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„OFC bleibt im Herzen“: Fan Hillmann kehrt als Gegner an den Bieberer Berg zurück

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Von: Jörg Moll

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„Früher habe ich im Fanblock gestanden“: Bis 2013 spielte Kevin Hillmann (rechts) beim OFC. Mit der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz überrascht er in der Regionalliga. F: imago
„Früher habe ich im Fanblock gestanden“: Bis 2013 spielte Kevin Hillmann (rechts) beim OFC. Mit der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz überrascht er in der Regionalliga. © -

Früher stand Kevin Hillmann im Fanblock von Kickers Offenbach, am Freitag steht er mit Fulda im Team des Gegners auf dem Platz.

Offenbach – Das Duell in der Fußball-Regionalliga Südwest zwischen Kickers Offenbach und der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz am Freitag (30. September, 19 Uhr) ist für viele Beteiligte ein ganz besonderes Duell - und für den OFC nach dem knappen Sieg in Kassel, das zweite Hessenduell in Folge. Besonders etwa für Alfred Kaminski, den Interimscoach der Kickers, der 2018 drei Monate lang den damals frisch fusionierten Hessenligisten trainiert hatte. Oder aber für die früheren OFC-Profis Luka Garic und Moritz Reinhard.

Oder Marius Löbig und Dominik Wüst, die beide einst in der zweiten Mannschaft aufliefen. Ganz speziell ist die Partie aber für Kevin Hillmann. Der gebürtige Hanauer spielte von der D-Jugend an acht Jahre für den OFC – und macht aus seiner großen Sympathie für den Traditionsklub vom Bieberer Berg gar kein Geheimnis. „Die ganze Familie ist Kickers-Fan. Früher habe ich auch selbst oft im Fanblock gestanden. Heute ist das natürlich nicht mehr so, aber der OFC bleibt natürlich in meinem Herzen“, räumt der 29-Jährige ein: „Und insofern weiß ich natürlich, was auf uns am Freitag zukommt: Ein Flutlichtspiel in Offenbach, das ist das, worauf wir uns alle besonders gefreut haben.“

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Aus dem Fan von einst ist mittlerweile also ein interessierter Sympathisant geworden – und seit dieser Saison ein Spieler, der bei einem erstaunlich erfolgreichen Liganeuling für Aufsehen sorgt. Die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz, jener Fusionsklub, der 2018 aus Borussia Fulda und dem TSV Lehnerz entstand, steht mit 17 Punkten aus neun Spielen auf Rang vier, drei Zähler vor dem OFC (9. Platz/14). Fünf Siege, zwei Remis und lediglich zwei Niederlagen stehen zu Buche. Eine Bilanz, die Hillmann selbst ungläubig zur Kenntnis nimmt. „Dass wir beim FC Homburg (3:1) und in Kassel (3:0) gewinnen, ist auf den ersten Blick natürlich surreal. Aber wir haben uns das mit einer entsprechenden Leistung auch verdient“, erklärt er.

Als Grundstein für den starken Start sieht er die Vorbereitung an: „Da haben wir sehr hart gearbeitet, weil wir wussten, dass wir uns auf ein anderes Niveau bringen mussten.“ Und davon zehren die Fuldaer Feierabendfußballer nun in großem Maße. Vor allem mit ihrer enormen Laufstärke haben sie die Liga überrascht – und auch den begeisterten Anhang, der in Scharen in die Fuldaer Johanisau strömt: 2078 Zuschauer kommen im Schnitt zu den Heimspielen. Das bedeutet Rang drei in der Zuschauertabelle – hinter Krösus OFC (5899 im Schnitt) und Mitaufsteiger Eintracht Trier (2605).

Im Heimspiel gegen eben jene Trierer liefen die Fuldaer 117 Kilometer, ein Wert, der in der Bundesliga kaum getoppt wird. „Wir müssen immer 110 Prozent geben, sonst reicht es nicht“, erläutert der in Bruchköbel-Niederissigheim lebende Hillmann. Und das mit einer Mannschaft, in der alle einem Job nachgehen oder studieren.

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Hillmann arbeitet etwa Vollzeit 40 Stunden die Woche bei einem Teamsportausstatter. Trainiert wird in aller Regel viermal die Woche – abends. Bislang fuhr der bis dato in allen neun Regionalligapartien gesetzte dynamische Linksverteidiger dafür stets von seinem Wohnort Niederissigheim, wo er auch seine ersten fußballerischen Erfahrungen bei der JSG Issigheim sammelte, nach Fulda. Ab 1. Oktober wird er dorthin umziehen. „Ich wollte mal was anderes sehen“, erklärt er.

Das entschied er für sich auch 2013. Der Linksverteidiger verließ damals nach zwei Jahren Hessenliga mit der zweite Mannschaft seinen Herzensverein Kickers Offenbach und kann mittlerweile auf zehn Jahre Erfahrung im hessischen Fußball-Oberhaus mit weiteren Stationen beim 1. FC Eschborn, den Sportfreunden Seligenstadt und seit 2018 Fulda zurückblicken. Wie man gegen den OFC gewinnt, hat er einst mit den Sportfreunden erlebt. „Der Sieg im Hessenpokal war natürlich ein Highlight“, erinnert er sich. Mit 6:5 nach Elfmeterschießen hatten die „Roten“ den großen Favoriten aus dem Wettbewerb geworfen, in dem 2017 erst im Halbfinale gegen RW Hadamar (2:4 n.E.) Endstation war.

Am Freitag sieht Hillmann die Rollen aber klar verteilt. „Wir sind der Underdog“, betont er: „Aber wir alle freuen uns sehr auf das Spiel, wir wollen uns am Bieberer Berg zeigen.“ Das gilt für Hillmann im Besonderen. Schließlich wird auch die Familie vor Ort sein – und dann zwei Herzen in der Brust haben. (Jörg Moll)

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