Kickers Offenbach

OFC: Frust nach Rückschlag und eine weitere Hiobsbotschaft

War es das schon für den OFC im Titelrennen? Serkan Firat, Tunay Deniz, Sebastian Zieleniecki, Denis Huseinbasic (von links) sowie Trainer Sreto Ristic (vorne) ist die Enttäuschung über das 1:1 gegen Stuttgart anzusehen.
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War es das schon für den OFC im Titelrennen? Serkan Firat, Tunay Deniz, Sebastian Zieleniecki, Denis Huseinbasic (von links) sowie Trainer Sreto Ristic (vorne) ist die Enttäuschung über das 1:1 gegen Stuttgart anzusehen.

Kickers Offenbach muss mit dem 1:1 gegen den VfB Stuttgart II einen aller Voraussicht nach entscheidenden Rückschlag im Titelrennen der Fußball-Regionalliga Südwest hinnehmen. Es gibt zudem in personeller Hinsicht eine weitere Hiobsbotschaft. Trainer Sreto Ristic übt Kritik

Offenbach – Der Kampfansage von Florent Bojaj („Wir müssen am Dienstag zurückschlagen“) fehlte die Überzeugung. Das 1:1 (0:0) gegen den VfB Stuttgart II hat beim OFC sichtbare Spuren hinterlassen. Angesichts von nunmehr acht Punkten Rückstand auf den souveränen Tabellenführer SC Freiburg II blieb diesmal der obligatorische Hinweise darauf, dass ja noch viele Spiele zu absolvieren sind, aus. Und sogar der sonst stets gelassene Trainer Sreto Ristic reagierte fast schon gereizt, was allerdings nicht nur mit der Partie an sich zu tun hatte.

„Im Umfeld kann man gerne weiter diskutieren, wir schauen von Spiel zu Spiel“, sagte der 45-Jährige und gab zu, dass er mit der gegen Stuttgart gezeigten Leistung „nicht zufrieden“ war. „Das Unentschieden geht in Ordnung. Wir hatten in der ersten Hälfte Probleme mit und gegen den Ball.“ Es sei „schade“, dass man es nach dem 1:0 durch Florent Bojaj (71., traf nach Eckball von Serkan Firat) nicht geschafft hatte, das 2:0 nachzulegen (Mathias Fetsch und Tunay Deniz vergaben) beziehungsweise die Führung zumindest über die Zeit zu bringen. „Wir hatten aber wenig Körner“, gab Ristic angesichts der angespannte Personallage zu bedenken und wiederholte seinen Vorwurf der Ungerechtigkeit.

OFC-Geschäftsführer: Zweite Mannschaften können theoretisch auf bis zu 70 Spieler zurückgreifen

Im Gegensatz zu Bundesliga-Reserven habe der OFC bei Ausfällen „kein Regal, wo wir uns oben oder unter bedienen können“, klagte Ristic. Geschäftsführer Thomas Sobotzik ergänzte: „Wenn die Transferperiode zu Ende ist, können wir keinen Spieler mehr holen. Zweite Mannschaften können sich hingegen bei der ersten oder der U19 bedienen und so theoretisch auf bis zu 70 Spieler zurückgreifen.“ Bezeichnenderweise lief bei Stuttgart Leonhard Münst mit der Nummer 60 auf. Auf der Bank saßen Thomas Kastanaras (61) und Lukas Laupheimer (62).

Der OFC trat hingegen quasi mit dem letzten Aufgebot an. Nachdem bei Mittelfeldmann Tim Dierßen am Donnerstag ein Kreuzbandriss diagnostiziert wurde, fielen bei den Kickers acht Akteure aus, weil sie verletzt oder noch langen Zwangspausen nicht fit genug sind. „Wir müssen immer ans Limit gehen. Sieben, acht Leute müssen bei uns jedes Spiel machen“, haderte Ristic, der rechts hinten Marco Fritscher quasi durchspielen lassen musste, „da es keine Alternative gab“. Maik Vetter hatte sich letzte Woche verletzt, Francesco Calabrese fällt ebenfalls aus und U19-Spieler Vincent Moreno saß nur für den Notfall auf der Bank. „Ich hätte ihn bringen können, aber ich habe den Jungen noch nie im Spiel gesehen“, sagte der Coach. So musste also Fritscher ran, obwohl man ihm deutlich anmerkte, dass er nach seiner Verletzungspause noch nicht bei 100 Prozent war. „Er ist wichtig und erfahren und seit zwei Wochen wieder im Training. Da muss er sich durchbeißen.“ Fritscher biss auf die Zähne, wirkte im Zweikampf aber zögerlich. Dazu passte, dass er Marco Pasalic vor dem 1:1 nicht mehr am Torschuss hindern konnte (83.).

OFC muss am Dienstag bei Schott Mainz antreten

Zu diesem Zeitpunkt hatte Ristic längst Davud Tuma für den sich weiter im Tief befindenden Marcell Sobotta eingewechselt (67.), obwohl er ihn „am liebsten gar nicht gebracht“ hätte. Er hatte nach seiner vor zwei Wochen zugezogenen Muskelverletzung „kaum trainiert“, sodass der Einsatz „riskant“ war. „Wenn die Verletzung aufbricht, fällt er länger aus. Und nun steht ja eine englische Woche an.“ In der muss der OFC am Dienstag (20.04.2021, 19 Uhr) bei Schott Mainz antreten - wohl auf unnatürlichem Geläuf, was für die Gelenke alles andere als gut ist. „Kunstrasen im April, super“, lautete dazu Ristics süffisanter Kommentar.

Sobotzik legte unterdessen beim Thema zweite Mannschaften nach. „Wenn es finanziell schon extreme Unterschiede gibt, sollte wenigsten Waffengleichheit bei den Regeln herrschen“, forderte er. Zumal sich die Strategie der Bundesligisten offenbar verändert habe. „Wollte man vielerorts vor einiger Zeit nur noch auf eine U19 setzen, werden die zweiten Mannschaften inzwischen immer üppiger bestückt, um sportliche und wirtschaftliche Werte aufzubauen. Man sollte darüber nachdenken, das irgendwie zu beschränken.“ (Von Christian Düncher)

Kickers Offenbach - VfB Stuttgart II 1:1 (0:0)

Kickers Offenbach: Flauder (Note: 3) - Fritscher (5, 90.+1 Lemmer), Zieleniecki (3), Karbstein (4), Marcos (3,5) - Deniz (4), Huseinbasic (4) - Firat (3,5), Bojaj (4), Sobotta (5, 67. Tuma/4) - Fetsch (5, 87. Reinhard)

VfB Stuttgart II: Hornung – Reutter, Rios Alonso, Badstuber, Kleinhansl – Richter (90. Grimm), Weil, Michel, Münst, Pasalic – Alberico (73. Wolf)

Schiedsrichter: Michels (Lissendorf) - Tore: 1:0 Bojaj (71.), 1:1 Pasalic (83.) - Gelbe Karten: Deniz (11) / Michel, Richter, Badstuber, Kleinhansl

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