 000 Euro. Steigt der OFC nicht in den nächsten drei Jahren auf, wird die Summe in eine Hilfszahlung verwandelt. Steigt er auf oder bekommt andere beziehungsweise weitere Unterstützungs- oder Fördergelder der öffentlichen Hand, ist die Stundung zurückzuzahlen.

Insgesamt hat der OFC also für die vergangene und die aktuelle Saison rund 550 000 Euro erhalten, von denen allerdings 490 000 definitiv zurückgezahlt werden müssen. Eine echte Hilfe? Wagner will „zu solchen Themen grundsätzlich keine Aussage tätigen“. Zumindest nicht mehr. Was sich der Kickers-Boss wünscht, hatte er ja schon formuliert. (Von Christian Düncher)

Öffentliche Mittel helfen OFC e.V.

Die Corona-Krise trifft auch den eingetragenen Verein (e.V.) Kickers Offenbach, in dem das Nachwuchsleistungszentrum, die Frauenfußball- sowie die Handballabteilung, die Cheerleader und die Boxer integriert sind. Anders als bei den Regionalliga-Profis, die in der GmbH ausgegliedert sind, hat der e.V. mehrfach Mittel aus öffentlicher Hand erhalten, um die Folgen der Pandemie zu meistern. Gleich nach dem Corona-Ausbruch im März schickte das Präsidium um Joachim Wagner die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Seit Juni wird wieder im normalen Umfang gearbeitet, allerdings wird bei einer Ausweitung des Lockdowns über eine erneute Kurzarbeitsphase nachgedacht. Soforthilfeprogramme des Landes sowie eine Unterstützung der Stadt Offenbach brachten insgesamt eine „hohe fünfstellige Summe“, so Schatzmeister Thomas Zahn, der aber weiter um jede Unterstützung wirbt, nicht zuletzt, weil die Werbeeinnahmen des e.V. stark zurückgingen. (jm)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare