Kickers Offenbach siegt dank Wucht und Überzeugung

OFC in Bahlingen: Tore „wie aus der Ketchupflasche“

Frühe Führung für den OFC: Malte Karbstein überspringt nach einer Ecke von Tunay Deniz zwei Bahlinger und trifft zum 1:0. „Der Ball kam so hoch, dass nur ich ihn erreichen konnte“, sagte der 1,90 Meter große Innenverteidiger.
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Frühe Führung für den OFC: Malte Karbstein überspringt nach einer Ecke von Tunay Deniz zwei Bahlinger und trifft zum 1:0. „Der Ball kam so hoch, dass nur ich ihn erreichen konnte“, sagte der 1,90 Meter große Innenverteidiger.

Kickers Offenbach bleibt in der Fußball-Regionalliga Südwest unter Sreto Ristic ungeschlagen. Im fünften Spiel nach dem Trainerwechsel gelang dem OFC der zweite Sieg. Und was für einer. Das 6:1 beim Bahlinger SC war vor allem den starken Standards zu verdanken.

Bahlingen – Was soll man erwarten, wenn das Team mit der besten Defensive der Liga bei einer Mannschaft antritt, die seit 410 Minuten kein Gegentor kassiert hat, und das Hinspiel 0:0 endete? Ein Torfestival sicher nicht. Aber genau das gab es beim Rückrunden-Auftakt der Fußball-Regionalliga Südwest im Duell zwischen dem Bahlinger SC und Kickers Offenbach.

Der OFC, der in den drei Spielen zuvor nur ein Tor erzielt hatte, siegte 6:1 (5:0), blieb damit auch in der fünften Partie unter Trainer Sreto Ristic ungeschlagen und sendete ein klares Zeichen: Mit den Kickers ist im Kampf um die vorderen Plätze noch zu rechnen.

„Wir hatten zuletzt viel Abschlusspech. Diesmal kamen die Tore aber wie aus einer Ketchupflasche raus“, freute sich Geschäftsführer Thomas Sobotzik über den höchsten Saisonsieg. Klarer hatte der OFC in der Regionalliga nur im September 2018 gewonnen - zu Hause gegen den FSV Frankfurt (7:0). Damals stand es zur Pause aber „nur“ 4:0. In Bahlingen hatten die Kickers dieses Ergebnis bereits nach 34 Minuten erreicht und legten vor der Halbzeit noch einen Treffer nach. Es war der zweite Dreier im neuen Jahr nach dem 4:1 in Stadtallendorf - ebenfalls auf Kunstrasen. In Fankreisen macht daher der nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag die Runde, künftig nur noch auf unnatürlichem Grün zu spielen.

Sobotzik sieht hier jedoch keinen Zusammenhang: „Das hatte mit dem Untergrund nicht viel zu tun.“ Der OFC ließ den Ball zwar gut laufen. Die Gründe für den klaren Erfolg waren aber andere. „Wie wir Bahlingen gezwungen haben, Fouls zu machen und die Standards zu verteidigen, war herausragend. Das war genau das, was wir gebraucht haben gegen ein Team, das auf so einem Platz ansonsten wenig zugelassen hat“, lobte Ristic. Axel Siefert vom Trainerteam des BSC sah es ähnlich: Entscheidend sei „die Gier des OFC“ gewesen, der wie im „Rausch“ gespielt und seine Mannschaft „überrollt“ habe. „Das hatte nicht nur mit uns zu tun, sondern mit der Wucht des Gegners.“ Neben den „dynamischen Läufen“ über außen, die oft zu Freistößen führten, imponierten Siefert die mit „viel Wucht und Überzeugung“ reingespielten Standards.

Eine dieser Standardsituationen führte schon nach vier Minuten zum Erfolg. Ecke Tunay Deniz, Kopfball Malte Karbstein - 1:0. Das 3:0 (30.) und 4:0 (34.) fielen nach einem Freistoß: Erst verwandelte Deniz direkt, dann führte er schnell aus und bediente Florent Bojaj, der kurz nach der Pause zudem noch einmal nach Flanke vom Maik Vetter zum 6:0 traf (48.). Das 2:0 (24.) und 5:0 (43.) erzielte Torjäger Mathias Fetsch nach Zuspiel von Serkan Firat und Flanke von Ronny Marcos.

Standards seien seit Jahresbeginn „ein großes Thema“ gewesen, weil man trotz „guter Schützen und Verwerter“ Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Teams sah, so Sobotzik. „Es gibt kaum Tore, die mit weniger Aufwand erzielt werden können.“ Also habe er seit seinem Amtsantritt viel im Standardbereich gearbeitet, berichtete Ristic. Das zahlt sich nun aus. „Die Jungs fangen an, an sich zu glauben. Man sieht, dass sie in der Lage sind, Tore aus verschiedenen Mannschaftsteilen und Situationen heraus zu erzielen.“ So fielen sechs der elf Treffer, die der OFC 2021 erzielt hat, durch oder nach ruhenden Bällen. Doch das soll nur der Anfang gewesen sein. „Ich hoffe, dass das den Jungs Selbstvertrauen gibt und sie noch öfter daraus Kaptal schlagen, damit die Standards eine Waffe werden“, sagte Sobotzik.

Der Geschäftsführer betonte jedoch zugleich, dass man das Ergebnis „gut einordnen“ könne. Ebenso wie Ristic vertrat er die Meinung, dass das Resultat um zwei Tore zu hoch ausgefallen sei. Bahlingen habe vor allem nach dem Seitenwechsel (Ristic: „Da mussten wir mehr laufen“) gezeigt, dass es jedem Team Probleme bereiten kann. „Ich wünsche ihnen viel Glück. Vielleiht ärgern sie noch den einen oder anderen Gegner, den sie für uns aus dem Weg räumen“, scherzte der OFC-Trainer bei der Pressekonferenz.

Die nächste Chance, einen Schritt nach oben zu machen, bietet sich den Kickers bereits am Mittwoch (17 Uhr) in der Nachholpartie beim FC Homburg. Mit Blick auf dieses Spiel hatte Ristic bereits ab der 57. Minute gewechselt. Das Spiel wurde dadurch etwas „unrunder“ und die Bahlinger, denen drei Stammkräfte fehlten, kam zum Ehrentreffer. (Von Christian Düncher)

Bahlinger SC - Kickers Offenbach 1:6 (0:5)

Bahlinger SC: Müller - Klein, Lokaj, Adam - Rodas (63. Siegert), Faller (26. Alihoxha), Bischoff (63. Gutjahr), Pepic (56. Köbele), Häringer - Falahen (56. Probst), Fischer

Kickers Offenbach: Flauder (2) - Vetter (2,5), Zieleniecki (2), Karbstein (2), Marcos (2) - Laprevotte (2,5, 73. Dierßen) - Firat (2, 57. Sobotta/3), Deniz (1,5), Tuma (2,5; 73. Lemmer) - Bojaj (1,5; 65. Huseinbasic), Fetsch (1,5; 65. Soriano)

SR: Scheuermann (Winnweiler) - Tore: 0:1 Karbstein (4.), 0:2 Fetsch (24.), 0:3 Deniz (30.), 0:4 Bojaj (34.), 0:5 Fetsch (43.), 0:6 Bojaj (48.), 1:6 Fischer (85.) - Gelbe Karten: Falahen, Pepic, Siegert, Klein / -

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